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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-09-01 · 7 (September/Oktober/November1922) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
7 (September/Oktober/November1922)
Date
1922-09-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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bewohner seinen. .Wirt' jemals zu^ sehen bekommt. Sie pfeifen auf bje Mietseinnahmen, sie pfeifen auf die Behörden, die Steuern und Instandhaltung verlangen, sie pfei-? , fen vor allem auf die Wünsche der Mieter. Ihnen liegt nur an dem .Objekt', mit dem in Händen sie der weiteren Markentwertung ruhig Zusehen können und das sie bei passender Gelegenheit weilerverschiebcn. Aber'sie sind nicht einseitig auf Häuser erpicht, beileibe nicht. Was für Geld zu haben ist, ist ihnen Kaufs- und Berhaufs-Objekt. Alte Kleider und neueste Kunst, Juwelen und Pelze, Devisen und Metall, für alles sind sie Käufer und Wciterverkäufer. Dazwischen kaufen sie unsere Lebensmittel, unsere Wäsche, unsere Stoffe, Kleider und Stiefel, nicht gerade als Selbstzweck, nur gelegentlich Im Vorbeigehen, weil sie es ja dazu haben und weil .der Mcnsch'doch schließlich sich kleiden und essen muß. Sie zahlen nicht einmal dafür .Ausländer - preisc. In den meisten Hallen findet sich ein gefälliger Verwandter oder Geschäftsfreund, Her ihnen den Einkauf besorgt und den Aufschlag erspart. Niemand kann sagen, wieviel Ostjuden/in Deutschland - sind. Nur das Eine wissen wir, daß'alle Statistiken lügen, die amtlichen, wie die privaten, auch die des Arbciterfürsorgeaints der jüdischen Organisationen. Die Leute, von denen wir. reden, bemühen Las Fürsorgeamt nicht. Sie brauchen weder Arbeit noch Fürsorge, sie sorgen für sich selbst. Wissen die Herren, die sich auf solche Statistiken stützen, wirklich nichr, wie die D.nge liegen? Wer heißt heute ein Ostjude? Es handelt sich doch wahrhaftig nicht nur um solche? die un- ' mittelbar von Poicn her die Grenze überschreiten. Der Hauptstrom kommt zu uns vom Süden her, aus Deutsch- Oesterreich. Sie kommen mit einwandfreien.Pässen und sind österreichische Stäatshürger jüdischen Glaubens- Von TarnopeZ und den umliegenden reizvollen Orten ans haben ' sic Wi'ci: erobert, von Wien aus erobern sic jetzt Berlin. Wenn sie auch Berlin unterworfen chaden, werden sicihre Etappenlinie verlängern urch von hier aus Paris erobern. Der leere Naum, der durch Sinken des Geldwerts entsteht, saugt sic nach. Die Ocsterreicher haben sich, lange, gewehrt. Durchaus nicht uns: die cingeschworcnen Antisemiten, sondern, alle Eingesessenen, einschließlich der Sozialisten und vor allem . »einschließlich derj zum deutschen Kulturkreis gehörenden Juden. Aber, heute ist der Widerstand gebrochen, die Tore nach Oesterr.ich stehen offen. Das zionistische .Jüdische Lorresponden.z-Büro" verzeichnet das als ^günstige Wendung' und das Israelitische Famiiieirblatt in Hamburg druckt cs nach.! - - Von Ocstcnreich hoinmen sie .vorübergehend' nach Deutschland, in derBrusttaschc den Reisepaß mit Lichtbild und Sichtvermerk. Ist der Paß einmal abgelausen. was ' lut's? Ls können Monate vergehen, ehe einmal konirollicrt wird, und — mit brennender Scham müssen wir cs gestehen — im ausgehungerten Deutschland gibt es Beamte genug, die mit sich reden lassen, wenn man ihyenchecht eindringlich die Gründe darlegt, die zur Ucberschreitung der Äufentkaltszeit geführt haben. Kommt man aber einmal an einen Beamten, der für solche Argumente noch nicht hungrig genug ist, so gibt es schließlich auch andere Mittel. Erst vor wenigen Tagen Hai die Polizei in einem Lumpen- Keller der .jüdischen Schweiz', wie der Berliner Die Gegend um die Grenadierstraße nennt, ein reiches , Lager von falschen Stempeln entdeckt. Solche Notbehelfe kosten natürlich etwas Geld, ober da5 sind Handlungsunkosten. Und hat der Familienvater erst einmal das Gelände erkundet, so folgt nach einiger Zeit die Frau Gemahlin mit den lieben Kindern. Wie sie das anstellen? Nun, es gibt verschiedene Systeme. Manchmal ist die arme Frau schwer leidend und muß unbedingt einen Berliner Arzt zu Rate ziehen. Manchmal ist dagegen! der Mann erkrankt und die Frau muß ihn pflegen. Gelegentlich sind auch die Kinder der ärztlichen Behandlung dutch Berliner Kapazitäten dringend bedürftig. Wie gesagt, man ist nicht einseitig. Und wenn dann die liebe Familie versammelt ist und es ihr in Berlin gefällt, was zu unserer Genugtuung meist der Fall ist, so findet sich eine ge-> eignete Wohnusig sozusagen von selbst. Freilich, es soll, deutsche F-miuen geben, die jahrelang keine Unterkunft finden, sogar junge Paare, die deshalb nicht heiraten können. Das ist eben Pech, und