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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-04-01 · 4 (April 1922) · p. Seite 11

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
4 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Vom Reichsbund jüdischer Einheitsfront - Soldaten. Grundsätzliches zu einer „Verstand gungs- Bersammlung". Vor einigen Tagen fand im Herrenhaise zu Berlin eine „Verständigungs-Versammlung" zwei! s Aussprarhe mit Nichtjuden statt, als deren Einberufer der „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" figurierte. Jawohl, figurierte. Der n die Ein - ladungen an die Presse waren merkwürdigerweise nicht von diesem Bunde erlassen, sordern von dem Tentralverbanddeutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Unstr Verbqnd war natürlich nicht eingeladen Der Vo - fitzende Dr. Naumann wandte sich im Namen des Verbandes und im eigenen Namen gleichzeitig an die Vo - sitzenden des Reichsbundes und des Ten tro lvereins m t dem Gesuch um Ueberlassung einiger Eintrittskarten. Der Vorsitzende des Tentra lvereins antwortete, daß „über die Eintrittskarten ausschließlich der Rrichsbund jüdischer Frontsoldaten zu verfügen habe." Merkwürdig, höchst merkwürdig! Der Vorsitzende des Reichsbundes war zunächst nicht zu e - reichen. Schließlich gelang es, mit ihm om Tage vr r der Versammlung telefonisch zu sprechen. Er erklär! e sich für ein „freundschaftliches Zusammenarbeiten seines Bundes und unseres Verbandes", behttlt aber die Entscheidung über das Gesuch um Einlaßkarten >„seinei» Vorstand" vor, der am gleichen Abend zusummentrete : sollte. Diese Entscheidung ging denn auch am Mörge r des Versammlungstages unserem Vorsitzen aen zu. Sie lautet wörtlich: „Herrn Dr. Naumann W, Knesebeckstr 78-79- Namens des Vorstandes des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten muß ich Ihnen zu meiner: Bedauern Mitteilen, daß der Reichsbund nicht i r der Lage ist. Sie zu der morgigen VersamnÜun; einzuladen. Sie haben in aller Oöffentlich - keit und besonders auch i r judeNfeindlichen Zeitungen dem gr-ßte r Teil der deutschen Juden und damit auchjüdischenFrontsoldaten den Patriotismus abgesprochen und sicj ferner zu unserer Auffassung strengster Neutralität, die gegen: ber dem Antisemitismus eine jüdi che Einheitsfront erstrebt, in Widerspruch gesetzt Mit vorzüglicher Hochachtung ' Reichsbund jüdischer Frontsrldaten , gez: Dr. Leo Löwenstein. Bundesvorsitzender." Das für unseren Verband als solchen xestellte Gesuch ist bis heute unbeantwortet geblieben.^ - Aber es kommt noch merkwürdiger. Sls in de : Versammlung ein Nichtjude sein Befremden und Be dauern darüber aussprach, daß man unserem Verband: sowie seinem Vorsitzenden den Eintritt ve: wehrt und dadurch eine Erörterung des Kernpunktes d:r deutscher Zudenfrage vereitelt habe, wurde die Antwort erteil — doch wohl vom Vorstand des Reichsbundes jüdische! Frontsoldaten? Leider nicht, vielmehr vo» dem au allen Gebieten der jüdischen und deutschen Politik si überaus erfolgreichen „Politiker" Dr. Pau Mathan. dem November-Sozialisten vom! November 1 1921, der zwar nicht Frontsoldat, dafür aberj Vorstandsmitglied des Eentralvereins ist, den Am isemitismus lediglich für eine „reaktionäre Müche" halt und die jüdische Einheitsfront, insbesondere den Zusammenschluß mit den Zionisten predigt. Diesfr Herr war berufen, der Versammlung zu erklären, daß der Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. — jawohl, der Neichsbund jüdischer Frontsoldaten —, „keinen Mann in seiner Mitte dulden könn!e, der den meisten deutschen Juden den Patriot ismu » absprech e." Ganz -nebenher bemerkte Herr Dr. Nathan, daß unser Verband ja auch viel zu klein sei, un Anspruch auf Einladung zu einer solchen V 'rsammllmg zu haben. Was gerade Herr Pr. Paul Nathan natürlich ganz genau ^wissen muß.! , Der Reichslund ist durch Dr. Naumann mittels eines poch am Versammlungstage abgesandten Schreibens und Herr Dr. Ncthan ist inzwischen öffentlich durch unseren Vdrstand rufgefordert worden, ganz bestimmte Tatsachen zur Begründung der Behauptung anzugöben, daß >Dr..Naumann „den meisten Juden den Patriotismus abgesp scheu habe." In dem Schreiben an den Reichsbund st! die weitere Frage gestellt, in welchen „judenfeindlichen" Zeitungen dies geschehen sei. lieber die etwa erfolgenden Antworten werden wir unsere Leser unterrichten. , Soweit'der Tatbestand. Er gibt schon heute zu einigen grundsätzlichen Erwägungen Anlaß. Der Reichsbund jis )ischer Frontsoldaten enthält zweifellos einen erheblichen Prozentsatz von Mitgliedern, die nationaldeutsch in unserem Sinne fühlen. Aber auch diese Mitglieder: lassen sich eine Bundesleitung gefallen, die Vorstandsbeschlüsse im Geiste des Herrn Dr. Nathian faßt,, -sofern nicht etwa Herr Dr. NathaN selbst der Verfasser des auch logisch und stilistisch recht bemerkenswerten Sch reibens ist. Eine Leitung, die! es zuläßt, daß gerpde diese c Herr einer gut besuchten Versammlung erzählt, wen d< r Reichsbund jüdischer Fronh^ soldaten „nicht ist seiner Mitte dulden könne." Eine Leitung, die offenbar kei r Verständnis dafür hat, daß sie, wenn wirklich die Tormundschaft des finanzkräftigen Eentralvereinp aurj bei dieser Gelegenheit zum Ausdruck kommen mußte, keinen weniger geeigneten Wortführer wählen konnte, als.diesen, dessen blamagenreiche Betriebsamkeit und groteske Selbstgefälligkeit schon längst bis in die Kreise seiner augenblicklichen Parteigenossen Hirn in Heiterkeit erweckt. Uns wird berichtet, laß die Versammlung bis auf das Auftreten de» Herrn Dr. Nathan zwar stimmungslos, aber doch ohne Zwischenfälle verlaufen sei. Wie hätte es auch anders sein!önnen? Alles, wasdie äußerliche Harmonie hätte stören können, war du rlcheir^r in der Gruppierung der Kulissenwohlgeübte Regie sorgsam ausgeschalt st. Den als solchen bekannten Mitgliedern unseres Verban! es, die zugleich selbst Mitglieder des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten sind, hatte man vorfichtshalbe! von dem Stattfinden der Versammlung keine Nachricht gegeben. Auch die entschiedenen Zionisten, die in recht stattlicher Anzahl Mitglieder des Reichsbun )es find, haben offenbar erst nachttäglich durch da» Ber! iner Tageblatt davon Kenntnis erhalten, da« „sie" eine Versammlung veranstaltet haben. - Sonst hätte sich w, «hl doch an manchen Punkten der Diskussion der Widerspruch geregt, der nie aUsbleibt, wo in Gegenwart von Zionisten über das Deutschtum anderer Jude» gesprochen wird. Wie sagt

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