Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1923
- Issue
- 1 (Januar/Februar 1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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wahrscheinlich für Lebenszeit, zu werden. Man würde ferner den wirklichen Antisemiten den Vorwand geben, zu sagen, Hag .die Joden' sofort ein« Lhristcnversolgung inszenieren, sobald man noch so maßvoll ihre Schwächen kritisiere. Der Schriftleitung unseres Blattes aber muffen wir dankbar sein< daß sie uns durch den Abdruck dieses Aussahes wieder einmal gezeigt hat. wie uns die anderen sehen, deren .Stimmen vom anderen Ufer' zu uns herüber schallen. Nur wenn wir uns nach, dieser Richtung hin einer Selbsttäuschung nicht,hingeben, ist es unmöglich, den Verstänüigungsgedanken mit wirklich geeigneten Mitteln All fördern. And da4 geeignetste Mittel ist es, bei der Erziehung unserer Jugend darauf zu achten, düß gerade die von Gerd Pag erwähnten Untugenden, wo sie sich bei unseren Kindern zeigen sollten, mit größter Energie unterdrückt werden. Denn wir Juden sind nun einmal in einer derartigen Situation, daß wir uns bewußt sein muffen: Was ein Einzelner sündigt, wird der Gesamtheit zur Last gelegt, und auch der vorurteilsfreieste Nichtjade unterliegt, wenn er in entsprechend« Umgebung gerät, der Gefahr, die Fehler des einzelnen Juden zu verallgemeinern. Es ist nicht damit abgetan, daß wir uns schon heute mit Recht sagen dürfen, die .Anderen' seren nicht bester als wir. Unser Streben muß sein, besser zu sein als die Anderen. Nur auf diese Weise könnnen wir «auch dem unbewußten Antisemitismus wirksambegegnen und dse Brücke zum .anderen User' schlagen. vermischtes Deutsches Sprachgefühl. Der .liberale' Bruno Woyda erwähkt in dem Schimpfartikel »er Jüdisch-liberalen Zeitung (stehe Echo der Presse) auch die in der vorigen Nummer unseres Mitteilungsblattes abgedruckte Notiz über dir voraussehbare und deshalb vermeidbare Freisprechung Maurenbrechers. Die Notiz enthält die ironische Wendung, das Verfahren habe .inzwischen glücklich mit . . . Freisprechung^ geendigt'. Herr Woyda bemerkt dazu wörtlich: .Glücklich. Wirklich: glücklich. Wir f?cuen uns über Näumanns Glück.' Wir wünschen unsererseits der Jüdisch-liberalen Zeitung .Glück' zu bcm kerndeutschen Sprachcmpfinden ihres verantwortlichen Schriftleiters. ' Die nationale Heimstätte. Eine« Volkszählung in Palästina hat ergeben, daß die Gesamtbevölkerung rund 730 000 Seelen beträgt, von denen rund 500 000 Mohammedaner sind. Di« Zahl der Juden beträgt rund 83 000, die der Christen rund 73 000. Dabei ist zu beachten, daß die Juden nickt etwa sämtlich Zionisten sind. dSie gehören zum nicht unerheblichen Teil zu den alteingesessenen Familien, die zu dem Zionismus in schärfstem Gegensatz stehen. Es hat »>l'o noch gute Wege nut der nationalen Heimstätte. Im übrigen schreiben die .Times' wörtlich: .Die Verwaltung darf weder pro-arabisch noch pro-jüi isch sein, sondern im wesentlichen britisch. Zur Beachtung für zionistische Illusions-Politiker. Berliner Jüdische Gemeinde. Die sogenannten Liberalen Hanen mit den Angehörigen der anderen Partien ein Wahlkompwmih