Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1922
- Issue
- 7 (September/Oktober/November1922)
- Date
- 1922-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Der K. C.-Geschästsführer Dr. Loevy bemüht sich nun in Heft 7/8/S der K. L.-Blätter, durch einen fast 7 Spalten des kostbaren Papiers füllenden Aufsatz den Eindruck dieser — offenbar auch ln K. C.-Krelsen peinlich empfundenen — Tatsache abzuschwächen. Wir haben keinen Anlatz, auf di« Gedankengänae des Artikels, der im wesentlichen nur die z tausendmal gehörten Zwischenschichts-Argumente! wiederholt, an dieser Stelle einzugehen, denn den Lesern unseres Blattes sind weder diese Gedankengänge neu, noch dasjenige, was wir zu ihrer Widerlegung zu sagen habpn. Ein paar besonders bezeichnende Sätze geben wir oben unter .Alljüdische Zusammenhänge' wieder. Dagegen hätten, wir gern Gelegenheit genommen, unser« Anschauungen einmal in den K. C.-Blättern selbst zu vertreten. Wir haben dem K.C. angeboten, ihn in den Spalten unseres eigenen Mitteilungsblattes zu Worte kommen zu lassen, wenn uns dafür die Möglichkeit gegeben würde, in den K. C.-Blättern zu erwidern. Dtr Geschäftssührende Ausschuh des K.C. (Vorsitzender: Central- Vereins-Syndikus Dr. Holländer) hat dieses Anerbieten tapfer abgelehnt. Nach Ansicht dieser Herren genügt es zur Information der K. C.-Mitglieder über unsere Bestrebungen vollständig, wenn sie durch den Palästinaaufbauer Dr. Goldmann, den Geschäftsführer Dr. Loevy und durch ähnlich .objektiv' denkende Beurteiler unterrichtet werden. Herr Dr. Loevy meint schalkhaft, daß .die meisten Angehörigen des K.C. wahrscheinlich keine Dauerabonnenlen (unseres Mitteilungsblattesi sein werden'. Wir glauben, daß er die Zahl der K. C.er unterschätzt, die schon heute unserem Verbände angehören. und vor allem derer, die wenigstens unsere Vcrössentlichungcn regelmäßig lesen, and zwar mit stärkerer Anteilnahme lesen, als manche Aussätze in den K. C.-Blättern. Für diese Leser und ihre Freunde schreiben wir diese Zeilen, die bestimmt sind, unsere Stellung zum K.C. grundsätzlich zu klären. Herr Dr. Loevy schreibt zu unserer Notiz über di« Würzburger Vorgänge: .Wollte man den K.C. als solchen angreisen, um an ihm den Mangel an deutschvaterländischcr Gesinnung zu brandmarken? Wozu sonst der Hinweis aus den Palästinaausrus, wozu die Mahnung an die deutschsühlenden K. C.er? K. C.er, die nicht deutsch fühlen, sind ein W(der-j spruch in sich selbst. Bemerkenswert ist übrigens, dah Herr Dr. Naumann einem Teil des K.C. ojsenbar deutschvaterländische Besinnung zuspricht, wahrend bisher anzunehmen war, dah er den 5r. C. als solchen in den großen Hessel der .Zwischenschichtler.' hineintat.' Die Entdeckung,des Herrn Dr. Loevy, dah wir .einem Teil des K.C. offenbar deutschvaterländische Gesinnung zujprechen', wird für niemand, der unsere Veröffentlichungen wirklich kennt, eine Ueberraschnng bringen. Aber jeder Kenner der Verhältnisse wird lächeln über den Sah: ,K. C.er, die nicht deutsch fühlen, sind ein Widerspruch in sich selbst.' Sollte Herr Dr. Loevy, der Geschäslssührer des K. C-, nicht zu diesen Kennern gehören? Sollte es gerade ihm wirklich unbekannt sein, dah erst vob kurzer Zeit einig? Alte Herren des K.C. sich ganz offen als Zionisten bekannt haben, und dah der K L. sich trotzdem nicht hat enlschliehen können,'diesen .deutschsühlenden' Mitgliedern den Abschied zu geben? Aber wir brauchen nicht einmal diese augenfälligsten Erscheinungen in Betracht zu ziehen. Das, was Herr Dr. Loevy selbst über die Beteiligung .einzelner' K. C.er am Palästinaaujbau sägt, genügt sür jeden, der verstehen will. Alle dialektischen Eiertänze, alles Jonglieren mit Redensarten wie .Natlonaljudentum', .Kulturzionismus' einerseits und .religiöses oder philanthropisches Interest« für den Palästinaausdau'-andererseits können und dürfen uns nicht irremachen in der Erkenntnis: Wer heute die Hand dazu bietet, die englische Kolonie Palästina mit deutschem Gelde auszubauen, schädigt das deutsche Vaterland zu Gunsten des Auslands und stellt sich damit außerhalb der Gemeinschaft derer, die sich .üeutschfühlend' nennen dürfen. Ein ehrlicher Zionist ist uns lieber, als diese Gattung jüdischnational verfärbter Zwischenschichtler, die ihr alljüdisches Gemeinschaftsgefühl, ihre innere Wurzellosigkeit mit .religiösen oder philanthropischen' Phrasen bemänteln. Wie steht es demnach mit dem Deutschtum der K. C.er? Wir können nur mit Wilhelm Busch antworten: .Des Wurmes Länge ist verschieden.' Die Verhältnisse im K.C. gleichen wie ein Li dem anderen den ^Verhältnissen im Central-Verein, in dessen Räumen das K. L.-Büro baust, in dessen, Verlag die K. C.-Blätter erscheinen, dessen Syndikus Holländer Vorsitzender des Geschäftssührenden K. L.-Ausschustes ist und dessen Vorstandsmitglied Rabbiner Goldmann noch immer die K. C.-Zeitschrift redigiert. Es wäre lohnend und wir werden bei geeignetem Anlaß nicht versehlen, die Fäden des persönlichen Zusammenhanges noch weiter zn verfolgen, nach unten hin bis zu den kleinen und kleinsten Göttern, die vom K.C. aus in Aagestelltenoerhältnisse zum Central-Verein treten, und seitwärts über den Reichsbund jüdischer Frontsoldaten, in dem die all jüdische Einheitsfront durch offiziell« Ausnahme von Zionisten schon i klarer. zum Ausdruck kommt, Aber gewisse religiöse Bereine und die Schrifleitungen gewisser Zeitungen hinweg bis an diejenigen, Stellen, wo sich verwaschenes Halbdeutschtum in deutsche Politik umsetzt. Aber alles dies betrifft nur die .leitenden' Kreise, in di« freilich jeder ohne Schwierigkeiten ausrücken kann, der nur das erforderliche j Maß geistiger Unklarheit und zwischenschichsstchen .Empfindens sowie die Fähigkeit, in Rede und Schrift banale Schlagwörte aneinander zu reihen, milbcingt. Die Masse der K.C. Mitglieder. die Mannschaft der oben gekennzeichneten .Offiziere' bleibt -unberührt. .Von dieser Masse gehört ein großer, vielleicht dz^r—c überwiegende Teil zu den unzPeifelhas.tl deutschfühlenden, in unserem Sinne niationatdeutjchen Juden. Nur können sich — genau wie im Lentral-Vcrein — diese deutschsühlenden Mitglieder sticht durchsetzen, weil sic, genau wie im Central-Verein, nicht die Entschluß,ahigkeit ausbringen, zunächst den Personenwechsel zu erzwingen, aus dem sich der Richtungswcchsel ohne weiteres ergibt. Ein Blick in die K. C.