Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1922
- Issue
- 3 (März 1922)
- Date
- 1922-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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»«««»»»> Mittei des Verbandes natichaldeutscher Juden e. *luswandern gedacht hat, rqerrecht und auf die .^» Befugnis zu /nbt. V So Das Mitteilungsblatt er Bezugepjrl T^c» Bi Geschäftsstelle des Verb » Bankkottro: C. H. Kretzsc > r i scheint vorläufig eis: Einzelnum» rbanbsmitglied«r> ndes: Berlin jW mar, Berlin W. zwangloser Folge, mindestens einmal monatlich, er 5» Pf.- halbjährlich 2,;o M. geht das Blatt kostenlos zu. Z5, Blumeshof 9, (Fernsprecher: Lützow Z0H9) Jligcistraßr - / Postscheckkonto! Berlin?kr. 111 rzi! / Jahrgang 1922 März ----- Jüdische Minislce. Bon Dr. S. Breslauer. Alle Schranken siird gefallen; seit Jahren gibt x,> in Deutschland kein weltliches Amt mehr, das nich^ allen Staatsbürgern ohne Unterschied des Glaubens ünd der Abstammung zugänglich wäre. Und wenn mg» unter Juden über den Wandel der Zei en spricht, wem sich Zweifel hervorwagen gegen die Wesentlichkeit tze; Fortschrittes, den gerade für usis Juden in Deutsch land der gewaltsame Ueberganä vom Kaiserstaat zu Republik mit sich gebracht haben soll, wird immer wieder auf die Tatsache hingewiesen, dost seit der Revolutior auch Juden jedes Amt offen stehe, daß wir sogar schpi jüdische Minister erlebt hätten, was doch gewiß unter dem alten Regime undenkbar gewesen wäre. > Hier ist nicht der Ort, in eine U itersuchung där^ über einzutreten, inwieweit im Allgenn inen die Geg«sn Überstellung der Verhältnisse vor und nach der Reyo lution ein vom deutschen Standp linkte »egrüßenswerje«. Fazit ergibt. Nur der besonderen Fraze soll an diese Stelle einmal nachgegangen werden, vie kürzlich ejrf wieder bei einer Aussprache zwischen Mitgliedern un seres Verbandes und Vertreters des Lentral-Vereim deutscher Staatsbürger jüdischen Glaub ms aufgechorsdi wurde, ob der angegebene Fortschritt siit 1918 wirklich uns deutschen Juden so großen Nuten gebracht ha oder ob wir nicht vielleicht Ursaise haben, den früher:» .Zustand gerade insofern wieder zuriiclzuwiinsches», rls er die Berücksichtigung von Juden bei der Vergebung ganz bestimmter hoher Staatsämter betraf. Wer die Ereignisse der letzten drei Jahre mit ihren starken Einwirkungen auf die deutsch« Volksseele unbefangen beobachtet hat, kann nicht ler gnen, daß kaum eine Tatsache uns Juden mehr geischade i, das starke Attschwellen des Antisemitismus m :hr g, fördert hat, ql » die übermäßige Besetzung hervorragender Stellungjeu im Reich, in Staat und Gemeinen nit Männern jüdischen Stammes. Cs mag sein, daß, solange der erst' Novembervausch andauerte, viele Juden die unvermoil - lichcn Wirkungen nicht zu erkennen vermochten, die init - dem plötzliche.» Szenenwechsel verbunden sein mußten Bald aber»drang doch die Erkenntnis durch, daß wit cs »nit einem Fortschritt sehr zweifelhafter Art zu' tun hatten, und schon im Jahre 1919 konnte »»an fast überall, wo deutsche Juden mit einander diejlnen geschaffene Lage nüchtern überprüften, das Eingeständnis Hölsen, daß der jüdischen Sache besser gedient gewesen wäre, wenn die deutschen Politiker jüdischer Abstammujng in ihrem Auftreten sich mehr Zuriickhali ung aufcrlegt, wenn sie sich nicht in so großer; Zahl zu ührendeN Stellungen gedrängt oder zu ihnen hätten porschieben lassen.KMur im Vorbeigehen sei hier an! die verhängnisvolle) Rolle erinnert, die gewisse jüdische Parlamentari« in dem glorreichen Ilntersuchungs tusi5,uß des Rcichtages gegenüber den deutschen Heerführern inz Weltkriege gespielt haben. Was nun die jüdischen Minister betrifft, die seit dem November-Umsturz in Deutschland aufgetaucht — und zumeist wieder verschwunden sind, ist es schwer, über ihr Wirken in Kürze zusamknenfassend zu urteilen. Daß wir deutschen Juden aber besondere Ursache hätten, auf ihirc Amtstätigkeit mit dankbarer Gesinnung zurUckzühlicken, werden auch die enragiertesten Centialvcreinser schwerlich.behaupten wollen. In Wahr seit ist es eigentlich nur der mehrheitssozialistische Volksbeauftjragte Otto Landsberg, der eine kritische Nachptüsung auch vom Standpunkt des deutschsühlendcn Juden! aus nicht zu scheuen braucht. Denn er hat, bei aller offiziellen «Jnternationalität" der. Gesinnt ng. die er als Marxist pflichtgemäß zu prästieren hatte, seine u a t i o n a l d cn 1 s ch c n Empfindungen' doch stets ,-ur rechten Zeit und an der richtigen Stelle nit Nachdruck hervorgekehrt und sich in dieser damals besonders tapferen Haltung durch keinen Radaumacher im eigenen Lager, durch keinen Vcrsammlungs- oder Straßentcrror auch nur einen Augenblick beirren lassen. Auf einen solchen Stammesgenossen können wir doutscheu Juden, gleichviel welcher politischen Ueberzeugizng wir anhängen, stolz sein; zumal auch sein ganzes öffentliches Auftreten sich stets in vornehmen Formen bewegte; und von einem sicheren Taktgefühl beherrscht war. >!