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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-07-01 · 6 (Juli/August 1922) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
6 (Juli/August 1922)
Date
1922-07-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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I gewiß alle» Itutenfinger, die da» meist taten und tun. verdiene keine Entschuldigung, aber in letzter Linie War da, doch eben nur durch den furchtbaren Zusammenbruch möglich. Aus allen diesen Gründen komme ich zu dem Ergebnisse, daß die Tendenz der Boehmschen Schrift» so sehr nun ihm in Einzelheiten Recht geben mag und muß, abzuleh» en ist Gewiß ist es da» gute Recht, fa die Pflicht jede» Na ionaldenkenden. mag er an Thristus. an das Kantische Ei tengefetz oder an das Gesetz Most» glauben. di« Verallgemeinerung trauriger Einzelsälle kraftvoll abzuwehren Utzd vor allem jenen gehässigen Rückschluß von dem aus dem gestampften, mit dem zunehmenden Menschenmangel geringwertigeren Ofsizierkorp» der Kriegszelt au geistig und moralisch hochwertige Offizierkorps der kriegszeit zu bekämpfen Dem Grundton der Busfühl Boehm» kann man daher nur zustimmen. Aber verke ftt, ja unhellvoll ist die antisemitische Begleitmusik. Wer ie anstimmt, stuft auf dar Niveau des von ihm selbst mit bekämpften Gegner» hinab, der LinzelfLlle agitatorisch verallgemeinert. Und mit solchen Gegnern sollte kein qeutschfühlender Mann.irgend etwa» gemein haben. Nachwort der Schriftleitung. Ein Ereignis der letzten Tage veranlaßt uns, dein vorstehenden Aufsatz einige ergänzende Worte anzufügei». Es handelt sich um den mehrfach erwähnten Herrn kkurl Tucholsky, der unter einem Dutzend verschiedenem Deck der Boden immer da» Vor». ungen namen den literarischen Bedarf gewisser Kreise „Weltbühne^ «nd anderem Blättern sowie in einer von Kabarekks deckt. Bei der Kundgebung „Nie Krieg-, die am 8V. Juli 1S22 in Berlin — wie auch wärt» — stattfand, wurde «in Prolog au» der Feder reimgewandten Herrn gesprochen. Herr Tucholsky. „Theobald Tigergenannt, erbittet „3 Minuten Geh ir von iil Reihe Nieder »nder« dieses hier. Hörer, Euch, die Ihr arbeitet- und apostrophiert dann seine wie folgte - »Die erste Minute gehöret dem Mann. Wer trat vor vier Jahren in Feldgrau an? Zuhause die Kinder — Zuhaus« weint Mutter. Ihr feldgraues Kanonenfutter i — Ihr zogt in den lebendigen Ackergraben. Da saht Ihr keinen Fürstenknaben: Der soff sich einen in der Etappe Und ging mit den Damen in die Klappe. Ihr wurdet geschliffen, Ihr wurdet gedrillt,- Wart Ihr noch Gotte» Ebenbild? In der Kaserne — im Schilderhaus — Wart Ihr niedriger als die schmutzigste Laus. Der Offizier war eine Perle. Aber Ihr wart nur „Kerle"! Ein elender Schieß- und Grüß-Automat. „Sie Schwein! Hände an di« Hosennaht!" — » Verwundete mochten sich krümmen und biegen: Kam eiri Prinz, dann hatten sie stramm zu liege: Und noch im Massengrab wart Ihr die Schweine Die Offiziere lagen alleine! Ihr wart des Tode« billige Ware... So ging das vier lange blutige Jahre. Erinnert Ihr Euch?" — Uns fehlt der Raum, um heute dieses Machwerk ir Einzelheiten gebührend zu würdigen. Daß « auch inhaltlich von widerlicher Verlogenheit strotzt und, genau wie es die Geschäfks-Anttfemiten tun. durch Verallgemeinern»- beklagenswerter Einzelfälle ein ganz irreführendes Gesamtbild konstruiert, erkenn? jeder, der wirklich im „lebendigen grabenwar: — wir wißen nicht, ob das auf Herrin Tucholsky zutrifft. Aber nicht darauf kommt es im Aug rnblick an. Man mag über den Pazifismus denken wie mar, will. — selbst der überzeugteste Pazifist, wenn er «ln anstä »diger Mensch ist. muß zugeben, daß eine Kundgebung gegen de« Krieg mit dem Klassenkampf