Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1922
- Issue
- 6 (Juli/August 1922)
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
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»!« eutsteht Autisemtti»««»? Die „Deutsche Zettuug" bracht« vor riyig«« Woche i .«IveNoll, unter der lkeberschttst „Etu uuer-SrterSkandal", 1» der geschildert wuttx, dass in einer Westdeutschen Stadi, da» auf der Leichenhalle de» Friedhof» befindliche Arenauf Ar- »rduu^ewe» «Ürgerweiste,» bei «acht und Nebel' entfernt «ordeu.sei, »eil sich «in Mischer Stadtrat über da» Vorhandensein de» Kreuz«» beschmert habe. Wir find der Angelegenheit nachgeaange« und bade» sepgestellt, bah der Inhalt der Notiz i, , WesenNicheu zutrlsst. Es handelt fich um rin kleine», kaum fich> - bare» Kreuz auf den» Dach« der Leichenhalle, die sich am Ei» - aange de» fürEhrifteu und Sude» gemeinsam«, Ftt«has» befindet. Da« Kreuz hat viele Jahr» hindurch keine, Mensche», i»»b«s»nd«re auch leinen Juden «stört. Bor einige k Zeit nu« führt« die Etadtgemeinre den Leicheuhallen-wana en. Daraufhin wurde auf Veranlassung de» Vorsteher» der jüdisch« r Kultur gemeind« und durch Vermittelung de» erwähnten jüdische r Stadtrat» an den viirrermeifier cha» Nnfinneu «stellt, da» Kr« z entfernen zu lassen. Der Biiräermeister »ar unklug genug, dies« r Wunsch ohne Befragung bes'Matzistrok« stottzugebe». L« Fast, war. dast sofort eine iebhaste Auseinanderfetmno in der Lrtlichr n Presse eiusetzt« und dass sich da» bi» dahin vorzüglich« verhält»!» der christliche« zur Mischen Bevölkerung rapid« verschlechtert r. Zum Verständnis der 1» christliche» Kreisen vorherrsche««» L« s» ralsung der Sachlage sei bemerkt» dass di«Juden in de« fraglich«» Stadt wen 1a «ehr al» ein Prozent der Einwohnerschat an»machen. De, formell« Abschluss der Abgelegenheit destan >. wie für jedenurrnSnftigenMenschenvorauszusehen gewesen wäre, darin, dass auf Magistrat»beschluss da» Kreuz wieder ana«dra<>t werde» wusste. Da» Ergebnis der Aktion ist also eine Blamage de« Vorstände» der Kult«»ge«e1nde twle auch b» voreiligen Bürgermeister») und eine wesentlich« ve» schlechter««- der veztehung,» der christlichen zur jüdischer» vevSIkermug. Di«)« Verschlechterung wi d nach menschlichem Ermessen da» «iazig bleibend« Ergebnis sei Die Erfahrung spricht dafür, dass die Gehässigkeit um» da» Mi ztranen gegen »ie Inden, wo p« einmal ihre» Einzug geholt, n haben, nicht so leicht wieder p» beseitigen find. L» ist 0ha« «eitere» begreiflich, dass «tu ftreugglSubig;r Jude sich nicht angenehm berührt fühlch wenn er genötigtist. rin n verstorbene» AngehSrtgen in einer mit dem Kreuz geschmückt n Leichenhalle ansznbabre«. »n fich «Sr« der gegeben« Weg, di» zu vermeide«, natürlich der Bau einer eigenen jüdische« Leich« n» hall« gewesen, wenn dieser Weg der kleinen Gemeinde mit RL1stcht uns die hohen Kosten ungangbar erschien, blted über nun einmal nicht» aubere» übrig, al» sich mit Anstand ln La» Unvermeidlich« zu fügen. Denn dass vy Prozent einer ktodtbeoi llernng ans et» ihnen heilige», noch dazu teil Jahrzehnten an der gleichen Stell« vorhandene» und von keiner, insbesondere mH nicht von iüdischer Seite beanstandete» Sywbel au« Rücksicht ans di« Sesühle einzelner Mitglieder «lue» tusgesaiit u», «tu Prazeut der gesamten Einmohneischaft ausmacheube» Vevälreruu-»teile» verzichten sollt, n. kann «an wirklich nicht verlangen, vollend» war die überet le Art, tu der von zwei Mische» Herren di« Entfernung Le» Kreuze» betriebe» wurde — ohne Befragung de» Eesauttvorst« nde» der Mischen Eemetnde und, wie sich au» Her Pressoolen ik »geben h«L im Gegensatz ,» de« Auschouungeu eine» Delle» l er Semeiubewitgkieber selbst — dazu an-etau, »1« christliche Bevölkern,»- geradezu herauszuforder». Der Vorfall .ist somit «i» Schulbeispiel d ifür, ml« durch «»geschickte» und kurzsichtig!» Verhalten «iuzel» er für da, Empftuben« ihrer christlichen Mitbürger väkktg verstäubui» les er Jude» «lue jubeufeindliche Stimm»»« seit ft dort hervorgerufeu »kerdeu kckuu, wo stevsrher keiue« voden gef«,de« hatte. bar!tt»fvrr«n«. DieBagst Di« seit einiger Zeit in Berlin erscheinende „Jüdisch- Uberale Zeitungbringt seit Monate« t« kurzen Zwischt nräume» Aufsätze und Notizen, die sich mit unserer Beweg« rg beschäftigen. Ihre Aeutzerungen lassen pch^ dnrchschnirU