Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1922
- Issue
- 5 (Mai/Juni 1922)
- Date
- 1922-05-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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dies« a» sich nicht sehr wahrscheinlich« „Tatsache" glaubhaft zu machen sucht, sind außerordentlich einfach und zeugen davon, »t« a«ri»m die ModenHntge die Intelligenz ihres Abnehmerkreises etnschätzen. Man sucht sich aus den zahlreiche« PreffeLvßerungen, die über unsere Verbandstättgkett ergehen, ei« paar von Herr» Knüppel-Kunze oder einem seiner Geistesbrüder ausgehend« heraus und serviert sie als untrüglichen Beweis dafür, wie ünsere Tätigkeit auf Nicht- ^«den wirkt. Was nach dieser Richtung hin zu erwidern tff, mag «an oben in dem Aufsatz „Also schrieb Nathan" Nachlesen. Aber die Herren, di« mit solchen „Pressestimmen" krebsen gehen, wollen «ft ihnen noch mehr beweisen, als daß unser D«band bei Richtjuden keine günstige Aufnahme find«. Sie wollen beweisen, dah wir durch die Art, ifi der wir Mtßständ« i« „jüdischen Laaer" öffentlich geißeln, den Antisemiten — und Antisemit ist ja für sie jeder, der nicht jeden Juden für «inen tadellosen Ehrenmann hält und das Wort Jude aus seinem Lexikon ^taktvoller" Weise ganz gestrichen hat, — die Waffen liefern, mit denen „die Juden" bÄLmpft werden.; ' Man könnte darauf einfach erwidern, daß-es den wirklichen Antisemiten vom Schlage des erwähnten Herchr Kunz« auch schon vor dem Beginn unserer Tätigkeit an Material nicht «den gefehlt hat. Diese Herren sind nun eimnal von Geschäfts wegen genötigt, täglich oder wöchentlich so und so viele Spalten mit dem Beweis«, daß „die Juden" eine besonders minderwertige Gesellschaft find, zu füllen. Woher sie das Füllungsmaterial nehmen, ist «ine Frage von ganz nebensächlicher Bedeutung. Insbesondere die Rubrik „Was di« Juden selbst sagen" hat in den Organen dieser Geschästsantisemiten niemals gefehlt. Hier verwenden ste nach .altem guten Brauch teils ganz frei erfundene Aeußerungen existierender und nicht existierender Juden, teils — und das ist der häufiger« Fall — irgendwelche echten Aeußerungen aus jüdischem Munde oder jüdischer Feder, die in Wahrheit einen völlig harmlosen Sinn haben, denen aber dadurch, daß man sie aus dem Zusammenhang reißt oder etwas in sie hineinlegt, was dem wahrem Sinne der Aeußertzng völlig zuwiderläuft, künstlich die für den hetzerischen Zweck erforderliche Verwendbarkeit gegeben - wird. Daß man durch dies« Taktik der glatten Lüge oder der Wort- und Sinnverdrehung auch Männer, die gewiß selbst im Sinne unserer jüdischen- Gegner einwandfrei find, zu „Marertallieferanten der Antisemiten" umgestempelt hat, ist allgemein bekannt. Wir erinnern nur an das erfundene Wort von Grätz, daß „die Revolution stet- Judas Stern gewesen sei", und an Rathenaus Wort von den „dreihundert Männern". Beide Worte, das frei erfundene und das finnentstellte, gehören noch heute zum eisernen Bestand jedes tüchtigen Geschästsansisemiten. Wir befinden «nS also n'chr in schlechter Gesellschaft, wenn in den Organen, die mit Vorliebe gegen uns zitiert werden, auch einmal ein von uns gesprochener oder geschriebener Satz mit ähnlicher Sinnverdrehung verwendet wird. Für diejenigen, di« diese Organe mit andächtigem Emst lesen, ist es gewiß gleichgiltig, ob das auf den Kopf gestellt« Zitat von Rathrnau oder von Naumann herrührt. Der „Antisemitismus" wird durch diese Zitate, mögen fie hierher oder dorther od-r ganz und gar aus^ den Redakttonsfingern des „deutfchvölkischen" Zeilenschinders entnommen sein, bestimmt nicht größer, denn die Leser dieser Blätter brauchen von der Minderwertigkeit der gesamten Iudenschast nicht erst überzeugt zu werden, sie find schon längst überzeugt und di« Lektüre der „unwiderleglichen Beweise" für dt« Gemeinheit d<i Juden hat für diese Leut« nur den Wett einer lieben Gewohnheit. Im übrigen hatten wir es eher für nützlich, wenn auch in solchen Organen gelegentlich aus unseren Schriften einige Sätze zitiert werden oder wenn gar, wie es in der „Deutschen Zeitung" jüngst geschehen ist, e<n qanz-r Aussatz au, der Feder eines unserer Anhänger abgedruckt wird, selbst wenn