Mannheim
Compact Memory

Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-05-01 · 5 (Mai/Juni 1922) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
5 (Mai/Juni 1922)
Date
1922-05-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5438908-5438616-5438746--114-4871107
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

worden, vorwärts gedrängt werden? Was mutz «in ^ichr^ude, mag er noch so ehrlich und voru^rteilsfreisein, sich denken, wenn ^r solche Sätzeliest! Was muß er sich senken, wenn er die hier ausgesprochenen Grundsätze täglich und stündlich vern^irklickt sieht! Haben sie nicht von ihrem Standpunkte ctus ganz recht, unsere nichtjüdischen Volksgenossen, wenn sie einem Volksreil mit größtem Mißtrauen gegeniiberkreten, der sich so geflissentlich außerhalb der Volksgemeinschaft stellt, daß erdie Ab - 'chüttelung von Schädlingen.nicht im eigenen Reinlichkeits-Interesse, nicht im deutschen Interesse, sondern nur gewissermaßen als Gegenleistung für Wohlverhalten des anderen Vollste/ls in entfernte Aussicht stejllt? Und entspricht nicht das Verhalten der Leute, oie auf Herrn Holländers Worte schwöeen. bis ins Kleinste diesem Programm? Haben diese Leute, die fick nickt gcnugtun können in Beverungen-ihres Dcurschrums. jemals die Enischloffenhcit habt, dieses Dcukschrum wirklich zu betätigen, wo.es nicht mit bloßem Geschwätz abzumachcn war? Wie^st « ht es mit der Ostjudcnfräge? Wiestcht es ^>>. it dem Verhallen zuden Iüdi s ck nativ- » a l c n. wie steht es m i t den Sammlungen ^ürdasPalästina-Werk„d;evom Stand Punkt des vcrapmtcn Deutschland ein verbrechen gegen das deutsche Volk ind? Ist hier jemals wirklich mit Energie zugegriffen worden? Riem als! Und es nüqk auck nichts, wenn durch eine pflaumenweiche Erklärung in derselben Illummcr der C.-V. Zeitung Herr I>r Holländer cs für „unverständlich" erklärt, daß der Ccnralvercm „immer noch hin und wieder" um Aeußcrung 'einer.' Stellungnahme zur Palästinafrage gebeten werde. Die „immer noch bin lind wieder" erfolgenden Anfragen und wohl begründet, denn auch hier hat der tzcntralverein .wer als solcher in /eicklick markkosen Worten zunächst die Sammlung für Palästina jabgelebm, aber er bat bald,dar auf seinen Mitgliedern als solchen per-! sönlich F r e i h eDt d c r Beteiligung gelassen. Und dieses „diplomatische" Verhalten bat dann auch richtig, wie die klugen Zionisten vorausgesehen habtn,. dazu gesübrt, daß viele Mitglieder* des Vereins nickt dem armen deutschen Vaterlands sondern d"in englischen Pa- »ästina ihr Geld gegeben naben, ja daß Vorstandsmitglieder des Centralvereins den Aufruf für Palästina unterzeichnet baden. ' ' . Glauben die Herren, die sich in dieser Weise zum Deutschtum stellen, daß unsere nichtjüdrschcn'Volksgenossen taub' und blind sind? Glauben sie ernstlich, daß der Richtjude nickt ebenso gut erfährt, was der Jude weiß, auch wenn cs ihm nickt gerade von einem Angehörigen unseres Verbandes gesagt wird? Ricks derjenige liefert den Antis e.m iten Ma - tcrial, der in aller Oeffentlichkeit vor leinen deutschen Volksgenossen, unter denen ja immerhin auch einige Ricktju^ den sind, solche Mißstände bespricht, u rtz ihnen entgegenzuarbeiten und um zu zeigen, daßman n i ch t „A n t i sem i b* zu s e i n braucht, um solche Schädlinge zu hasse iz, sondern derjenige liefert das Ma terial, der die Mißstände duldet, züchtet unb beschönigt. Der Gegensatz zwischen Juden und Richtjuden ist kein Gewächs unserer Zeit. Er machte sich geltend, als dcp erste Jude aus seiner Hejmat in die Diaspora ging. Aber Gegensatz