Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1922
- Issue
- 2 (Februar 1922)
- Date
- 1922-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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zum Mitteilungsblatt d eilage , :s Verbiandcs nationaldmtscher Juden e. V. Geschäftsstelle: Berlin W ZH Blumeshof 9 Jahrgang 1922. Nr. 2 Unter Könisten. " Es war, äußerlich gesehen, ungefähr das bleiche Bild, wiir wenn Meister Nikisch da» mufikftohe Berlin in! ie Phflharmoni! zusammenrust. Der groß« Saal fast zum Bre hen voll. Ran> und Logen, die Orchesterrampe bis hinauf zu de»> höchsten Bäni en dicht tefetzt, kaum irgendwo eine Lücke in den Si eihen, die Gä> g! jeden Augenblick von lleberflutnng bedroht, und draußen nit> ein heftiges Parlamentieren Mit den Türschließern, die, «011 Ordnern unterstützt, auch den >heftigsten Ungestüm abwehrt;r, wenn er nicht durch eine vollwertige Eintrittskarte legiti miert war. Aber diese Ordner trugen blau-weiße klrmbinlen^ u!nd drinnen schwang diesen Abend nicht die Göttin d:r Musik das Ecepter. Die Begeisterung für eine Idee hatte diese Tckusend« von Menschen hier vereinigt, für Zion, für den jüdische , Staat. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Piofessor Dr. Thajim Weizmann sollte gefeiert werden, ur> unverkennbar war die Versammlung von v>mrhereii in der Stimmung, daß auch der anspruchsvollste Volksführer ruf sei»! Kosten gekommen wäre, sofern sein Sinn auf i ußeren Triumpl, auf geräuschvolle Ovationen gerichtet war. Der Leiter der Versammlung hatte kaum den Mund geöffnet, als schon njit de , Händen geklatscht wurde, daß der Saal erbeb e, und <r körnt: seine wenigen einleitenden Sätze sozusagen nur tro ifenwe s: zu Gehör bringen. Wesentlich ruhiger wurde es erst, als H«rc Dr. Rosenblüth in seiner Eigenschaft als Vorrtzender der Zionistischen Vereinigung für Deutschland den Ehrengast des Aden), zunächst in hebräischer Sprache begrüjte. Die inner: Begeisterung der Hörer schlug sofort in respe tvolles Staun-n um; je weniger der Redner verstanden wurte, desto aufmeik samer bemühte man sich zu scheinen, bis der l ebergang zu d:n wohlverlrauten Klängen der deutschen Spr ich« die Erlösu i>l brachte. Nun konnte der Ruhm Ehajim Weizm anns, seine we s: Diplomatie, mit der in den schwierigsten Zetter des Weltkrieg:: die Sache des Zionismus zum Siege geführt wurde, mit stark :» Worten gepriesen werden, und als danach dir also Gefeiert selber an das Rednerpult herantrat, flammte her Saal fürmlfä auf in Jubel und Begeisterung. Der erste Eindruck ist: Lenin. So ungefähr muß, wenigstes, nach den oft gesehenen Bildern zu urteilen, d«r neue Herrsch:i aller Reußen aussehen. Ein ausdrucksvoller dunkler Kopf a, mittelgroßem, schlanken Körper. Gewiß kein« i iersönlichkeit, di, unmittelbar, schon durch ihre bloße Erscheinung die Aufmerksam keit auf sich zieht; aber sowie er zu sprechen beginnt, geht dock eine ungewöhnliche Anziehungskraft von ihm au». Wenn je, jüdische» Temperament in seinen Adern hat, m iß er es meist ltch zu bändigen. Keine Redeblüten, kein berauschendes Path, Schlicht und eindringlich, nur der Sache hing« zeberr, erzählt e, von Arbeit und Kämpfen um Zion, schildert er sie gegenwärtig« Lage in.Palästina, die Fortschritte der letzten Zeit, die ung heuren Schwierigkeiten, die man vor sich habe. „Jeder Weg lr Palästina ist mit Steinen übersät, und unsei« Arbeit besteh: darin, sie fortzuräumen." Geduld predigt er. immer wieder duld — aber endlos lange könne Zion