Mannheim
Compact Memory

Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-04-01 · 4 (April 1922) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
4 (April 1922)
Date
1922-04-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/5438908-5438616-5438744--101-4871095
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ergab! ch für da« Judentum von selbst «in doppelter Daseinszweck. Er kann sich als Geburtsgemeinschaft nicht aurweiten. Es rann nicht gewinnen, sondern nur unterwerfen und herrschen. Der Machtgedank«, der sich in Jahwe, dem . . . zum Weltgott ausgewachsenen morgenländischen Burggott verkörpert, treibt zum Machthunger. Geistig« Produktion aber ist, wie wir gesehen haben, der Gemeinschaft als solcher unmöglichso bleibt ihr als anderer Daseinszweck nur der Erwerb von Machtmitteln materieller Art." Wenn auch die Iudenheit zur Förderung der'Wissenschaft und besonders der Wissenschaft des Judentums nicht soviel tut. wie sie kann und muh, darf ihr doch niemand einen Vorwurf daraus machen, daß ihre Glieder sich auch um Habe und Besitz mühen. - Hat man ihnen doch schließlich lange genug keine andere Möglichkeit der Betätigung gelassen. Der Mensch ist zu verachten, der die > Hände untätig in den Schoß legt. Und ebenso haben die Juden nie nach jener politischen Geltung gestrebt, di« sich auf Vergewaltigung der Massen gründet: ja viel« von ihnen haben unter großen persönlichen Opfern und unter Hintansetzung aller persönlichen Vorteile den Mafien zu Helsen gesucht, wenn sie glaubten, daß dies« von anderer Seit« unterdrückt würden. Daß diese jüdischen Idealisten in der Verfolgung ihres politischen Ideals oft weitergingen, als di« Zeitumstände zuließen, daß sie sich in Utopien verrannten und sich in Aemter drängten, denen sie nickt gewachsen waren, daß sie dem Volke, dem sie in inbrünstiger Lieb« helfen wollten, dann im Ergebnis manchmal mehr geschadet haben als genützt, das darf den christlichen Gelehrten nicht blind machen gegen das Judentum als Lolches, nicht blind.gegen Jahwe, den liebenden Vater»seines eigenen Erlösers, nicht blind gegen die Mängel unserer heutigen Staats- und Wirtschaftsordnung, die jedeti, der nicht Stillstand und Rückschritt wünscht, in gewissem Sinn« Zwingt, ^machthungrig" zu fein, gleichviel, ob wir den Hott, zu dem wir beten, mit diesem oder jenem Namen nennen. Nochmals: das Buch ist nickt ohne Mängel; aber für Leut«, di« sich in Entstehung und Wesen des Judentums wissenschaftlich vertiefen wollen, weih ich kein besseres. Adolf Gerson. Wilhelm Michel: Verrat am Deutschtum (Paul Steegem^nn, Hannover und Leipzig, 1922). Di' stärfit« Empfindung, die dieses Buch zunächst in uns auslöst, ist das Staunen darüber, daß der Eentral-Verein es anpreist und du-ch seine Buchhandlung vertreibt. Denn die Form, in der Mickel die Ju^rnfrage anpackt, unterscheidet sich doch recht wesentlich von der A I, in der sonst di« von dem Eentral-Verein bevorzugten Autor«« das Problem zu Zösen" »ersuchen. Was Michel vor diesen Routiniers der Antisemitenbckämvfung auszeichnet, ist vor allem He Tatsache, daß er da» Bestehen einer Judenfrage nicht einfach leugnet und sich auch nicht den Anschein gibt, als sei di« Judensi^ge eigentlich nur «ine Antilemitenfrage. sondern daß er anerkennt wörin di« wirtlich« Schwierigkeit des Problems liegt. .