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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-09-01 · 7 (September/Oktober/November1922) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
7 (September/Oktober/November1922)
Date
1922-09-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Mutter sprechen. Warum Sch immer über bte anderen stellen? Der ein« Schüler will nicht zum anderen als zu einem höheren, besseren aufsehen; er will das Gefühl der völligen Gleichheit haben. Ebenso falsch ist es natürlich, allzu beschetden zu sein. Aschenbrödel zu spielen, sich zu ducken und geduldig alles elnzustecken. Solche Schüler sind beinahe noch »noellebter als die anmatzenden: sie werden von ihren Kameraden verachtet. Aber die jüdischen Schüler neigen meist zu dem einen oder anderen Extrem. Datz si« den goldenen Mittelweg des Horaz «inschlagen und weder protzig noch unterwürfig sind, ist selten. Die jüdischen Schüler, die diesen Mittelweg gehen, wissen sich auch bet ihren Kameraden durchzusehen und werden gern in die Gemeinschaft ausgenommen. Wie wichtig es ist. daß solche Gemeinschaft besteht, darauf brauche ich wohl nicht hinzuweisen. Spielt doch das Schulleben in allen seinen Phasen die Hauptrolle in der Jugend des Menschen. Ein Schüler, der bei seinen Kameraden beliebt ist. der also froh und zufrieden seinem Studium nachgehen kann, mutz bedeutend mehr leisten als einer, der selbst das Gefühl hat, nicht zur Klassen^ gemeinschaft zu gehören. Dah Gegensätze bestehen und datz sie schon in der Schule sich geltend machen, ist nun einmal nicht aus der Welt zu schaffen. Wenn diese Gegensätze, bekämpft und ausgerottet werden sollen, müssen beide Teile sich darum bemühen, das zu unterdrücken, was dem anderen Teil nicht recht sein kann. Rur so kann es gelingen, unter uns Deutschen, welchem Glauben wir auch angehören und von welcher Abstammung wir auch sind. Einigkeit zu erzielen. Und Einigkeit zu erzielen unter allen Deutschen, ist doch das höchste und erstrebenswerteste Ziel unserer Generation. Mljuäentum. Das Wort Alljudentum gehört zu den Ausdrücken, die so lange mit vollendeter Sinnlosigkeit angewandt worden sind, datz niemand mehr aus den Gedanken kommt, sie könnten nebenher ihren guten Sinn haben. 3m .deutschvölkischen' Sprachgebrauch bedeutet .Alljada' etwas unsagbar Geheimnisvolles, Verschwörerhaftes.etwas von langbärtigen Rabbinern und lispelnden Finanzleuten, die gemeinsam frevelhafte Weltherrschaftspläne aushecken. Auch solchem Narrengewäsch mutz man gelegentlich entgegentreten, denn es finden sich immer noch Leute, die eS ernstnehmen, vom schriststellernden Grneral bis zum schießenden Schuljungen. Nur sollte man über der Arbeit des Spukaustreibens nicht vergessen, datz es auch ein wirkliches Alljudenlum gibt, das leider kein Hirngespinst ist. Alljudentum ist das Gefühl völkischer Verbundenheit mit allen Menschen jüdischen Blutes. Es ist Unwahrheit, wenn Judenfeinde behaupten, idatz solches Gefühl ausnahmslos in jedem Juden lebendig sei. Aber Wahrheit ist, daß mancher Jude es in sich trägt, der es selbst nicht weiß oder nicht wahrhaben will. Mit Religion hat dieses Gefühl nichts zu schassen. Jüdische Religion im Sinne einer auf dem Alten Testament, zumal auf den Propheten beruhenden Verehrung des einzigen Gottes kann völlig losgelöst sein von jüdisch-völkischem Zusammenhang. Sie patzt sich dem deutschen wie jedem anderen Volkstum an, gleich -ein Christentum, das