Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1922
- Issue
- 2 (Februar 1922)
- Date
- 1922-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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noch bestehenden Gegensätze zwischen na ionalgefinntcn l Deutschen jüdischer und nichtjüdischer Abstammung beitrogen kann und wird. Insbesondere wandte sich der Redner geg n die Irreleitung unserer Jugend durch echt« und unechte Zionisten. Der Vortrag wurde mit reichem Beifall belohnt- Aus der anschließenden Debatte war besonders das Rededuell zwischen einem nichtjüdischen Studenten (Mitglied einer paritätischen Verbindung) und einem Vertr ter der akademischen Ortsgruppe des Cenlralvereins interessant. Mährend der Letztere die aus dem „Dcu schen Reich* und dem „Israelitischen Familienblatt" hinreichend bekannten An schauungen vortrug, vertrat der Erster? mit Rachdruck den Standpunkt, daß nut die Trennung der deutsch fühlenden Elemente innerhalb der deutschen Juden von den undeutsch fühlenden ene Zusammenfassung aller nationalen Kräfte und e ne Aus gleichung der Gegensätze zwischen nationaldeutschen Juden und Richtjuden ermögliche. Einige Berichte großer Tageszeitungen find unter „Echo der Preffe" wiedergegebcn. Die akademischen Blätter werden erst in ihren Februar-Ausgaben Stellung nehmen können. Echo der Presse. Der (rote) Tag (Parteilos) 10. 1. 22. Längerer "'Aufsatz des Regierungsrats Hans Goslar (Zionist) „Deutsche und Juden". 2'/, Spalten. Vertritt den Standpunkt einer sittlichen Weltmission des Judentums. . . . ,2m Gegensatz hierzu ist für mich, und mit mir für die Kreise der gesetzestreuen Juden und der Zionisten, aber auch für erhebliche Teile der hierin gefühlsmäßig mit mir übereinstimmenden religiös-liberalen Juden Deutschlands die Zugehörigkeit zuiy Judentum nicht lediglich ein rein religiöses Bekenntnis . . . Vielmehr empfinde ich auf Grund meiner Kenntnis der Wesensart des-Judentums und meines Gefühls gleichermaßen dieses Judentum als in der Weltgeschichte wohl einzig dastehenden Fall eines völligen Zusammenfließens und Jneinanderaufgehens des Göttlichen und des Menschlichen, des .... Religiösen und Nationalen. Ob man . . . vom „Eottesvolk" sprechen will oder . . . von der „Gesrtzesnation": immer, wenn man das Wesen des Judentums richtig umrekßen will, wird man die unlösliche Verbundenheit der beiden komplementären Teile zuvor erkennen müssen.Wohl aber ist es so, daß die Existenzberechtigung, das Dasein, das Lebensprogramm des Volkes ganz eingestellt sein soll auf diesen Eottesgedanken, und daß in der Erfüllung der Welt mit der göttlichen Idee Ziel und Zweck des Volkes liegt. Herr Dr. Naumann begeht nun den Fehler, zu glauben, daß ein solcherart wesenhaftes Judentum seinem Träger ' glicht erlaube, einen genügend großen Prozentsatz seiner sGeistestätigkeit und seines menschlichen Seins dem Staate zur Drfügung zu stellen. . '. . Di« Verbundenheit eines Staatsbürgers mit einer geistigen. Idee, die ... in keiner Weise mit den Interessen des Staatsvolkes (!) kollidiert^ vermag niemals die staatsbürgerlich« Zuverlässigkeit oder den moralischen Wert des Staatsbürgers zu schmälern." Wirft die Frage auf, ob wir „die letzten Konsequenzen aus unseren Anschauungen ziehen werden, die bei dem christlichen Charakter des deutschen Volkes (!) logischerweise die Tendenz zur > Tause und zum 'Schließen von Mischehen bedingen." Hammer (Völkisch) Januar 1822. Die üblichen Eedankengänge. „Wir halten noch immer die Zionisten für die ehrlichsten Juden, denn sie gestehen, daß ein unversöhnlicher Haß gegen alle nichtjüdischen Völker sie beseelt, daß sie auf deren Verderben sinnen, und daß es keine Verschmelzung mit ihnen geben kann,' daß die verschiedenen Rasten vielmehr gegenseitig in ihrer Entwicklung und Kultur sich stören. Wir fordern-daher mit den Zionisten „„reinliche Scheidung"" und die Ansiedelung der Hebräer in eine« besonderen Judenreich« — sei es auf Madagaskar oder! auf Reu-Guinea." Völkischer Beobachter, München („Nationalsozialistisch") 11.1.22. Längerer. Schimpfartikel „s Miesbacher Anzeigers, aber imikrt", etwa im Stil des ohne besten Humor. ' Tendenz: unsere Bewegung sei «in „neuer Täpschungsversuch, um arglose Deutsche in unsexe Lügennetze zu verstricken." Roland von Berlin 12. 