-Blälter genügt, ujn das Vorstehende aus seine Richtigkeit nachzuprüfen. Hin und! wieder einmal ein Aussatz, ein Brief, eine Buchbesprechung, in denen! ein herzerfrischend deutscher Geist zum Ausdruck kommt. Aber daneben regelmäßig und vorwiegend an leitender Stelle Schreibereien, die, recht gut im Israelitischen Familienblatt stehen könnten, und die gelegentlich in der Tat gleichzeitig in diesem Lcibörgast .einheirats'-sreudigcr Roßtäuscher erscheinen. Oedeste und gedankenärmste .Bekämpfung des Antisemitismus' ohne ein! Wort des Hinweises darauf, baß auch von jüdischer Seit? selbst snanches zur Eülschärsung des Gegensatzes geschehen müßte. Liebevolle Würdigung geschichtlicher und religiöser Schristea, die laus vollem jüdischen Herzen', aus .warmem jüdischen Empfindens geschrieben sind und mit dem .Wesen des Judentums' wie mit! einem feststehenden und einheitlichen Begriff operieren. Bei Klischeemäßigen Beteuerungen deutscher Gesinnung ängstliches Vermeiden jeder entschiedenen Stellungnahme zu den Fragen, die heute sür jeden wirklich deutschsühlenden Juden di« brennendsten sind, zur Zionistensrage, zur Ostjudensrage, zur Frage des Palästinaausbaues, zu allen den Problemen, die mit der Gefahr eines Rückvcrsinkens der deutschen Juden in die Flut des Alljuhentums Zusammenhängen. Und die Leser des Blattcis lassen sich diese Schristleitung gefallen. Dieser Irgend genügt es anscheinend, im gemächlichen Tempo des! denksüglen Staatsbürgers > nach der einschläfernden Melodie der Central- Vereinspseisc Zu tanzem Rur selten ein schwacher Versuch der Auflehnung gegen die EtumpssinnS-Züchterei. nur selten eine Regung des Dränges, den regierenden Zwischenschichllern einmal eine eigene, eine jugendliche, eine deutsche Weise trufzuspielen. Und dann wundern sich die Herren, wenn Außenstehende in Versuchung geraten, den ganzen K. C.. den sie natürlich mach seinem offiziellen Organ beurteilen, in den .großen Kessel d'tr Zwischenschicht hineinzutun.' '! Wir selbst wissen, wohl und haben -stets betont, daß solche Verallgemeinerung nicht am Platze ist. Rur bedauern wir eine Jugend, die es-nach außen, hin an Beweisen persönlichen Mutes nie hat fehlen lassen, die aber die Zivilkouragc nicht aufbring«n kann, endlich einmal auch nach innen hin Ordnung zu schassen und sich trotz aller wirtschaftlichen Rücksichten, die naheliegen mögen, von. der geistigen Oberherrschaft dar.Holländer, Goldmann usw. zu befreien. Von der Herrschaft demjenigen Elemente, deren Wirken wesentlich dazu beigetragen hcst, die Kluft zwischen deutschsühlenden Juden und Nichljuden so breit und tief werden zu (asten, wie sie uns heute entgegeuklasst. M. R. j Vermischtes. - preußische Justiz unrl klntisemttiamuh. Wir haben an den Preußischen Iustizmsnister das nachfolgende Schreiben gerichtet^ .In der Verfügung vom 23. September 1922 betreffend antisemitische Ausschreitungen ist der Anklaghbehörde empsohley, wegen Anhörung geeigneter Sachverständiger mit den Organisatonen der jüdischen Staatsbürger in Verbindung zu j treten. Der Unterzeichnete Verband gestattet stchs in der Anlage einiges Drucksächenmaterial zu übersendest, aus dem sich das sür die hier zu erörternden Fragen Wesentliche.über seine Bestrebungen ergibt. > Der in der Verfügung vom 23. September 1922 gebrauchte Ausdruck .Organisationen der jüdischen Staatsbürger' legt die Annahme nahe. >daß mit diesen Organisationen, die wegen Anhörung geeil>neter (Sachverständiger angefragt werden sollen, in erste:' Linie der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Olaubens gemeint ist. Der Unterzeichnete Verband vertritt bezüglich der Iudensrage einen Standpunkt, der von demjenigen der zur i> I i.! s