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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-03-01 · 3 (März 1922) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
3 (März 1922)
Date
1922-03-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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t .Entrüstung vcruricilicn wie .Hier eine Gemeinsamkeit kon .bespreche den Tatsachen und sei eidlich gemein en Beteuerungen mußten . ' ' oen Gegen.imvand gefallen iassetz: Wo sind sie, ...,e „anderen" Iudeir?- Sie mögen vorbanden sein, aber man dörr nichts von idnen. Sic erlauben rs ohne Gegen-. ivebr, daß jener Teil des Judentums, dcn der anlssemitesche Bewegung meint, sich zeem Stimmsühreo npd Verirctcr des g c s a m r e n Judentumaufwirsl. Und sowie irgend einem jener östlichen Herrschaften, denen wir jetzt in Berlin nnd in anderen großen deutschen Städten so häufig zu le gegnen die Freude Habens auch nur von fern irgendwie .zu nabe getreten wird, sobald auch nur der schüchterne Her such gemacht wird, die .zweideutigen Gäste, die (weile das Viertel zwischen August - und Dragoner-Straße zu Tausenden bevölkern, so daß man sich dorr als Teukschcr in des deutschen Reiches - Hauptstadt vorkommt wie ein — Aus liinder in einem galt zischen Ghetto, zu enlsc'rncn, um ^aum zu schasf-'n für die zabllosen deutschen Familien, hie heute in bitterster Ror aus allen Teten des verstüimnclren Varer .lande^ nach innen strömen und die besseren Anspruch au' Türsorge haben als jene seltsamn neuen Mitbürger, deirn lliientbehrlickkeir für den deutschen „Wiederaufbau" einst weilen nicht bewiesen ist, ich. sage sobald ein solcher versuch gewagt, ja auch nur der Gedanke daran erwogen wird, sofort stellt sich die ganze' Zudenneie wie ein Wann geschlosicn vor ibre Glaubensgenoüen und klagr mit dem ganzest Stimmaufwand ilircr geioalngen Greste und pareei organiiationen ewer'dioUetieniicke T'eriolgring und über „religiöse" Unduldsamkeit. solange di-'ie Zustande blieben, .ivar cs vielleicht über trieben, aber cs war durchaus begreiflich, wenn sich im "national bewußten Teurschrnm die Autsasiung imukcr mehr verbreitere, das Zud-penm sei eine unlöslich geschienene??<asse; es sei in-ernanenal und aiuinational, mir einen, Wert undeursch. lfnd es war nickt minder begreiflich, wenn sich ans dieser Ansiaüung nnd ans der auss Höchste gesieigenen vöiiisckcw, Teichartert der Kriegs und Revo lurionssahrc eine sckae'e Abtvehrstellung gegen das Jude» nun in seiner G e s a m r Ii e i r entwickelte. In diesem kritischen Augenbkick rritt nun der verband narionatdcluscher Inden aris den Plan. Und mit seinem 'eltislreren stehen wir vielleicht — hoffen.lich — vor einer grundsätzlichen Sendung einet»- der quälendsten Tragen unsere» staatlichen und nationalen Daseins. Boraussetzung dafür ist allerdings, daß sich der Verband aller Folgerungen aus seiner grundsätzlichen Stellung mit aller Klarheit bewußt ist und daß er dcn Mur hat, seinen Weg mit rückhaltloser Folgerichtigkeit nnd ohne Anfechtung -zu Tnde zu gehen. Ts wird ein Vornenvollcr Weg sein, aber das Ziel ist in der Tat des Schweißes der Tdlcsn wert. Ter na itmaldeurschc Jude will Deutscher sein, nichts als Deutscher. Tr erklärt den Ranonaljudcn und den Zionisten schlechthin für Ausländer und billigt ihm dalHw in der staatlichen Behausung des deutschen Volkes nur ein Gastrccht zu. Aber auch das Verhalten des „Zwischen schicbtlers", d. h. -desjenigen^ der sich Jude oder Deutscher nennt, je nachdem es in dcn Zusammenhang paßt, kennzeichnet er ohne Zögern als unzulänglich und national unzuverlässig. Das ist ein Standpunkt, dem man die Konsequenz nickt absprechcn kann, und wer Gelcgcnhxit hat, die Verteerung dieses Standpunktes in diesen Blättern (die dock nickt für die breite Oeficnelichkeit bestimmt "sind) kennen zu lernen, der vernimmt Töne, die auch den Zurückhaltenden anfborchcn lassen. lind dennoch scheint mir in. dcn Grundsätzen des Vcr bandes eine letzte Unklarheit, wenn auch nicht enthalten, so dock mindestens nickt eine-driictlich vermieden zu sein. Ter Verband nimmt gekaufte Juden und Dissident^ nickt au» und bcl-.nnr sich rückhaltlos zu seiner „Abstammung". Wenn damit nur gesagt sein soll, daß seine Mitglieder ihrer Herkunft etwa in demselben Sinne