geschlossen. Ergebnis: Das Neprüsentantenkollegium besteht.aus gleichviel .Liberalen' 'auf der, einey und Zionisten, Orthvdoren usw. auf der anderen Seite. Das Zünglein an der Wage isl ein Handwerksmeister, der i versichert hat. .neutral' zu sein.. Was dies praktisch bedeutet/ weiß jeder Kenner der Dinge. Wer in der heutigen Zeit glaubt^ .neutral' sein zu dürfen, ist mindestens unzuverlässig im Punkte des Deutschtums. Die Herren Zionisten und ihre Verbündeten werden also leichtes Spiel haben. Wir warten auf den Zeitpunkt, zu dem Jiddisch in Berlin die offizielle Gemeindesprache wird. Zeitgemäße Werbung für den Palästinaausbao. Für Sonntag, den 28. Januar, hgtte ein Ausschuß^ bestehend aus einem .Bankdircktor, einem Generalkonsul und einem offiziellen Zionisten in Berlin zu einer Veranstaltung des .Keren Hajessod' eingcladcn. ES sollten Lichtbild-Vorführungen und An- »sprachen stattsinden. Die Filmvorführung mißlang kläglich, so daß die Eingeladenen sich allmählich enttäuscht verliefen. Die Ansprachen versuchten in der üblichen Weise zwischen Deutschtum ünd Zionismus hindurchzulavieren. Jedenfalls war das Ganze ein unoerhüllter Versuch, deutschen Juden Geld für den Palästinaaufbau abzujocksn. Wie ein derartiger Versuch in der heutigen Zeit auf deutschsühlende Juden und vor allem Nichtjuden wirken muß, bedarf keiner Erörterung. Aber von den Herren Veranstaltern sind zwei durchaus nicht etwa Zionisten, beileibe nichf. Dagegen 'werden sie jedenfalls den Antisemitismus aufs schärfste mißbilligen. Sollte ihnen niemals der Gedanke kommen, daß fix selbst der Iudenfeindschaft Vorschub leisten?! Die Opfer. DaS I.C.B. dringt folgende Nachricht: In Warschau wurde eine Fabrik für falsche Auslandspässe sowie für gefälschte Ausweise dcS Emigrationsamkes von der Polizei entdeckt. Hpfer der, Fälscher waren achtel der gespannten Tageszeitungen ent- In letzterer Stadt de- 1 zionistisch« Toges- Wer wundert sich meist jüdische Emigranten, die sich k«ine Affidavits aut Amerika beschaffen konnten und für «injen falschen Paß dis zu 100 Dollar gezahlt hatten. Arme .Opfer't Ostjndea in Amerika. In den Mitteilungen der Bne Brißi-Logen findet «in Brief aus Amerika, in dem es wörtlich heißt: ... zeigt doch die-Kriminalistik »er Juden einen erschreckend hohen Prozentsatz! Das oststldische Element, aus dem sich diese Bestraften fast ausnahmslos Zusammenleben, scheint demnach die Beschränkung ihrer Elmoanderungszttfer aus «ine Norm von SSL zu rechtfertigen . . . Wir verstehe» nur zu gut die Bemühungen der amerikanischen Logen, -t« Einwanderer so rasch wie möglich zu .anerikanisteren'. d. h. über die elementarsten Pflichten eines unständigen Menschen und guten Bürgers zu belehren.' Juden iu Polen. Das I.L.B. meldet, daß in Polen .ung finanziellen Lage der Presse' 4 neue lüdisq standen sind, davon allein 3 in Warschau, stehen bereits 4 jüdische Tageszeitungen und zeitung, die in polnischer Sprache erschein^ noch über^-Iudeufeindschaft in Polen? Herr Dorten druckt ua^h. In dem Organ des rheinischen Hochverräters Dorten dem .Rheinischen Herold', ist ein Artikel aus unsere« letzten Mitteilungsblatt ohne Quellenangabe nachgedruckt