ja auch keinen Deutschen hindert, ein ganzer Deutscher, und keinen Franzosen, ein ganzer Franzose zu sein. So fassen wir nationalüeutschen Juden unsere Religion. Ein deutscher Glaube ist sie uns, und die Gefühlswerte, die sie uns bringt, sind auf herber deutscher Ackerscholle gewachsen, nicht auf den Weinbergen Palästinas. Aber nicht bei allen Juden ist es so. Mancher Mund redet vort Glaubensgenossen, wo das Herz von Volksgenossen spricht. Manchen Juden heißt Religion, was Zn Wahrheit jüdisch-völkisches Empfinden ist, das sie gefühlsmäßig verknüpft mit Juden anderer Länder und Kulturkreise, das sie hindert, wirklich Wurzel zu schlagen im Boden des Landes, das sie Vaterland nennen. Ihr Judentum ist Alljudentum. Das mochte hingehen, so lange der Wille zum Deutschtum vorhanden war. So gewiß Verstand und.Gefühl nicht daS gleiche sind, so gewiß stehen sie in Wechselwirkung. Wer früher auf deutschem Boden alljüdisch fühlte, war sich doch der Regetwidrigkeit seiner Art bewußt. Er mühte sich ^ehrlich, unter Deutschen «in gaüzer Deutscher zu sein, und was ihm selbst nicht voll gelang, war oft seinem Kind« in der Wiege beschert. Nur in Einzelnen war schon damals alljüdisches Empfinden so übermächtig, daß der Verstand es nicht meistern konnte. Wer so mit Fremdheit geschlagen war, hatte meist auch den Mut, ein ganzer Fremder zu sein. Er verließ das Laad, daS ihm nicht Heimat sein konnte, oder er trat hoch taktvoll bei Seite, wo Deutsche vpn Deutschland sprachen. Heute ist es anders. Der Krieg und der Umsturz haben, alles, was Klarheit schien, in Verworrenheit aufgelöst. Der deutsche Gemeinschastswille zerbrach. Ein Chaos auSeknanderstrebender Elemente wirbelt in dem engen, von Hatz und Waffen umzäunten Raum, der heute noch Deutschland heißt. Jenseits -es Zaunes stehen lauernd und grinsend die Feinde von gestern, die unerbittlichen Gläubiger von heute. Von Zeit zu Zeit fliegt von außen der «in Zankapfel in den Käfig herüber, und die draußen haben ihren Spaß wenn die dummen Deutschen ftch prügeln, statt «tt! vereinten Kräften am Gitter zu rütteln. England warf einen Apfe», der die Aufschrift trug: Rattonal« HetmstÄte -es jüdischen Volkes. Er prarat« ln verheißenden Farben, und viele deutsche Juden liefen und drängten zu chm hin; besonders den Lindern stach sein bunter Hlanz ln die Augen. 1 Andere erkannten die Gefahr und stemmten sich dagegen. Inzwischen verging der Apsel in nichts denn, waS «in Apfel schien, war nur eine Seifenblase. Aber noch immer drängen und raufen die jüdischen Menschen, denn Bewegung wirkt weiter, auch wenn die treibende Kraft längst auf anderen Aeckern pflügt. Die zionistische Seifenblase ist zergangen, und die zlonistschen Führer wissen das twhl. Aber die Bewegung tst im Fluh: und schwer wäre es, sie saufzuhalten, selbst wenn man es wollte. So mutzte man ihr neue Ziele zu geben suchen. Das engräumige, von England beherrschte, von französischer, arabischer, morgen vielleicht schon von türkischer Eifersucht bedrängte Palästina kann nicht Wohnland für dreizehn Millionen Juden sein. So setzte man an die Stelle des Greifbaren den> Begriff und für den Begriff nach Mephistos Rezept das Wort. Aus der nationalen Heimstätte ist ein .kulturelles Zentrum des Judentums' geworden. Ein prunkvolles, klingendes Wort. Dem Klar Empfindenden sagt es nichts. Aber den Verworrenen, Unsicheren. innerlich Unfreien ist es Bekräftigung und Heiligung ihrer Heimatlosigkeit, ist es