wenn unsere Freunde aus dem Osten mehr Glück haben, so kann man dagegen wikklich nichts sagen. . So erobern sie Berlin, und nicht n^r Beilin. Aus allen größeren Städten, in denen es etwas z« handeln gibt, wird Gleiches gemeldet. Und überall finden sie gebrauchsfertig dle Organisation, die ihnen das Einnisten erleichtert, überall finden sie auch deutsche .Glaubensgenoffen', die ihnen selbstlos behilflich sind. Ein Verband der Ostjuden besteht schon längst. Jetzt hat er — nqch einem Referat des Berliner Rechtsanwalts Klee, des Zionistenführers — beschlossen, eine .Epitzenorganisation' Zu schaffen und .die galizisch-polnischen Vereine mit den russischen Vereinen und den Vereinen der Juden aus den Randstoaten zu gemeinsamer organisatorischer Arbeit zusammcnzüführen.' Wir dürfen hoffen, daß die Spitzcnorganisation in erster Linie die Zuwanderung selbst organisieren und. wie man heute so schön sagt, .verreich? sichen' wird. Und auch dafür, daß die teuren Gäste gan. leben können, wie .zu Hause', ist bestens gesorgt. Ihr« kulturellen Bedürfnisse bilden den Gegenstand zartester Sorge in den Verwaltungskörpern der jüdischen Gemeinden Deutschlands. Sobald ein Gemeinderiepräsentant, es wagt, sich gegen allzu weitgehende Berücksichtigung der .auslandi schen Glaubensgenoffen' auszusprechen oder gar an ihrem Wahlrecht zu rütteln, wird er gründlich zugedeckt, selbst von .deutschfühlenden' Mitgliedern, vor pllem aber von den Herren Zionisten, die heute in den meisten jüdischen Gemeinden tonangebend sind, schon deshalb, weil.die anderen meist lscinen Ton von sich geben.! — > Wie innig §ie Beziehungen und wie stark die Wechselwirkungen zwischen Zionismus und Ostjudentum sind, ist seltsamerweise den meisten Deutschen gan^ unbekannte die deutschen Judennicht ausgenommen Und doch ist es außerordentlich leicht, sich über diese Beziehungen zu unterrichtest: ^s bedarf nur eines Blicks in zionistische Zeitungen, vojr llcm in die offizielle Jüdische Rundschau. Ueberall ostjüdische tamcii, Ankündigungen ostjüdischer Veranstaltungen, Lobpreisungen 'ostjüdischer' Kunst und Analysen ostjüdischstr Geistigkeit. .Das Ostjudentvm ist das ünerschöpfliche Krätt^- Neservoir des Zionismus. Den Schiebern und Geschäftemachern freilich ist es, selbst wenn sie sich Zionisten nenne-, mit. dem Zionismus ebenso wenig Ernst, wie mit irgend eträks anderem, von ihren Geschäften und ihren banalpronigen Vergnügungen abgesehen. Aber schon die Kinder bisher Elemente sind oft ganz anderem Schlages, moralisch lurtuhoch über ihren Eltern stehend, -der auch an Gefährlichkeit für das Deutschtum sie noch überragend. Man muß esechem Zionismus zugeben, daß er cs verstanden hat, den materialistischen Geist der ältexen Generation in der Jugend nicht erst zur Entwickelung kommen zu lasten. Der junge > Ossiude, den beim ersten Schritt auf deutschem Boden die zionistische Organisation erfaßt, wird ein wirklicher Zionist, ein Idealist voller Schaffensfreude und Hingebung an die Sache seines Herzens. Aber gerade deshalb ist diese junge Generation des Ostjudeiftums vom Deutschtum durch eine unüberbrückbare Kluft geschieden. Iht Zionismus ist reints Orie' kalcnkuin, bewußte und gewollte Abkehr von westlicher, zumal von deutscher Kultur. 'Freisich, sie erlernen die deutsche Sprache, sie nehinen die deutschen Kulturgüter in sich auf. sie lieben oft schwärmerisch die Deutschen Dichter und Philosophen, aber das alles von außen her, nicht andexs als junge Inder oder Japaner, die auf deutschen Schulen sich bilden, ohne ihre asiatische Seele preiszugebcn. Und darin liegt die ungeheure Gefahr für Deutschland, zumal für uns deutschfühlende Juden. Denn diese fremdfühlende und ftcmddenkende Iuaend sucht geflissentlich die Fühlung mit unserer eigenen Jugend, und der glühende Fanatismus, der diese Apostel des Undeutschtums beseelt, gibt ihnen, Waffen in die Hand, denen das Rüstzeug unserer deutschen Kinder oft nicht standhält. Sie benebeln die Sinne unserer Jugend mit aufwühlenden und lochenden Worten von nationalem Selbstgefühl und stolzem Eigenleben: sie flößen ihnen auch ihre wirren' kommunistischen Vorstellungen ein, jenen mit Ideen der deutschen. Jugendbewegung durchsetzten Pseudo-Kommunismus, der in Palästina ' zu eigenartigen Gemeinschaftsbildungen «geführt hat, — mit erschnorrtem, nicht etwa mit erarbeitetem Gelde. Alle diese mit' echter Begeisterung vorgetragenen Phantastereien verfehlen nicht ihre Wirkung. Die Kinder höisen es gerne. Wo wir von Fällen hören, in denen Kinder Deutschfühlender Juden dem Deutt-^tum entfremdet worden sind, läßt sick fast stet^ als treibende Kraft ein ostjüdischer ^Fanatiker Nachweisen.

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