1. 22. „Es ist noch wenig bekannt, daß in Berlin ein Verband nationaldeutscher Juden gegründet worden ist, der (folgt Auszug aus unserer Satzunx) .... Unterirdische Strömungen, von Sehnsucht noch besserem gespeist, wollen , an's Licht. Mög« es ihnen gelingen, die schweren trägen Erdmasten der Mißverständnisse, der Selbstsucht und der Böswilligkeit zu durchbrech n!" Allgemeine Zeituug de» Indent»», 20. 1. 22. Längerer Aufsatz von Arbms Schach „Nationaldeutsche Juden". Die üblichen zwischenschichtlichen Dedankengänge mit linkspolitischem Einschlag, aber im Gegensatz zu ähnlichen Veröffentlichungen ruhig und sachlich geschrieben. Stichproben: „Fremde? Den Begriff kennt der religiös und geschichtlich empfindende Jude gar nicht" .... „Bleibt als Paradestnck nur der Kampf gegen den Zionismus übrig, und der ist im gegenwärtigen Moment nicht nur ungerecht, sondern — was politisch schlimmer ist. — töricht." .... „Der Verband scheint, nach der letzten Versammlung zu schließen, mit einem Fuß in der Deutschnationalen Volkspartei und mit dem anderen in der Deutschen Volkspartei zu stehen." Der (rote) Tag (Parteilos) 22. ll. 22. Aufsatz von Max Naumann ^.Nationaldeutsch und Jüdischnational." Erwiderung auf den Aufsatz des Regierungsrats Goslar..Wer so empfindet wie Herr Goslar, für wen religiöses und nationales Judentum so völlig ineinanderfließen.dem kann man nur recht geben, wenn er sagt, für ihn sei .„Judentum"" etwas anderes , als für mich. Ich muß Heirn Goslar ferner recht geben, z wenn 'er die Ansicht ausspri, ht. daß aus dem Sinn heraus, den man dem Wort „,,Ju )entum"" beilegt, vieles erst begreiflich wird, was an Mißverständnissen und von mancher Seite auch an Eesiäsfigkeiten in die Erörterung hineingetragen worden ist. j Gerade diesen Gedanken, daß es der von dem mehrdeutigen Wort „„Judentum"" ausgehende Wortzwang ist. d«r bei Juden und Nichtjuden immer wieder gefährliche Verwirrung erzeugt, habe ich in meiner Schrift „„Vom mosaischen und nichtmosaischen Juden"" bis zur letzten Folgerung durchzuführen versucht, und daß diese letzte Folgerung auch manchen im Grunde seines Wesens rein deutsch fühlenden Juden erschreckt hat, ist der schlagende Beweis dafür, welche Gewalt dem Wort« über uns gegeben ist. Eben deshalb habe ich — als Notbehelf — vorgeschlagen, mit dem Wort „.Judentum"" in Zukunft nur das zu bezeichnen, was auch Herr Goslar darunter versteht, nämlich diejenige Gefühlssphäre, in der Stammesgefühl und ein roch heute von dem Gedanken einer religiösen Weltmisfon durchtränktes Eottesempfinden in einander aufgehen, während ich für die vom jiidischnationalen Nährboden losgelösten, aus dem Judentum abgeleiteten Former des rein geistigen Monotheismus das Behelfswort „„mosaisch"" als Bezeichnung empfohlen habe." .Wir nationaldeutschen Juden nehmen für uns in Anspruch, daß wir nicht weniger deutsch empfinden, als der Dichter Börries v. Münchhausen. Und darum ve sagen auch wir nicht unsere Sympathie den echten und konsequenten Zionisten. Nicht den begeisterten jungen Menschen, die im Schweiße ihres Angesichts ihre in jahrtc asendlanger Ghettöknechtschaft schwachgezüchteten Körpei zu harter Bauernarbeit zwingen, um einmal im „„Lande Israels"" sich und gleichfühlenden Genossen eine nationale Heimstätte schaffen zu