die Regel ihrer regelwidrigen Art. Das Alljudentum hat seine Formel gefunden. Und die Halben, die nicht Ganze sein können, pochen auf die Formel, die Halbheit zum Gesetze erhebt. . i Mannigfach gestuft ist dieses Alljudentum. Die einen nennen es offen ihr Volkstum und verlangen das Recht der nationalen Minderheit. So steht es überall dort, wo dps völkisch ge^ schlossen« Ostjudentum bie Kraftquelle ist, iN den östlichen Rand» Ikaaten und in den Ländern, die ehemals Oesterreich hießen, selbst in Deutsch-Oesterreich, dem Staubecken der westwärts drängendest Oskjudenflut. Mancher scheinbar unfatzliche Vorgang ln diese» Ländern wird erst verstänblich, wenn wir wissen, daß dort das Alljudentum am Werke war^ wenn auch die Opfer, die der Zu» fcknmenprall künstlich verschärfter Gegensätze fordert, durchaus nicht nur Alljuden sind. Das gilt vom blutigen Pogrom bis zu Prager und Wiener Studentenschlägereien. Aber auch in Deutschland regt sich das Alljudentum, gelenkt von den zionistischen Fahrern, genährt auch hier durch'den Zustrom deutschftemder Ostfuden, gefördert durch die Unklarheit wurzelloser Halbdeutscher, die auch heute noch religiöses uni völkisches Empfinden dorcheinanderwirren. Alle, die um den Verfall des jüdischen Lebens' Klagen, die für deutsche Kinder hebräische Schulen fordern, di« deutsches Geld in das englische Palästina leiten, die von «In«r .Gemeinbürgschaft' aller,Juden faseln, die .zurück zur Religion' rufen und .zurück zum jüdischen Volkstüm' meinen, die ans ^Menschlichkeit' den ostjüdtschen Schiebern und Wucherern die Pforten Deutschlands offenhalten, sie alle sind Alljuden, mögen sie sich dessen bewußt sein oder nicht, mögsn sie selbst sich Deutsch« oder Zionisten nennen. Sie alle haben nicht das. was Deutschland von jedem seiner Bürger verlangen mutz: den ungebrochenen Willen zum Deutschtum. Deutschlands Unglück war von jeher das Fehlen eines festen, i selbstsicheren Nationalgesühls. Nationalgestihl ist Gemeinschaftsgeist, und Gemeinschafts geist wächst nur dort, wo der Wille zur Gemeinschaft das Erdreich düngt. Wer seinen Willen zür Mitarbeit durch Sonderwünsche und Vorbehalte, einengt, wer den Halt seiner Seele in fremdem Volkstum sucht, wen das Gefühl, das aus deutscher Kultur strömt, nicht auszufüllen vermag, der taugt nicht zur Arbeit am deutschen Werk. Heimaterde tst dicker als Blut. Wem Judentum mehr ist als ehrliches Bekenntnis zu seiner Abstammung und deutsche Form der Gottesverehrung, wem Deutschtum nicht mehr ist als Staatsbürgertum. wer dem deutschen Volke nur die eine Hand hinstreckt, während die andere Im Rattenkönig -des Alljudentwms verklammert ist, der darf nicht staunen, wenn deutschsühlende Menschen. Juden wie Nichtjoden, auch die dargereichte Hand zurückftotzen. M. N. Mljüäische Zusammenhänge. Linevll^?enlese. Wohin dt« Reis« geht. I (Aus einer Rede Professors Dr. Weizmanns vor der zionistischen Jahreskonferenz zu Karlsbad: JüdlscheRunds ch a u S. 8. 22.) Alles, was im Judentum lebt und Sch regt und den Aufbau Erez-Jsraels will, wird, und mutz seinen Platz und seine Vertretung in der Jewtsh Agency finden. (Stürmischer Beifall.) Wir werden mit den großen jüdischen Organisationen, mit den großen jüdischen Gemeinden und mit den großen jüdischen Persönlichkeiten und Dartelen verhandeln, und ich glaub«, wir werden Erfolg yÄben. wir werden ihre Kraft für den Aushau Palästinas gewi«nen

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