^Wir mögen ruhig hinnehmen, daß die deutschen Juden innerhalb des deutschen Volksk.örpers. «inen locker umgrenzten Bestandteil »von fühlbarer Unterschiedenheft bilden; daß sie zwar sraglos .^einge deutscht" aber nicht im Deutschtum au'gesoaen sind."" Und auch darin ist-Michel aus dem richtigen Weg«, daß er erkennt: Man kann und muß olsnehrlicher Mensch zugeben, daß di« Wurzel der Gegensätze in der Stamnnsverschirdenheit liegt, aber man braucht daraus'durchaus noch nicht, wie es die Deutschoölkischen einerseits "und di« Zionisten andererseits tun di« Unlösbarkeit de« Problems . zu folgern. „Der handgreiflich« Selbstbetrug der Antisemiten liegt nur ckarin, daß sie nur di« Abstammung als wesen-: bestimmend gelten lassen wollen. - Dies ist ihr Ein und Alles, ihr armseliges A B E. Die offenbar« Wahrheit ist die, daß die Abstammung wohl «in« wichtige Rolle spielt, daß sie ober den übrigenmilieuhaften und geschichtlichen Einflüssen einen großen- Raum f r« i lä ß lS. 30). Man sieht: es find genau die-! selben Gedankengänge. di« von dem Verfasser dieser Besprechung i in seinem viel geschmähten Büchlein ,Vom mosaischen und nickt-! mosaischen Juden" vertreten werden, wenn, er sagt (S. 17): »Wir! dürfen nicht darüber erschrecken, haß wir so zu' dem gleichen Schluffe I kommen, den auch die verbissensten Judenfeind« und ebenso die! Zionisten und Jüdilchnationalen ziehen, denn dieser Schluß ... ist nicht . . . der letzt«, der entscheidend« Schluß. Was wir so ermittelt Haben, ist nur einer der Faktoten, . aus drnen sich die Rechnung ausbaut: Die Rechnung, deren Schlußergebni« den Platz des Menschen in seiner Umwelt bestimmt." Auch wenn im weiteren Verlaus seiner Darlegungen Michel manchmal da» Schwergewicht allzu sehr aus di« rein ver standesmäßigen Einflüsse, auf das Moment der Geistesbildung zu legen scheint, ist der Gegensatz zu der Auffassung der Unterzeichneten nur «in scheinbarer. Mun auch Michel ist sich, wie aus anderen Teilen seiner Schrift kM hervorgeht, durchaus bewußt, daß es sich bei dem Hineinwachsen in di« deutsch« Kultur, durch die aus einem Menschen gleichviel welcher Abstammung erst «in Deutscher wird nicht nur um rein rationalistisch ru saftende Bildungreinflüfi« handelt, sondern daß unwägbare Einwirkungen des ganzen .Milieus" mitßpielen, deren Mbßstab nur da» Herz, Nicht das Gehirn sein kann und denen man sich hingeben darf, ohne darum «in Mystiker zu sein. Und dhß dieser Gefühlsinhalt ides Deutschtums nicht allen Juden gleichintHia zugänglich fit. spürt auch Michel sehr wohl, wenn auch aetode in diesem Punkt« sein« Erkenntnis noch in den Anfängen fkrchen geblieben ist, wenigsten» soweit sie in dieser kleinen Schrift zuin Ausdruck kommt. Wenn er folgerichtig seinen Weg weitergeht, wird er sich eine» Tages an demselben Punkte finden, von dem wir nationaldeutschen Juden ausgegangen sind, als wir einsahen, däh unser Weg nicht der des Lentral-Vereitjs sein könne. Lin Mann, der den Mut hat, zu schreiben: .Eingedeutscht« Juden dieser Art sind oft so sehr Deutsche, daß sie auch unsere Nationalfehler mituns teilen, daß sie sich gründlich vom westlichen Juden unterscheiden und noch mehr vom Ostjuden, dessen barbarisch«, lg hettoi st isch« Mißbildung ihnen nicht weniges Abwehr zu erregen pflegt