es mit einer hämischen Schlußbemerkung oder ein m de« Sinn unserer Austtihrungen artt dm Kovf stellenden Zusatz geschieht. Die Möglichkeit ist schließlich nicht ausgeschloffen daß doch der eine oder andere Leser das Zttat richtig würdigt oder sich «enlastens durch seine Lettüre onreqe« läßt, sich aber unsere Bestrebunoen an wirklich maßgebender Stell« zu informieren. Die Gefahr solcher Zitate ist somit gleich Null, die Möglichkeit dagegen, daß sie etwas nüyen könne«, immerhin vorhanden. Diese Erwägungen müßte» natürlich auch die Herren, die solch« PreffeärHmmnge« mit Inbrunst gegen uns verwerte», selbst anstellen, wenn es ihnen wirklich um Wahrheit zu tun wäre. Aber mit der Wahrheit find auch auf dieser Sette kein« Geschäfte zu machen und die Geschästs- Prosemtten unterscheiden sich in ihren Methode« nicht wesentlich von den Geschästs-Anttsemttrn. Wir find in der Lage, zur Kennzeichnung dieser Methoden einen Fall anzuführen. der für das ganze Täuschungssystem dezeichnend ist. In Nr. 2 der Centtalvereins-Zeitung 'findet sich folgend« Notiz: „Jüdischer L«tise«tti-»»S. In einem Briefwechsel der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" mit Herrn De F. Grüafeld in Landeshut in Schlesien verteidigt erster« den antisemitischen „Hochschulring deutscher Art" unter Berufung auf zwei Zeitungsartikel des bekannten vr Naumann, in denen das „Gebührengewisser jüdischer Kreise schlechthin als deutschfeindlich anerkannt" wird. Dafind die Früchte des „Verbandes nattonaldeutscher Juden l" x Die Schrtstleitung der „Deutschen Allgemeinen Ztg.i" hatte die Liebenswürdigkeit, uns den dieser Notiz z» Grunde liegenden Drieftvechsel zur Verfügung zu stellen. Aus ihm ergibt sich folgeicher Tatbestand: In der erwähnten Zeitung, deren tzauptschriftletter nichts weniger als ein „Antisemit", sondern einer derjenigen Nichtjuden'ist, die mit dankenswertem Eifer auf eine Verständigung zwischen nattonalaefinnten Deutschen jüdischer und nichtjüdischer Abstammung hiuarbeiten, der daher auch unsere Bewegung mit besonderer Freude begrüßt hat, erschien der Aufsatz eines Studenten „Warum muß der Student Nattonalgefinnung pflegen?" Im Anschluß an diesen Aufsatz sandte der in der L.-D.-Zeitung erwähnte Herr vr Grünfeld ebenfalls einen Artikel ein und zwar mit einem Begleitschreiben, besten hier wesentliche Sätze wörtlich lauten: ' „Bei der stets neutralen Stellung, die ich an Ihrem Blatt so schätze, gestatte ich mir. Ihnen eine kl in« Erwiderung . . . einzusenden. Dis auf einen Punkt ist dieser Aufsatz durchaus zu unterschreiben und jeder vernünftig Gesinnte wird dem Verfasser beipfiichten müssen. Nur durfte keinesfalls der an'isemittfche Hochschulring deutscher Art als Bildungsträger genannt werden, denn er kann für einen rechtlich denkenden Deutschen nicht als Sinnbild deutscher Bildung figurieren; ist er doch die Verkörperung des deutschen Anttsemitismus seit seinem Bestehen." Auf diese- Schreiben antwortete die Schriftleitung deS Blattes mit folgendem Brief: . „Sehr geehrter Herr! Auf Ihr Schreiben vom 24. 3. erlaube ich mir zu erwidern, daß es ein Irrtum - ist. wenn Ste annehmen die „Deutsch« Allgem. Zeitung" sei „neutral". Unser Blatt ist keineswegs neutral sondern ein durchaus.nationales Blatt. . . . ohne dabei allerdings in nationalistisch-chauvinistische Großsprecherei zu verfallen. Wir wenden uns gegen den nationalen Jndtfferenttsmus.... und gebe« wo es nötig ist. auch unserem Abscheu vor jener radikalifiette« Preßmache Ausdruck, di« bis zur nationale« Selbstbesudelung entartet ist. Der tzochschulring deutscher Art verdient unserer Meinung nach in der Tat Unterstützung, inkofern, als er sich di« Förderung der nationalen Jugendpflege ang«. legen sein läßt. Sollte er bei der Erörterung der Zudenfrage «xzediert hnben in Rede und Schrift, so wäre das natüxlich zu mißbilligen. Sie werden aber, seht geehrter tzerr^ nicht verkennen wollen, daß die Zudenfrage kn der Tat zu denjenigen . Fragen gehört, die auf das ernsteste erörtert werden müssen. Vor alle« auch im Interesse unserer jüdischen Mitbürger selbst. Ich darf mir hierbei gestatten. Sie auf den ausgezeichneten Aufsatz zu verweisen. S