mit der Einleitung: .Von einem Mitglied des Ver mndes nationalgesinnter Juden wird geschrieben'. Diese Formel muß und soll den Eindruck erwecken, daß eines unserer Verbanhsmitglieder an Herrn Dorten geschrieben habe. , Denen, die uns kennen, brauchen »ir nicht, erst zu sagen, daß wir diesen Menschen und sein Preßorgan genau so verabscheuen wie jeder andere gute Deutsche es tut, und daß uns nichts ferner liegt, als ihm Briefe zu schreiben oder Artikel zu senden. Aber wem die Einheit des deutschen Vaterlandes nicht heilig ist, dem braucht es auf solch« Kleinigkeiten wie unbefugten Nachdruck und Verdrehung von Tatsstchen gewiß Nicht anzukommen. j I i! verbanclsnachÄchten , 1. Ortsgruppe Halle. Auf Einladung des Orlsgruppenvorstandes hielt der Verbandsvorsitzende Dr. Naumann einen Vortrag über .Brennende TageSfragen'. Die Versammlung war . gut besucht. Dem Vortrag folgte eine an egende Aussprache. 2. Zwanglose Zusammenkunft in Bert.»am 10. Januar 1923. Herr Friedrich o. OppelN-Bröniko oski hielt einen sehr interessanten Vortrag über das Thema: Juden und .Arier'. Er wies unter Bezugnahme auf wiffenschastljche Forschungsergebnisse der neuesten Zeit den Unsinn der .deutschvolkischen' Rassentheorte nach und bekannte sich zu dem Grundsätze unseres Verbandes, daß nicht die Abstammung den Deutschen/ausmacht, sondern das deutsche Gefühl und der feste Wille, sich!ohn« Vorbehalt in das Gefüge des Volkes, nicht nur des Staates, einzuordnen. Dem mit reichem Beifall aufgenommenen Vorttag folgte eine lebhafte Diskussion, in der'insbesondere die Ostjud^n- und die Jugendfrage erörtert würden. 3. Hauptversammlung. Die Hauptversammlung ist mit Rücksicht aus Schwierigkeiten der RaumbeschasfuNg in den März d. I. verlegt worden. Näheres wird in der nächsten Nummer des Mitteilungsblattes bekanntgegcben. 4. : Veranstaltungen im Februar (B> rlin). Eine zwanglos« Zusammenkunft ist für die zweite Hälfte >es Februar in Aussicht genommen. Unser stellvertretender Vorsitzender, Herr Sanitälsrat Dr.Peyser, wird das Referat halten über: , Das Schlagwort: Juden und Freimaurer.' Es ergehen befände, e Einladungen.! 5. Jugendbewegung. Ein Zusammen chluß der an verschiedenen Orten Deutschlands bestehenden Juiggruppen und Iuäendvereinigungen, die auf den Grundsätzen inseres Verbandeslaufgebaut sind, ist in Aussicht genommen. Mitteilungen werden erbeten an Herrn rand. phil. Erich Kusonitzky, München, Kunigundenstr. 20c> b. Moos. 6. Beiträge. Die Mitgliedsbeiträ je sind im großen! und ganzen bisher gut eingegangen. Immert in hat eine Anzahs von Mitgliedern noch nicht gezahlt. Mit Rücksicht auf die fortschre»- tend« Geldentwertung wird um baldige Zihlung und um reichliche freiwillige Spenden gebeten. 7. Ortsgruppe Breslau. Der Vorstand hat sich aus Zcheckmäßigkeitsgründen umorganisiert. Vorstandsmitglieder sind ^Handelsgerichtsrat Becrel (Vorsitzender), j Geh. Justizrat Feig« und Rechtsanwalt Dr. Engel. Dem Vorstand steht «IN ArbeitSaasschuß zur Seite, der aus den meisten Mitgliedern des bisherigen Vorstandes und einigen neugenählten Herren besteht. Der Vorstqnd. O,. Mos Naumann chaklouendukg. vru<I> wolff L c». a»rr. yol,morkll»