gedenken sollen, wie Heine die Nachkommen der französischen Auswandererin der Berliner „französischen Kolonie" eine pietätvolle Tr ' innerung an die TsgiVdes Großen Kurfürsten pflegen, was l " T re ganze sie aber natürlich nicht hindert, mit Seele l» U d Leib Deutsche, ja oft die« feurigsten 'Patrioten zu sein, so ist nichts dagegen einzuwcntmn. Worauf es aber ankommt, ist nicht die „Abstammung", s andern diö s — Rachk o m m e n s ch a f t. Der na iv» aldcutsche Jude will restlos, „hundertprozentig" zum dcues hcn Volke gehören. Wer gehört zu einem Volt? Was heißt „Volk"? Volk hat zur „Raffe" im antropologischen Sinne nur sehr entfernte Beziehungen. Der Begriff erschöpft sich aber auch nickt im Geschichtlichen, SP sachlichen und Kulturellen. Tin unerläßliches Visgriffsmerkm« l ist das biologische. „Volk" ist eist gcncalegischer Begriff! ,Iudcnfrqgc" läßt sich fruchtbringend überhaupt nur v o m Standpunkt der Generationsfolgcn behandeln. Die Vernachlässigung Weser grundlegenden Trkennlnis ist die Ursache der endlosen, quälenden und gehässigen Unfruchtbarkeit all r „Iudcndeba.ten". „Volk" ist ein gencalhgischer Vegrjsf, --- was heißt das? Das heißt: zum Volk gcliört nur derjenige, dessen Ahnenkettc sich in der V, e r g u n g e n h e!i t init denen seiner mit ihm lebenden Voklsgea offen verflochten hat, und derjenige, der grundsätzlich bereht ist, die von ihm ausgehende Kette Vcr Nachkomme n . i n der Zukunft mit denen seiner mir ih m lebenden Volk s g cnossen verflechten z e» lassen Aus des« Flechtwcrk dieser Geschlcchlerkettcn rückväris und vorwärts webt das rastlose Triebwerk des ewig keim« reden Lebens den organi schcn Teppich des Volkstums. Wer ihm aagchören wilj, niuß sich ohne Vorbehalts ja mi Heister Hissgabe sei,»cm unerbittlichen Gange übcruncwvr cn.' Das ist die letzte, höchste, aber unerläßliche „Aufnahmebedingung". Die Zugchörigkeit zum Volk kann also jederzeit crworb.n werden; aber sie ivird nicht erworben durch eine, wenn auch noch so ehrlich gemeinte Versicherung, andern letzten Tndcs durch die „genealogische V e r e i t w i l l i g k c i 1", wie inan vielleicht sagen könnte. Das Judentum hat zu allen Zeiten und in allen Ländern diese ^genealogische Bereitw illigkeit" zu« Aufgchen in seinen Wirtsvölkern mit den strengsten Silken- und Rcligionsgeseycn geächtet. Schon deshalb sollte cs als Gesamtheit ehrlicherIWeise nicht eine Vol kszugchörigkeit behaupten, hie sesne eigene nationalrcligiöse Idee verabscheut. Der einzelne Jude kann dagegen den Prozeß der „Volkswerdung" jeder Zeit beginnen. Dieser Prozeß wird kaum je ohne Schmerz sein, er wird häufig g§nrg ihm selbst und den ihm liebsten Menschen bittere Wunden schlagen. Halt und Gewiffcnsruhe wird er nur dann finden, wenn er sich als Welle eines ewigen Geschlechter! iromcs fühlt, der unentrinnbar und rastlos dem Ozean lums zuftrebt. Tie einzelne Well« wenn ihre Stunde schlägt und sie des mütterlichen Meeres stirbt.^ gehenden Kreise schweben ewig in Die Ablehnung, ja Aechtung dem Wirtsvolk war, wie gesagt, lichsten Merkmale des Judentums meiner Ansicht nach ein orthodoxer Jude nur dann Mitglied des Verbandes neuer naldeutscher Juden sein, wenn er sich darüber ganz klax seinem o r t h o d o r e n J> nur um Religion, n i ch tes Rassegefsthl. eine des gemeinsamen Volksmag Schmerz empfinden, in den geöffneten Armen Aber die von ihr ausder gemeinsamen Flut, ver Blutsgemcinschaft mit bisher eines der wcscntals Idcs. Deshalb kann unter religiöser Vermummung handelt. Rur der kann sich als Jude „hundertprozentig" zuu der nickt für sich und scin n ung einer unb e d ingtp Haltung seinerbeson stellt, eine Forderung, die er!, sie von der anderen Seite „Deutschtum" mit dem allge scheu (nicht dem zufällig pep Judentum glaubt vereinigen zu nnd handelt nicht viel anders Tentral Vereins, das ja auch! deutschen Volke jederzeit leidenschaftlich behauptet, aber ist, daß cs sich bei dcntum wirklich um ein verkapp- „jüdisch - völkische" Idee deutschen Volke zählen, Stamm die Forder - n dauernden Erde r e n R a s s e aufzleichzeilig verwirft, wenn ausgestellt wird. Wer sein mein genealogiönlichcn) Verbleiben im können, täuscht sich selbst al» das Mitglied des seine Zugehörigkeit zum

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