Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1923
- Issue
- 3 (Mai-Juni 1923)
- Date
- 1923-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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MM durch Bezieh!»»«». in denen es zu seinps gleichen steht. Lin Mittel, künstlich solche MeMhmWen' heyustÄ», «d tz» -Srch Heu Mort- oder SedaMchüichast zu v«d«tttchen. t» der Vergleich. Daraus erpibt fich^ daß ei« Verglich nienoalt dem logischen Zusammenspiel der Worte etwas Neues hinzusügt. daß er es nur deleuchlet und fixiert, und daß er — ist es wirklich nStig, dies ausdrüchlich hervorzuheben? niemals den Wert eines Beweises beanspruchen harf. Der verstorbene Rabbiner Werner wollte sagen: -Deutschtum und Judentum sind mir gleich lieb: ich halte die Frage, welches vok beiden mir lieber ist, für dumm." Um die völlige Neutralität seiner persönlichen Stellung zwischen Deutschtum und Judentum zu verdeutlichen, vielleicht auch, um die Dummheit der Frage grell zu beleuchten, zog er als Vergleich die Kindesliebe heran. Zweifellos hat er seine Absicht dadurch erreicht. Niemand wird in Zukunft über die Ansichten Merners im Unklaren sein. Die. Nichtigkeit eben dieser Ansichten aber wird dadurch nicht im Geringsten bewiesen. - Wie erklärt es sich nun, daß ein Vergleich, der m. E. falsch, ganz sicher aber nicht originell ist, eine so lang dauernde Wirkung haben konnte? Man braucht nur sorgsam die Zusammenhänge, in dene» er anstaachk, zu studieren, um den Grund zu finden. Werners Worte wären sicherlich längst vergessen, wenn sie sich nicht mit unmerklichrr logischer Umbiegung als Beweis für die Nichtigkeit einer gefühlsmäßigen Einstellung gebrauchen ließen: Weil Deutschtum und Judentum sind wie Vater und Mutter, so müssen auch meine Empfindungen ihnen gegenüber sein wie. die eines Kindes; folglich ist die Frage, welches von beiden ich mehr liebe, dumm. — Ich möchte ausdrücklich betonen, daß ich dabei nicht an einen bewußten Taschenspielertrick glaube, durch den der Vergleich voy seiner Stelle fortcskamotierk wird, um mit verschmitzter Dialektik als Argument aus.der Versenkung cmporzutaüchem, sondern an eine ehrliche Selbsttäuschung, die Morte und Wirklichkeit so sieht, wie man sie wunschgemäß sehen machte. Sind dinn Judentum und Deutschtum überhaupt vergleichbare Größen? Faßt man als Judentum die Einheit einer Religion, einer Weltanschauung zusammen, was bat cS dann mir dem im Wesentlichen national und politisch orientierten Deutschtum zu tun? Kann man im Ernst die Frage aufwerfenr Was liebst du mehr, dein Vaterland oder die Musik? Ist Judentum aber der Ausdruck einer Stammesgemeinschaft, dürfen wir deutschen Juden, soweit wir nicht auf dem Boden dcS Zionismus stehen, diese Frage bann anders beantworten als die: Liebst du Sachsen mehr als Deutschland?" Genau so, wie der Partikularismus berechtigte Fordcrungen-lhak» nämlich die, daß man seine Skommeseigcntümlichkchten schone, sodürfen wir Juden verlangen, daß man unsere Besonderheiten gelten lasse, aber ebenso, wie der PartikularisMus in lebenswichtigen Fragen des Reiches sich den Allgemeininteressen unterzuvrdnen hat, so das Judentum dem Deutschtum. In beiden Fällen bteihen die übernationalen Beziehungen deS Judentums»unangetastet, denn niemals können diese bei richtiger Einstellung zum Deu.tschtum mit diesem in Widerstreit geraten. Ich halte also die Frage, ob ich das Deutschtum oder das Judentum nsehr liebe, in der Tat für überaus töricht, aber nicht, weil chiese beiden sich verhalten wie Vater und Mutter, sondern ich Gegenteil, weil ihr Verhältnis zueinander und zu mir?nicht die geringste Aehnlichkeit damit hat. Wären aber Judentum und Deutschtum ihrem Wesen und Range nach vergleichbare Größen, warum wäre dann die Frage, welches von beiden ich mehr liebe, dumm? Nur deshalb, weil sie eindeutig ist und eine kläre Antwort verlangt? Oder sind diejenigen, die sich vor einer solchen Antwort in den Werner'schen Vergleich flüchten, so weltfremd, nicht zu wissen, daß Kindesliebe sich fast immer ungleich zwischen den Eitern verteilt, und daß die meisten Ehen genügend Gegenfätzlichkejten in sich bergen, »m die Kinder auch wider ihre» Willen zur Parteinahme zu zwingen? Verlief die hypothetisch« Ehe zwischen Deutschtum und Judentum bisher so reibungslos, daß die dentschen Inden niemals vor dem Zwange einer Wahl standen? Und «ine weitere? frage: Wenn Ihr Epre Liebe so völlig gleichmäßig zwischen Biker und Mutter, zwischen Deutschtum »ich Judentum yerftkft. welches