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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-09-01 · 7 (September/Oktober/November1922) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
7 (September/Oktober/November1922)
Date
1922-09-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Zeit im Lentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens maßgebenden Persönlichkeiten vielfach abweicht.. Insbesondere legt der Unterzeichnete Verband Wert darauf, daß nicht durch «ln« meist auf innerer Unsicherheit beruhende Üeberempfindlichkeit Vorgängen di« Bedeutung einer antisemitischen Ausschreitung beigelegt werde, die sich nicht selten als durchaus harmlos Herausstellen, wenn man sich nur die Mühe nimmt, die Vorgänge genau zu untersuchen und zu> unterscheiden, ob diejenige Persönlichkeit, von der die vermeintliche Ausschreitung begangen ist. tatsächlich ein erklärter Judenfeind oder nur durch Unkenntnis der zwischen den verschiedenen Gruppen der deutschen Juden bestehenden Unterschiede zu einer Entgleisung veranlaßt ist. Der Unterzeichnete Verband begrüßt eS selbstverständlich freudig und wünscht selbst auf daS dringlichste, daß Ausschreitungen, die in diesem Sinne wirklich .antisemitisch' sind, energisch verfolgt werden und eine Laschheit in der Verfolgung solcher Ausschreitungen, wie sie gelegentlich bet manchen Organen der Staatsanwaltschaft zutage getreten ist. nicht geduldet werde. Ebenso aber legt der Unterzeichnete Verband Gewicht darauf, daß nicht infolge Ueberempfinölichket eines deutschen Staatsbürgers jüdischer Abstammung Vorgänge, die sich bei richtiger Behand- 'lung als durchaus harmlos aufklären ließen, zu .anlisemitischen Ausschreitungen' aufgebouscht werdea und dadurch den wirklichen Antisemiten der erwünschte Vorwand gegeben werde, über .Bevorzugung der Juden in Preußen' Klage zu führen, wie eS anläßlich der Verfügung vom 23. September 1922 in einem Teile der .deutsch-völkisch' eingestellten Presse schon geschehen ist. - Aus allen dielen Gründen gestattet sich der Unterzeichnete Verband die Bitte, sich bei der in Aussicht genommenen Anhörung geeigneter Sachverständiger nicht ausschließlich an den Centraloerein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wenden, sondern auch den Unterzeichneten Verband heranzichen zu wollen. Der Herr Minister hat mit folgendem Schreiben geantwortet: ' .In der Rundoersügung vom 23. September d. 3. — I. 5260 — ist den Staatsanwaltschaften ausgegeben worden, in den! daselbst bezeichneten Fällen wegen Anhörung geeigncler Sachverständiger .mit den Organisationen der jüdischen Staatsbürger' in Verbindung zu treten. . Mit dieser Fassung ist, wie bereits dem Vertreter einer anderen Organisation mitgeteilt worden ist, bezjweckt, nichtbloß eine einzelne Organisation, sondern die verschiedenen Organsatonen der füdischen Staatsbürger bei Ersuchen um Benennung von Sachverständigen zu berücksichtigen. Eine Mitwirkung des Verbandes nationaldeutscher Juden entspricht daher den Absichten der Ver- - sügung.' ES ist bedauerlich, daß die zuständige Staatsanwaltschaft sich nicht mit unserem Verband in Verbindung gesetzt hat. ehe-auf Denunziation des CentralvereinS daS Verfahren gegen Mourenbrecher eingeleitet wurde, das inzwischen glücklich mit dessen Freisprechung geendigt hat. Der Arkikes Maurendrechcrs war gewiß scharf .antisemitisch', aber er enthielt in der Tat nicht ein Wort, das über die Grenzen eines erlaubten Ausdrucks 11N7 sinniger Ansichten, wie er nach dem Gesetze nun einmal jedem Staatsbürger freisteht, hinausgegangen wäre. Durch derartige Strafprozesse mit unausbleiblichem Blamage - Erfolg wird der Sache des iinneren Friedens nicht genützt und nur Mißtrauen und Zurückhaltung bei Anklaaedehörhen und Gerichten hervorgerufen, waS sich rächen dürfte, wenn einmal in einem wirklich geeigneten. Falle die Strafjustiz bemühtwerden muß. Vas reiche Deutschland. Das Jüdische C 0 r r e s p 0 nh e n z - B ü r 0 veröffentlicht einen vom Hauptbüro des Keren Hajessod (Palästinawerk) in London herausgegebenen Bericht über die Tätigkeitsperiode vom Frühjahr 1921 biS September 1922. Im Ganzen sind 28 Länder angeführt, deren Spenden zahlenmäßig genau angegeben werden. Von diesen 28 Ländern tangiert Deutschland an fünfter Stelle m.it 17082 Pfund 4 sh. 2 p. Das macht in deutschem Geld« nach dem' heutigen Währungsstande 500—600 Millionen Mark auS. Gottseidank, wir haben's ja dazu! Prozeß Naumann^ gegen Nofenbaum nticl Gen In der Privatklage-(Belei-igungs-)Sache unseres Vorsitzenden Dr. Naumann gegen den Schriftleiter deS Israelitischen FamllenblatteS Dr. .Rosenbäum, gegen den Geschäftsführer Earl Eisfeld, gegSn den Studenten Ludwig Tletz (Vorstandsmitglied der ^identischen Ortsgruppe deS Central-Vereins) »nd gegen Dr. HelMann (Syndikus eines Landesverbandes deS Central-DereinS) war auf den S. Dezember d. I. Trrmt» M Hauptverhandlung anberaumt. Der Termin st vom Gericht vertagt worden, weil der von Dr. Nauman» als Zeuge gelatmm Lentral-VereinS-SyndikuS Dr. Holländer durch Kranich«^ am Erscheinen verhindert war. * - j v erbanclsncrchrLchten. - 1. Versammln»- in Berlin am 8. 