nichä zu tun allen hak. i Wer sogar eine solche Kundgebung, an d«, überall 4M- »oht auch i« -Bestin Menschen der vekschMststiflinTPar et- »ichtsingeich telldenommen' haben» nicht porübergehen la «n kany. ohne lK lläsfenverhetzungderübelstenArt zu treiben, zeigt völligen Mangel an Verständnis dä Lr, daß dem Weltfrieden zunächst der Frieden i» eigenen V< lke voßausgehen muß. daß wir erst wieder zur vertrauensvol len Gemeinschaftsarbeit im Innern kommen müssen," eh« wir an eine bleibendej Regelung-unseres Verhältnisses zu ande »» Völkern gehen können. Wem dieses Verständnis fehlt» r »er den Weg zum jFricden auf Erden darin sieht, daß er in I«n Angehörigen einer einzelnen Bevölkerungsklasse gewalts r« die vielleicht schon verblassende Erinnerung an persöul che Leiden, den Hgß gegen eine andere, angeblich allein schuld ig». i. der , fühl für djie Rotwein Bolksklasse aüfpeitfcht, der zeigt, daß ihm da» E digkeit der Volksg eer z«m meinschaft fehlt, daß erinnerlich nicht Volke gehört.- Und keinem Menschen, der den Begtjff des Volkstums nicht einseitig vom sogenannten Rassensta »dpunkt aus zu erfassen sucht, kann es verdacht werden, w, nN er im Sinne des richtig verstandenen deuffchvölkischen >8«-! danken» einen Hetzer dieser Art als volksfremden Schädl bezeichnet. Wir nationaldeutschen Jude« wc l - ir er »- rr len keine» Zweifel darüber lassen, daß indieserHinsichtan der Seite uitser nationalgesinnten nichtjüdischen Noll genossen stehen, obwohl — oder richtig« gerade weil dieser Mann ein Iude tst. zliä otr sehen mit Schmerz, wie ungeheurer Schaden durch das 8ebahren solcher Einzelmenschen den deutschen Juden in ihrer Gesamtheit zngefügt wird. Ein einziger Tucholsky züchtet Millionen von Antisemit»«, wünschten, daß unsere nichtjüdischen Volksgenossen begriffen^ wie falsch es ist. den Geist dieses Mannes schlechthin „ji bischen Geist" zu nennen. Eie mögen begreifen, daß dieser M< «n einHvurzelloset ist, ein typischer Zwischenschichtler der LI elften Form, der im Judentum ebenso wenig heimisch ist, oie im Deutschtum. Und nicht „jüdischer Antisemitismus", n icht „Assimilantetztum" oder „Liebedienerei^, sondern das f;ste Gefühl engster Verbundenheit mit dem Deutschtum! zwingt uns, unumwunden zu sagen» daß wir diesj Mensche »als schädlichen Fremdling von u weisen. en n» Se gec gmd Kre Zur, Frage der Jugenderziehung^ Von (b. Leow-Fränkel. Die Arbeit an der Jugend, auf die wir in unserem band so groß« Hoffnungen bauen, kann garnicht früh und ernsthaft genug beginnen, denn nur. wem die In gehört.dem gehört auch die Zukunft. Wir können da» ze Problem, den großen Komplex von Fragen, die uns tionaldeutsche Juden bei der Erziehung der Kindetz — sonders' mit Rücksicht aus ein gerade in unsere»« gültige Weltanschauung — zweifelsohne bedrängen^ in Formel zusammenfassen: Wie erziehen wir unsere Kt deutsch und jüdisch-religiös zugleich oder mit auderen Worten: Wie können wir unsere Ki von der Möglichkeit einer Verschmelzung deutscher Art jüdischer Religiosität so handgreiflich ^überzeugen, daß keinerlei Zweifel am Recht und an dem Erfolg solcher gterung bleibt? Die Vereinbarung beider Faktoren in der Erzieh« ist schwer. Wir lösen die Aufgabe »nr. wenn wir unsir Kindern de« Weg zu ebnen versuchen, der zu unserer eigey> Lebensauffassung führt, die gleichsam ei« Berbindung beiden Kulturbezirk« und Geisteswelt m darstellt. Rur da» Denkvermögen de» unentwickelt n Kindes sich uns« cntui» gleichsam au» «ig« ner Kraft entgege» beite« kan«, nimmt auch der ftiid ich« Geist von unsf Aeberzeugnpg widerspruchslos Besitz. ih» ng r« ug gannabeise die «der «der >»ü» e« Pens e« le« der w m« egeiar- «re< arree »

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