ist dann Kure Mutterspräche? Jiddisch, hebräisch oder deutsch? Hier wetdet Ihr einen grundsätzlichen ab«, «um Ihr EÜH tzstMfVW schieden habt, bftids dtz MttstrSi« Ws -ichß ftrilich scheint Ench nicht eimntzi dftte WM'«« cherven. dem» wir werden ja in Berlin außer dem ji »bischen Theater nun bald ein .jüdisches' haben, und wenn i hehr-isthu vorerst noch fehlt, so keineswegs deshalb, weit t ft hebrÄsthe Sprache aus dem Konkurrenzkampf ansscheidet. Der Grund ist vielmehr ein anderer: .Ein hebräisches Ehester ist heut« für uns zunächst nur ein frommer Wunsch," schreibt Herr Dt. Werner Bab in der Jüdischen Rundschau, .die Grundlage fehlt: es gibt bisher kaum eine bedeutende dramatisch« Kunst In hebräischer Sprache." — .Zunächst" und .bisher" schreibt Herr Dr. Werner Bad in der Jüdischen Rundschau. Verdienen wir Mitglieder des Verbandes natlonqldeutscher Juden wirklich den Vorwurf des jüdischen Antisemitismus, wenn wir darauf dring«, daß die deMch« Iuüeaheit, soweit sie nicht zionistisch ist, eudltch einmal dle Farbe ihres Deutschtums klar und entschieden, bekenne» und wenn wir gegen die Spottgeburt eines jüdischen Theaters Protest erheben? Seid undeutsch, seid fremdvölkisch, wie «s die ehrlichen Zionisten sind: oder verpflichtet Euch auf Gedeih und Verderb dem Deutschtum, wie wir nationaldeutschen Juden: beides ist möglich. Aber bekennt nicht Euer Deutschtum mit Vorbehalt, macht Euch nichr lächerlich durch die Gründung einest jüdischen Theaters, seines Theaters mit jüdischer Regie, mit einem jüdischen Ememble', in dem man .jüdische Autoren spielen und auch niwtsüdische Dichter in Dramen mit jüdischen Themen, zu Warft kommen lassen" will. Was für ein Geschrei habt Ihr erhoben, als eine Hakenkreuzbühne in Sicht stand, was für ein Geschrei würdet Ihr erheben, wenn ein .judenreines' Theater gegründet würde! And schlimmer als dies: Behauptet nicht, Ihr leistet mit einem Theater, wie Ihr es vorbereitet, .jüdische Kulturarbeit'! Wenn einmal die wundervol en Verse Beer-Hof- Nianns, die feine Sprachkunst Schnitzlet von dieser Bühne Erklingen werden, wenn Zweigs .IeremiaS' aufgeführt mird. was habt Ihr damit bewiesen? Nicht bas Geringste für die jüdische Kultur, wohl aber, auch dem Blinden deutlich, wie ungeheuer viel Ihr, die Ihr haltlos zwischen Deutschtum und Judentum schwankt, der deutschen zu verdanken habt, wie deutsch noch der uudeutscheste von Euch geworden ist. Denn cs ist kein Dichter so groß, daß er nicht! der Sprache, in der er dichtet, sein Bestes zu verdanken häkle: eS ist kein Künstler so ursprünglich, daß nicht die Wurzel seiner Ursprünglichkeit ihre Nahrung aus dem Boden saugte, auf dem! feine Sprache gewachsen ist. Euer jüdisches Theater, wenn es gut ist, wird deutsch sein. Nun also, fragt Ihr spöttisch, warum regst du dich über unser Vorhaben auf, da dir doch eine Förderung deutscher Kultur durch Juden nur erfreulich sei» kann? — Gewiß! Aber warum heftet Ihr dieser Eurer Kulturarbeit ein falsches Etikett auf: warum eignet Ihr Euch an, was nichf Euch allein gehört, sondern dem ganzen deutschen Volke? Warum lauft Ihr mit den Juwelen Eures Geistes durch die Gassen, wie die Schieber am Kurfürstendamm fnit den wirklichen? Sind die Äeer-Hofmann, Schnitzler, Zweig nicht zu Wort« gekommen, daß Ihr ihnen ein jüdisches Theater gründen müht? Oder wollt Ihr wieder einmal prunken mit dem, was Ihr geleistet habt? Fühlt Ihr denn nicht, daß Ihr lyit Eurer Beschränkung auf .jüdische Regie, jüdisches Ensemble, jüdische Autoren und Stücke mit jüdischen Themen' wieder einmal einen Baustein zum Ghetto legt? Wenn eine anstsemitische Regierung Euch den Bau einies solchen Theaters und die Innehaltung eines solchen Spielplans aufzwingen würde, all Euer Stolz, Euer Menschentum würde sich gegen empören: nun aber, da Ihr es in unbegreiflicher Blindheit freiwillig tut, nennt Ihr es: .Jüdische Kulturarbeit!' — .Jüdische Kunst' soll in diesem Theais schreibt Dr. Bab, und nennt unter den geführt werden sollen, Lestings .Rat -Kaufmann von Venedig" mrd unter Rembrandt hak herrliche Bilder nach Alken Testamentaemalt. Gehet hin, sav einem jüdischen Bilderhändftr aus, und r gepflegt werden, Wernen, dl« auf- ", Shakespeares n Autoren Byron, nyürfen ans dem melk sie, stellt ste bet he: ste venoolndeln sich in .jüdische Kunst"' Wahrhaftig, l Herr Dr. Bab, ich bewundere Sie! .Bester als in Profefiverfgmmlnngen und durch «pol»- gettsch« Schriften wird hier der Ankstemitismns bekämpft werden, ganz ohne Kampf.' — Mrklich? Glanbt Ihr. Lrr«