11. -2! Die Veranstaltung war dazu bestimmt, den Mitgliedern der Deutschen Gesell» schaft 19 bä Gelegenheit zur Anhörung des Vortrags zu geben» der von Dr. Naumann bereits für den 8. 6. 22 angekündigt und damals von Mitgliedern deS. Central-Vereins hintertrteben war» den war. Die Versammlqna wqr von Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft gut besucht. An den Vortrag, der die Grundlage» und Ziele unseres Verbandes entwickeltes schloß sich eine sehr interessante Aussprache. Insbesondere daS Auftreten der beide» zionistischen Regierungsbeamten Ministerialrat Dr. Badt und RegierungSrat GoSlar dürfte manchem Versammlungsteilnehmer über daS Wesen deS deutschen ZiontSmnI die Augen geöffnet haben. Näheres über diesen Punkt steh« .Echo der Presse'. Bedauerlich war, daß der Central» Verein, von dem führende Persönlichk«ten eingeladen war«^ sich an der Aussprache nicht beteiligte. Seine bekannten Gedankengänge wurden jedoch durchaus vollständig von einem getauften Juden, Amtsgerichtsrat Herjz, vorgetragen. Der Redner »Erstieg sich unter lebhafter Heiterkeit der Versammlung zu dem Ausspruch: eine Iudenfrag« gäbe eS garnecht. 2m übrige» beteiligten sich an der Aussprache Geh. Reg.-Rat Dr. Borchardt, der sehr interessante Darlegungen über den Antisemitismus im Altertum machte, San.-Rat Dr. Peyser und Studienrat Ofner, die den Regierungszionisten entgegentraten, San.-Rat Dr. Friedlfinder, Herr Pulvermann u. a. m. 2. Ortsgruppe BreSlao. Auf Einladung der Ortsgruppe hielt unser Vorstandsmitglied D r. Peyser einen Vortrag über Zielen Methoden und bisherige Erfolge unseres Verbandes. Die formvollendeten und inhaltlich reichen Ausführungen deS RednrrS wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. An den Vortrag schloß sich eine Aussprache, in der besonders unsere neutrale Einstellung zur Parteipolitik und unser Verhältnis zum Central-Derein erörtert wurden. 3. Ortsgruppe Hall«. Nach einem Vortrage des Verbands- Vorsitzenden Dr. Naumann und einer anregenden Aussprache» die zur Aufklärung mancher über unsere Bestrebungen geflissentlich verbreiteter Zrrtümer führte, wurde eine Ortsgruppe gemundet und ein aus 10 Mitgliedern bestehender vorläufiger Vorstand gewählt. Die Ortsgruppe hat inzwischen ihre erste Sitzung adgeyalten und den Vorstand endgültig konstituiert. Vorsitzender ist Herr Willy Lewin, 1. Schriftführer! Herr Waldemar Müller, Äismarckstr. 12. Die junge Ortsgruppe erhielt sofort einen stattlichen Zuwachs an Mitgliedern. Eine Jugendgruppe ist in. der Bildung begriffen. 4. Ortsgruppe München. Ein Vortrag des Herrn cand. phil. Kuschnihky über .Bismarcks Stellung zum Judentum' wurde mit Beifall ausgenommen und in mehrere» Zeitungen besprach«» (siehe .Echo der Dresse"). Eine Jugendgruppe, die Jugend aller Stände umfassen sog, wird sich um Mitte Dezember konstituieren. Die akademische Jugend: deS Verbandet trifft sich jeden Donnerstag abends 8 Uhr im Caf« Stefanie, Theresienstraße. Diese Zusammenkünfte werden auch nach der Gründung der Jugendgruppa fortgesetzt. 5. Berliner Veranstaltungen. Für Anfang Januar ist «in« Zusammenkunft der Groß-Be>rliner Mitglieder in Aussicht genommen. Ein bekannter nichtjüdischer Politiker wird daS. Referat halten. ES ergehen besonder« Einladungen. . Im Februar 1923 findet die Hauptversammlung der Mitglieder statt! Auch hierüber ergeht besonder« Nachricht.; 6. Janggruppe aalioaaldeakscher Jude«. Berlin. Alle Anfragen sind an Zerrncand. pharm. KurtLewy. Ketthstr. 18» zu richten. Die Jugendgruppe veranstaltet regelmäßig Vortragsabende und SonntagS-Fahrten. 7. Mitteilungsblatt. Aus den an der Spitze dieses BlateS erwähnten Gründen mußten wertvolle Aufsätze, die wir gern schon diesmal zum Abdruck gebracht hätten, zunächst zurückgestellt werden, so zwei Arbeiten des jungen Historikers Kuschnitzky, ein Aufsatz .Jesus und Zion' von Adolf Gerson, ein Auslaß .Der Volksbegriff in Spenglers Untetgang des Abendland« und die nationaldeutsche Bewegung' von dem Breslauer Jung» mitgliede Kurt L « wy, ferner ein sehr interessanter Aufsatz h« (nichtjüdischen) sozialistisch«» Politikers Erwin Barth .Einigkeit tut uns not. Wir hoffen, daß eS an« möglich sein »Kd» diese Arbeiten später zu bringen. Der Vorstand. verantwort,. La,ryU«,t«r: Dr. Mar Naumann, charloitenbur«., vro<» vt»<v<>rua>«r»I wo»s L c».. « 27 6oI,mar»Grat« z.

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