Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1922
- Issue
- 7 (September/Oktober/November1922)
- Date
- 1922-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/5438908-5438616-5438750--139-4871130- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
»«»« »»»»»»»»»» des Verbandes nattonaldmtschcr Juden e. V. >»»«»«»»»»», j 7 Oos Mitteilungsblatt erscheint ln zwangloser Folge, vezugspreis: Linzelnummer 10 ven verbanttsmitglieclern geht «las vlatt kostenlos;u. Geschäftsstelle de-verboncles: verlin W3S, Vlumeshof g (Fernspttcher: LützowZOSÄ. vankkonto: c. tz. kretzschmar. Lettin w S. lägerstrotz« s. / Postscheckkonto: Lettin Nr. N1231) Jahrgang 1922 September,Gktober/November kln unsere Leser. Die ungeheuerliche Steigerung der Papier- und vruchkosten zwingt uns. cien Umfang ries Mitteilungsblattes einzuschrdnken nnd dos viatt vorerst in zwangloser Folge erscheinen zu lassen von Mitgierlern cles Verbandes wlrcl clem Vorstand oft versichert, daß gerade das Mitteilungsblatt wesentlich dazu beigettagen habe, unser: vestredüngen in. wetteren, insbesondere auch nichtjüdtschen Kreisen bekannt zu machen und die in der kurzen Ze t unser« vestehens bereits erretten Lrfolg« herbeizufahren. Ls wdre zu wünschen, daß die Gpferwilltgkeit uhserei Mitglieder, insbesondere der wohlhabenden Mitglieder, mit dieser Anerkennung Schritt hielte. Nur drttch reichliche freiwillige Spenden können wir in die Lage versetzt werden, das Mltteilungsbldtt wieder in 3em früheren Umfang und in kürzeren klbstdnden erscheinen zu lassen. . Der v srftllnü. vle Gstjuclengefahr. Von 3. H Skr echt. 3m prevhischen -Landtag hat man über die Ostjudenfrage gesprochen — .immer mal wieder', wie Heinrich Manns Professor Unrat sagt. Der Kommunist Herr Scholem und der Zionist Herr Oskar Cohn, die Statthalter Trotzkis auf preußischer Erde, haben natürlich mit Nachdruck betont, daß nur wüster Antisemitismus den harmlosen Gästen aus dem Osten Böses nachsagen könne. Herr Cohn hat ihre .Kulturwerte' und sogar ihre Verdienste um das Deutschtum gepriesen. 3m Uebrigen waren diesmal die Vertreter aller Parteien darüber einig, daß es so, wie bisher, nicht fort-, gehen könne. Abweichender Ansicht war nur der Herr Minister des 3nnern. Was er vorbrachte, war eine lückenlose Zusammenstellung der höchst überzeugenden Argumente, die wir nun allmählich aus dem Schlaf hersagen können, und, die ihm wahrscheinlich sein zionistischer Berater, Herr Ministerialrat Badt, gebrauchsfertig hergerichtet hatte. Der Herr Minister sprach in warmen Gesühlstönen von der .menschlichen Seite' der Dinge, von Nathan dem Meisen, von den 40 000 ostjüdischen Arbeitern, die im Kriege nach Deutschland .deportiert" worden sind, von der segensreichen Tätigkeit des jüdischen Arbeiterfürsorgeamts, von den Bedenken, die etwa die Entente gegen .Härten' erheben könnte, von der Unmöglichkeit einer genauen Statistik und von dem Mangel an, Polizeikräften zum Grenzadschluß. Ergebnis: es bleibt allbs beim Alten. Wenn wieder einmal ein Horn- > berger Schießen stattfindet, sollte der Herr Minister die Festrede halten. . . ., Wir sind der Meinung, daß man solange nicht warten sollte. Man sagt, das Ostjudenproblem sei nur ein Teil des allgemeinen Allsländerproblems. Man sagt weiter, Schieber, Auskäufer und sonstige Schädlinge gebe es reichlich unter waschechten Deutschen auch. Alles ganz richtig. Nur folgt daraus nichs, daß man die Behandlung der Ostjlldenfrage «ms den Mmmerinehrstag verschieben muß, weil man oje allgemeine Allsländerfrage und die allgemeine Lumpensraa» doch uckcht von heute auf morgen lösen kann. Die Osttuden stad »on den viel«» und vielfach sehr lästigen Ausländern, dt« »tr heute in Deutschland haben, ein bestimmt abgegrenzter, besonders lästiger und dazu besonders auf fälliger Teil. Wir sind ik der Lage, zu sic sein Hleil schon heute Stellung zu nehmen, und erkennen nicht an, ' Las Unterlasten müßten, weil ein anderer Teil gleicher Weise .sofort greifbar" ist. 3n »besondere wir nationaldeutschen Juden haben begründete Veranlassung, uns gerade mit diesem Sonderproblem so rasch gründlich wie möglich zu beschäftigen. Das volles wir tun, auch wenn die Scholems, Cohns und andere, unserer besonderen Gönner wieder einmal über .jüdischen Antisemitismus' zetern sollten. , Es geht nicht mehr an, von einer Ostjhden f!r a g e zu sprechen. Die Sturmflut, die uns ui verschlingen droht, läßt nicht mehr Zeit zu'Frage- und Antwortspielen. Drohend erhebt ihr Haupt die Ostjuden g e f a h^r. " Zwecklos ist es, nach Ursachen oder arr nach Schuld zu forschen. Sie haben'ganz recht, diese L, ute, yon ihrem Standpunkte aus, wenn sie den Staub der PogromläiLer von ihren Füßen schütteln und nach dem Milderest Waten ziehen. Auch die Heuschrecken haben vost ihrem Stcmdpunkte aus recht, die im Wanderschwärm unsere Felder verheeren, und die Raupen, die unsere Wä der siahlfressen. Aber nicht minder recht hat der Mensch, wenst er dse Stätten verteidigt, an denen sein Brot und seine Crholupg wächst. Daß sie in Schwärmen kommen, wer i>ill es leugnen? Um das zu wissen, hrauchen wir die Statt tik nicht. Wo wir gehen und stehen, sind st« um uns her, Ueberall blicken wir in ihst» seltsamen Augen, ik denen flackernde List auf dickflüssiger Schwermut schwimmt wie ein .3ahcheit'-Licht auf dem Oel. Ueberall hören p)ir die guige! „den, Kreischenden Laute ihrer aufgeregten Gespräche.! n all» Bahnwagen hocken sie pnd malen Ziffern Ln fettig: Taschenbücher. 3n allen Kaffees bilden sie gestikulierende Grupppn, laufen schreiend und tuschelnd von Tisch zu Tisch u rd zu« Tür hinaus zum nächsten Notar, um rasch,«in Haus zu Kopsen oder ein gestern gekauftes .wHerzugeben". Ganze Stfaßenzüg« Berlins gehen in ihre Hände über, ohne daß einer per Hausi