Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1922
- Issue
- 3 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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-.von die Dinge bei Dr. . u u, dem jetzigen Reichsminister ..cn, Unzweifelhaft ist er ein Mann von . Format, von überragenden Fähigkeiten, von utertin L6ollen. Fast wirkt er wie ein Fremdkörper unter den mittelmästigcn Erscheinungen, die heute so ziemlich überall in Deutschland die politische Bühne füllen. Aber kein Einsichtiger kann bestreiten, dass er >!.e Ausgabe übernommen hat/deren Lösbarkeit nicht bv.riehen ist. Tritt aber ein Misterfolg seiner ehrlichen Beu.ühvngen um eine Besserung unserer' austenpoli- - chen Lage ein, so wird es bei der feindseligen Stimnn" g. die in den rechtsstehenden Parteien aus bci.rn'iren Eirunden gegeiZ ihn vorhanden ist, nicht ausb! dost man diesen Misterfolg in erster Linie dem Z u d e n Rathenau zur Last legt. Ob wir dann Grund beb.cn werden, uns der Anitstäti^keit dieses jüdischen '.üün.i'rers zu treuen, ist.eine Frage, zu deren Bejahung Heine wohl keiner von uns den erforderlichen Mut ouchringen wird. .! . - - . Der politi'chen Rachrede aus Dr. Rathenau könnest e. ir Inden'somit nur bangen Herzens entgegensehen und non der Minisrertätigkcit Landsbergs spricht, heute ' in Ädenich.mehr in Deutschland. Unauslöschlich aber h.'.t sich dem Gedächtnis des ganzest deutschen Volkes > ie Ä'nksomkeil eines jüdischen. Ministers eiligerügt und die Erinnerung an sein verhängnisvolles ^'ngreiien in den Gang unserer politischen Entwickelung wird allen Wandel der Zeiten überdauern. Was kr u r t Eisncr am deutschen Vaterland im allgemeinen und an Bayern im besonderen gesündigt hat, das wiegt zentnerschwer gegenüber allen Verdiensten, die früheren, jetzigen und späteren jüdischem Ministern zugesä'riebcn werden können. Sein Gedächtnis ist mit dem Vorwurf des Landesverrates belastet, begangen in der Zeit allerschwerstcr Heimsuchung des deutschen Volkes, und die Bayern werden in alle Ewigkeit seinen Namen niit den schicklichsten Tagen in Verbindung bringen, die ihr schönes Land jemals durchlebt hat. Eisncr ist auf dem Posten, den er in unglaublicher Verkennung aller tatsächlichen Verhältnisse usurpiert batte, als Opfer seiner Ucberzcugung gefallen, aber auch damit hat er für das Empfinden des bayerischest Volkes das von ihm freventlich verschuldete Unheil nicht gesühnt. Auch viele deutsche Juden,' die zu der Zen, als Eisncr auf der Hö^o seiner Macht stand, mit Bewunderung zu ihm aufblicktcn, stimmen jetzt, nach alten Veröffentlichungen, die inzwischen erfolgt sind,, rückhaltlos in die Verurteilung feister politischen Täk ligkcit ein. Aber diese bessere ErkeniMis kommt leider, wie so oft, zu spät. Bayern war dasjenige deutsche Land, in dem/noch ror wenigen Zähren der Antisemitismus nur eins Ansriahmeerslbeinung war. Heute hcrr'cht gerade dort eins Feindseligkeit gegen die Juden, die in keinem anderen Teile des Reiches überboten werden kann. Und . diese Stimung ist entstanden in jener Zeit, als der landfremde Jude Eisner Bayern „beherrschte". Auch die schrecken der Rätezeit hätten' diese Stimmung nicht erzeugen können, wenn sie n schon durch Eisners unheilvolle Wirksamkeit vorbereitet worden wäre. Vergangenheit zu lernen, geringer, als in der jetzigen Die Fähigkeit, aus der wat in Deutschland niemals Zeit der Verwirrung, der Unsicherheit, her Unklugheit auf allen Gebieten. Auch d e Tatsache, daß von einem Teil der deutschen Juden himte anerkannt twird, wie verheerend gerade Eisners Tätigkeit atlf die Beziehungen jüdischer und nicht indischer Deutscher zu einander gewirkt hat, bietet durchaus keine Bürgschaft dafür, daß nicht bei sich bittender Gelegenheit wieder jüdische Machthaber mit beifälliger Zustimmung ausgenommen werden, deren Wirksamkeit sich später als unheilvoll herausstelll. Aber wir naiionäldeutschen Juden wenigstens sollten auden Tatsachen der jüngsten formaler noch lange ichen Beste Geschichte die Lehre entnehmen, daß tir imrrichri.l ist der politische r Entwickel nicht gleichzusetzen ist mit einer wir t'.mg der gegebenen Verkältniste. > Ist jedem Falle kommt cs auf den Gebrauch an, der von verliehenen oder eroberten Rechten gemacht wird. Auch wer nicht zu den unbedingten Bewu rdercrn d^r früheren Zeit gehört, must die Gefahr erkennen, dass stüter Umständen jüdische Minister den deutschen Juden Im e h r Nachteile a! sNutzen bringen könnten. Zn dieser Erkenntnis und den praktischest Folgerungen, die sich aus ihr ergeben, sollten sich all« deutschen Juden, die nicht nur formelle Gleichstellung, sondern quch menschliche Glcichachtnng in Deutschland erstreben, einmütig zusammenfinden, mögen sie zw unsere m Verbände oder zu einem anderen gehören. Liegt Berlin in Deutschland? Man Geiseln. möchte in letzter Zeit manchmal daran Die „Ucberfremdung" hat einen Grad erbricht. der cs dem eingesessenen Berliner schwer macht, sich noch zu Hausck zu fühlen Wo wir gehen und stehen, schwirren uns fremde Laute um's Ohr, erblicken wir Gestalten, deren Wiege offenbar nicht in Deutschland gestanden hat. „Wer zählt die Völker, nennt die Naiven?" Fährt man in der Untergrundbahn, natürlich stehend freihändig in drangvoll fürchterlicher Enge, so kann man^ schwören, dast von sechs Menschen, zwischen die man eingekeilt ist, minxsttcns vier Ausländer sind. Reben dem beamteten Schnüffler irgend einer Entente- Kommission, der wenigster s offiziell i nicht zu seinem Vergnügen hier ist. steht der Aufunh Auskäufer, der Deutschland um schlechtes Geld feinet guten Waren entledigt und sich daneben für ein paar Cents, Oere öder ähnliche Klcinmiinzcn persönliche Genüsse verschafft, die er in seiner Heimat viel j teurer bezahlen niiistte. Und neben beiden stehen ein zpaar der lieben Gäste aus dem Osten, die Langsam abtr sicher der ehemaligen Reichshauptstadt tanz und gar ihren Stempel aufdriickcn. Einen Stempel übrigens, der durchaus nicht so vorwiegend hebräische Schriftzjeichen trägt, wie