ich in die Rubrik einordnrn, die der moderue Berliner «l» „katastrophalen Unsinn" bezeichnet. Rabbiner, Recht« »- walte. Tentral-Beretns-AngefteDe und verussredakter r« schriftstellern «unter darauf los, mit mehr oder weuiger — «eist weniger — gutem Wille«, durchweg aber ohne da» geringste Verständnis für de» wahre« Inhalt unserer 8 >estrebuugen und selbst ohue eingehende Kenntnis »nse er Schriften, aus* denen sie bestenfalls eia paar aus de» e«» samnttnhang gerissene Sätze oder Absätze kennen. Zu Anfang Juni wandt« sich der Vorsitzende und gleichzeitig k» Mitglied unsere» Verbandes unabhängig voneinander a« die bchrtf1l«itung.d«s Blattes mit der höflichen Anfrage. ob sie nun nicht auch uns einmal zum Wort« nerstakM ten wollte. Wir glaubten darauf um so mehr Anspruty zu haben, al» ja «in nicht geringer Teil unserer Mitglieder in religiöser Hinficht selbst zu den Liberalen zählte Nach fast fiebenwSchige» Verzögerung ging die Antwort eifr. Sie lautete in beiden Fallen ablehnend mit folgender Pegrüw düng: „Die Ve ei lki g ung für das liberale Judentum (deren Organ das Blatt ist) geht bei der von ihr bezweckten Förderung der fortschrittlichen Entwicklung de» Judentum» von der Gruwdauffass«Ugau», dass die gesamten Judenr, unbeschadet ihrür natioualen Berschi^denhei- .ke n und ihrer Pflege vaterländischer Gesinnung, durch oa» gemeinsame Band de »'jüdischen Religio« miteinander verbunden sind. Im Gegensatz hierzu erkennt der „Verband natlonaldeutscher Juden" und insbesondere Ei«, sehr geehrstr Herr Doktor, al» sein erster Vorsitzender, als Bindeglied lediglich die Gemeinsamkeit der Abstammung an. Es kommt noch hinzu, dass der Name Ihres Verbandes geeignet erscheint, bei unseren weniger unterrichteten christlichen Mitbürgern Verwirrung zu stiften, als ok die Hundsrttausende deutscher Juden, welche Ihrem Verbände fern stehen, an nationaldeutsch« Gesinnung und vaterländisches Opferwilligkeit hinter den Mitgliedern Ihres Verbändezurückstehen. «ei dieser Gegensätzlichkeit der Auffassung sieht sich die SchriftleituUg der .Züdischliberalen Z-itung" nicht in der Lage, Ihnen oder Ihrem Derbande ihre Spalten zu offnen. Ein Bedürfnis hierzu liegt auch um so weniger vor, als der „verband nationaldeutscher Ju»> den" über ein eigenes Mitteilungsblatt verfügt." Diese Begründung spricht für fich selbst. Besonderster Hinweis darauf, dass wir ein eigenes Mitteilungsblatt bc« sitzen, ist für jeden Kenner der Verhältnisse bezeichnend. Die Herren habe« offenbar kein Verständnis dafür dass e» di« Loyalität erfordert, auch einmal die Leser ihres Blattes. die in jedem Monat einige Mal« ganz Unsinniges über uns anhöre« müssen, aus unserem eigenen Munde, vernehmen zu lassen, wie die „ändere Partei" die Dinge auffasst. Sie wolle« nicht wissen, dass der Durchschnittsleser, der neben seiner Tageszeitung noch ein Blatt wie die „Jüdischliberale Zeitung" hält, in den seltensten Fällen auch nur auftqn Gedanken kommt, die Stichhaltigkeit der ihm über unp aufgetischte» Geschichten durch die Lektüre unser-» c'-r^neu Mitteilungsblattes. da« er sich erst beschaffen müsste,! nachzuprüfen. Die Erklärung für da» verhalten der EchrifUcitung de» Blatte» ist «ine sehr einfache. Eie lässt sich zuiammen- . fassen iu das Wort: Feigheit. Es ist dieselbe Gesinnung, au» der heraus zwei Herreu ähnlichen Kalibers ssen Bortrag Dr. Naumanns in der „Deutschen Gesellschaft 1911" vereitelt haben (vgl. Derbandsnachrichten), aus de^ gewiss« in zwisch mgeschichtlichem Seist« geleitete Tageblätter unser« Bewegung im allgemeinen totschweigen, gelegentlich einmal «in paar gehässige und irreführend« Zeilen au» der Feder «tue» Gegner» bringen und dann unsere Berichtignnqsschreiben wiederum totschweigen. Es ist dieselbe Gesinnung, au« der heraus die sogenannten Liberalen im Vorstande der Berliner Jüdische« Gemeinde „zur Tagesordnung übergehen", wenn «an ihnen in aller O-sfentlichkeit die Begünstigung jüdifchnatienaler vestrebun -n nachweist. Ptm diele, Art de» Liberalismus sticht da» Verhalten «rkArter Jüdischnationaler vorteilhast ab. die den Mut hcchen! auch oen Gegner zu hären, wie der „verband der jüdischen iJugeädoerekn« Deutschlands", der in Heft S der „Jüdischen «käster" vom IS. S. L2 «ine» offenen Brief Dr. Naumanns, an Herrn Negierungsrat Goslar ausgenommen , die Aufnahme «ine« 11