braucht nicht Feindschaft zu sein. Zum Judenhaß, zum Antisemitismus wuide das Gefühl der Gegensätzlichkeit nur dort, wo'Juden ihre Eigenart in taktlosen und verständnislosen Widerspruch zu ihrer nichtjüdischen Umwelt stellten. Wer Horaz und Tacitus kennt, lacht über die Behauptung der Herren Ralban und Genössest, 10 daß der deutsche Antisemitismus ritz Zuchtprodukt politischer Reaktionäre sei. Der Antisemitismus, wenigstens die widerliche und verständnislose Form der Iudenfeindschaft, unter der wir Juden alle heute zju leiden haben, ist ein Zuchtprodukt der. Juden selbst. Nicht etwa der Gesamtheit der deutschen Juden, oder eines Bruchteils dieser Gesamtheit, dessen Gebühren übel genug ist, um der Gesamtheit das Leben zu verleiden. Zwei Proben solchen Gebahriens haben wir gegeben. Es find nicht die einzigen. Aber sie mögen vorerst genügen. Tenn schon aus ihnen' wird jeher Jude, mag er gegen unseren Verband auch noch so verhetzt sein, Stoff zum Nachdenken darüber entnehmen können, wer es wirklich ist, der dem Antisemitismus das : Der? wahrheitliebende Dr. Theilhaber. In unserem Mitteilungsblatt vom Oktober 1921 waren unter „Verständigungsarbeit" zwei Artikel aus dem Militärwochenblatt abgedruckt, die sich mit dem Berliner Arzt Dr. Theilhaber, einem Zionisten, beschäftigten. Herr Dr. Theilhaber hatte im Israelitischen Familienblatt über das Verhalten aktiver Offiziere während des Krieges Behauptungen aufgestellt, die berechtigte Empörung bei vielen — durchaus nicht „antisemitisch" veranlagten —'Nichtjuden hervorgerufen hatten. Seine Ausführungen gaben uns damals Veranlassung zu dem Hinweise, daß derartige Verallgemeinerungen. von jüdischer Seite begangen, einen um so gröberen Mißgriff darstellen, ass wir Juden uns selbst täglich gegen Verallgemeinerungen zu wehren haben und doch wohl nicht in die gleichen Fehler verfallen wollen, die wir mit Recht unseren Gegnern vorwerfen. Den Wortlaut unseres an das Militärwochenblatt gerichteten, in der Form jede überflüssige Schärfe gegen Dr. Theilhaber vermeidenden Schreibens mag man in der bezeichnten Nummer des Mitteilungsblattes Nachlesen. Heute, nach einem halben Jahre, meldet sich wieder Herr Dr. Theilhaber »um Wyrt in einem fast zwei Spalten langen Artikel der „Jüdischen Rundschau" sNr. 34 vom 28. April d. I.), den er „Der Fall Naumann" betitelt. Er gibt zunächst den größten Teil des Artikels von Bruno Rosenberg »„Einstein-Rummel" aus der Septembernummer (!) unseres Mitteilungsblattes wieder und wendet sich dann zu unserem erwähnten Schreiben an das Militärwochenblatt. Die Tendenz seiner etwas verspäteten Verteidigungsrede wird verständlich aus folgenden Sätzen: „Trotzdem schloß sich Haumann den Angriffen der Antisemiten an. die von jüdischen Verleumdungen sprachen. Es fiel ihm garnicht ein, sich darüber Rechenschaft abzulegen, daß seine Sätze: „„Wir sind weit entfernt davon, Einzelfälle von Pflichtvergessenhcit der Gesamtheit zur Last zu legen"" auf gut deutsch so ausgelegt werden können^und müssen, als ob ich der nichtchristlichen (soll offenbar nichtjlldischen heißen) Gesamtheit Pflichtvergessenheit vorge- , morsen hätte." Im Uebrigen sei aus den Ausführungen des Herrn Dr. Theilhaber folgende Blütenlese wiedergegeben: „Dummdreiste Zeilenschretberei" (d. i. Rosenbergs , Artikel). , „Unverfrorenheit". /- „In einem Vergleich/ in dem das Hamburger israelitische Familienblatt die Taktik der Naumannianer npt> derjenigen Elias Lohns aus Stöckers Zeiten in Parallele stellte, ward Rau-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.