aus srine Juden auch nicht warfen. D*e östlich« Hälft« unseres Wilkes — „ich wfll nicht sagen» daß es die bessere sei" — liegt in Trümmern; uhi so mehr »nutz der L^tn an Menschen, an k ieelenkrLften, Mitteln hergetM, auf daß da» große Werk ge tilge. Bon „ui seren sieben Freunden", den russischen Zionisten! hofft Dp. W« mann, daß sie nur trmporär in Deutschland eine Heimstätte g! funden haben möchten, und vondendeutschenZioniste«. insbesondere von ihrer Jugend verlangt er, daß sie von der Fülle ihrer Intelligenz, von der Füll» ihrer Be.geisterungsfähigkeit für große Ziele Palästina speisen und sättigen werden, Vis der Wiederaufbau des Landes der Bäcker gesichert sei. Unsere ganz!« Arbeit, unsere ganze Seele gehöre diese« Lan d e. Di« deutschen Indem sollten an dq» zürnend« Auge Gotte» denken, das über ihnen wacht, 's und ihre Pslicht tun. / Das war alles. Viel« hatten offenbar mehr erwartet, den» man sah mancherlei enttäuschte Gesichter. Ohne daß man «ft wußte, ob noch etwas konpnen werde oder nicht, löste sich dje Versammlung sozusagen von selbst auf. unter den Klänge», des Bundeslicdes, das von den vorderen Reihen, um einen gar zu nüchternen Ausklang zu vermeiden, unsicher genug angestimlcht wurde. Wer konnte, suchte am Vorstandstisch vorbeizudefilieren, um den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation aus dir Nähe zu bewijndern. Den Mann, der hier über di« deut> schenJuden verfügt hatte, als hätten sie i Deutschland, das für viele von ihnen schon seit Gerwra onen das Land der Väter geworden ist, gar keine Pfli ten, als gehörten sie samt und sonder« mit Herz und mit dem Zionismus, als kümmerte sie nur der Wiederaufbcku Palä nas und nicht der Wiederaufbau des deutschen Vaterland als umschlänge sie wirklich ein Band der Gesinnungs- und der Arbeitsgemeinschaft mit den „lieben russischen Brüdern", während diedeu 1 schen Volksgenossen sie garnichts angingen. Mehr noch: als verbände die jüdische Jugend in Deutschland kei rietet Gemeinsamkeit mit ihren, jüdischen V S^ r n, mit ihren jüdische« Müttern hier zu Hause, als verstände es sich von selbst, daß sie" ihr ganzes Fühlen und Denken, all ihr Tun und Lasse« auf Palästina einzustellen hätten — und wenn sie hier in Deutchland über Leichen gehen müßten. Sie gehen über Leichen, ich weißes, und Herr Dr. Wxizmann und die Seinen ermuntern sie darin, ohne Scheu vor dem zürnenden Auge Gottes! Ob es noch möglich ist. dieser Bewegung im deutschen Judentum Einhalt zu gebieten, wird die Erfahrung der nächsten Jahre zeigen. Sie müßte, so bewunderungswürdig die Schwungkraft ist, die sie durchgliihf, schon um deswillen zu Grunde gehen, weil ihr der Zweck alle Mittel heiligt, auch dieunjüdtschsten. Diese Erkenntnis muß uns nationäldeutschen Juden ein Trost und ein Anspor« sein in dem Kampf für das dentsche Judentum, zu dem wir uns zusammengeschlossen haben. ' SB. Aussprache mit Akademikern. Eine Versammlung mit dieser Tagesordnung fand am 22. Januar d. I. im Herrenhause statt. Eingeladen wann außer unseren Berliner Mitgliedern nur jüdische Akademiker:, Angehörige Paritätischer Korporationen und Vertreter der Presse. Das Referat hielt unser Vorstandsmitglied Sanitätsrat vr Peyser über das Thema „Grundsätze und Methöden des Verbandes unddie akademisch«? Z u g e n d". ' In eingehender, wissenschaftlich vertiefter und häufig durch humorvolle Bemerkungen gewürzter Red« legte er dar, warum unser Verband auch innerhalb der akademischen Jugend zur Lleberbrückung der! ' -