als uns", verdient ein besseres Schicksal, als durch die Buchhandlung des Eentral-Verein« gleichzeitig mit zionistischen Schriften, zwi'chenschichtlichem Gewäsch und .philosemitischen" Plattheiten angeprie'en zu werden. Hervorgehoben sei noch di« prachtvolle, bildkräftig« Sprach«, die allein schon , enügen würde, da» Büchlein hoch über da« Niveau hinauszuheden, Deutschtum der Irden Elternakt auf dem gewöhnlich di« Kämpf« um da» ausgetragen rrierden. Mar Naumann. VerbandSnachrichten. _bend am 6. April d- I. (Berlin, Rote« Haut): Da« Thema de« D ortrage«, mit dem unser Mitglied Frau Dr. Leow- Fränkel die gutbeüic>te Versammlung eiiileitete, hieß: .Wie erziehen wir unsere Kind,r Zu Deutschen?"! Da» gedankenreich« und formvollendete Referat gnb einen Überblick übler die Schwierigkeiten, die sich von außen und. inn -n einer wahrhaft deutschen Erziehung unserer Kinder entgegenstellen, und zeigte den Weg zur Überwindung der Widerstande. Sine lebhafte und anregende AuSsprache.an der sich von Iugevderziehern Herr Studien-Bffessl r Dr. Löwenthal, Fmulrin Oberlehrerin Rosendorn und Herr Lehrer Gerson beteiligten, zeugte von dem lebhaften Interesse, da« gerade diese Fr« ge in den Kreisen uaserer Mitglieder findet. Wir «erden einen ausführlicheren Auizug au« dem Referat in einer der nächsten N immer» de« Mitteilungsblatt«« zum Abdruck bringen. r. Vortragsabend der „Wandergilde": Am Sonntag, den r8. Mai d. I., abend« 7 Uhr, veranstaltet di« .Wandergilde", Iunggruppe natlonaldeutscher Juchen, einen Vortragsabend im Ro«wirha-S >al, Berlin, Lützgwplah 8 (Ecke Maaßenstraße). Lieder, Gedichte. Volkstänze und ein «ltdeutsche« Spiel gelangen zum Vortrag. Die Der8and«mitglieder sind eingeladen; Angehörige und Bekannte können tingeführt werden. Karten zum Preis« von 4,— Mark einschl. Steuer sind am Eingang zu haben. Um pünktliche« Erscheinen wird gebeten. z. Sekretärin gesucht: Al« Privatsekretärin de« Vorsitzenden wird eine selbständig arbeitende Daüre, perfekte Stenotypistin, möglichst Mitglied, oder Angehörige eine« Mitglieder, gesucht. Beschäftigung meist nür vormittag«. Angebote mit Lebenslauf, Zeugnisabschriften und GebaltSansprüchen an die Geschäftsstelle, Berlin W. zz, Blumethof y, erbeten. 4. Unregelmäßigkeiten in der Bestellung de« Mitteilungsblattes bitten wir der Geschäftsstelle zu melden. z. Größer^ Ortsgruppe« sitzd in BeeSlau und München gegründet worden. Näheret siehe unter .Echo der Presse". 6. Schrift« de« Verbandes «ationaldentscher Juden: Die beides ersten Hefts sind erschienen und zum Preise von je z,— M. durck die Geschäftsstelle zu beziehen. Sie enthalten Heft l^Peqser .Der Begriff nationaldeutsch kn unserer Erziehungsarbeit", Heft 2: Naumann .Gatzj - Deutsche oder Halb- Deutsche?" (4 Aussätze: Ganz-Deutsch« «der I Halb-Deutsche;E^nhei»«front undNarionalgefühl; Jona, der Prophet? Reigen). Die Hefte eigne« sich besonder« »nr Propaganda. Si« en,Kalten in Kürze fast alle«, wa« zum Verständnis uaserer Bestrebungen und zur Widerlegung der über un« verbreiteten Unwahrheiten erforderlich ist. j 7. Jugendorganisation: Alle Auskünfte (auch bezüglich der Gründung einer akademischen Ortsgruppe Berlin) erteilt Herr stud. pharm. Kurt Lewy, Berlin, Keithstr. 18, - Der Verstand. 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.