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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-02-01 · 2 (Februar 1922) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
2 (Februar 1922)
Date
1922-02-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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'S Bedarf» de» Herrn Carl Ersfeld w>llen können vir die ')iet wendigkeit irgendwelcher Tatsachenfälschiingen u imöglicb z» geben. i Im übrigen darf wohl auch Herrn Earl Eisfeld die Frage vorgelegt werdenwaruin denn eigentlich jeman >, dessen po luische Entwicklung von links nach rechts gega >gen ist, sich mit Schande bedeckt fühlen soll, während di; »üia-sii'rte EnNvicklung, die seiner Partei die angenehme Gefolgschaft der Novemdersozialisten > eingetragen hat, »nit vei/ali uns Armtern und Ehren belohnt worden ist« Er mr ges riachlr en,- was sein Genosse Nooke, sozialdemhkratische Llberpräsident von Hannover, in diesen Tagen jerst in Marburg gesagt hat: Wenn die Sozialdemokraten angesichts de: Bedrohung Deutschlands durch die Siegerstaalen nicht vefstünlti', einen vaterländischen Ton! an zuschlagen liefen die Leute nach rechts weg. Hier hat Herr Earl Gis selb den wahren Grund für die Rcchtetmwicklu ig im d» ritschen Volk, hier die tiefste Ursache für! die »Reiktion", njr der er die Gründung des Verbandes nationaldeu scher Ju>e„ in Juhammrnhang bringt. Noske .sicht wohl doch etwas weiter als bloße Gewerkschaftsmänner und Geschäftsführer gewöhnlichen Schlages. Sicher ist er auch au richtiger im Aussprrchen dessen, was ist, als die ungeheure Mehrzahl der sozialdemokratischen Agitatoren, die sich von den einmal er lernten Schlagwotten der Partcischrrle ihr ganzer Leben lang nicht mehr frei machen können. Nur sollen sie diesen allzu engen Maßstab nicht an Vorgänge anlegen, die mit der sozialdemokratischen Partei als solcher herzlich wrnig zu fun baden. Am meisten besorgt zeigt sich aber Herr Lieseld, njach dem Ausmaß seiner Polemik zu urteilen, um die ,Gefäbr lichkeit" unseres Verbandes; iihr ist nahezu die Ha der Flugschrift gewidmet. Um so kürzer können wir r mit ihr abfinden. Auch.dieser Abschnitt wimmcl' von Unter stellungen gegen unsere Gründung und inc besondere gej>en Naumann. Der Verfasser pflanzt das Banner '^Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit auf, unter dessen Schutz sich die Juden in Deutschland geborgen fühlen dürft m, trotz Nr wachsenden antisemitischen Strömungen in alle r Echich en dev Volkes. Die Gründung unseres, Verband, s sei a »er eher dazu angetan, die Judenfeindschaft auch in di« Reisen der Arbeiter hineinzutragen, als diese vor den anliscinitiscs en Umwerbungen und Umschmeichlungen bewahre» zu helfm. Der Zentralverein sei fortan genötigt, nach jwe Seiten zu kämpfen, statt scin< ganze Kraft gegen die christlichen A> lisemiten einzusetzen. Ihnen lieferten wir jüdischen Antisemi en wertvolle Waffen gegen das Judentum, und die Arbeiter würdenwenn sie sähen, daß di« Judenheit reoktchnär zeworden sei, es fernerhin ablehnen, für uns re Gleich! »erechtigu ag zu kämpfen. Daß Herr Earl Eisfeld hier die deutsche Arbeiterschaft schlechtweg mit der Sozialdemokratie identifizirrt, soll nur im Vorübergehen kurz g.strein werden. Bei aller Ausdehnung, die seine Partei in den letzten Jahre» gswonr en hat, steht ihr noch lange nicht das Recht zu, die Gesamtheit der deutschen Arbeiterschaft für, sich in Anspruch zu nehm n, insbesondere werden die dem Zentrum nahestehendetz Kreise der Arbeiterschaft es bestimmt ablehnrn, wie in anderen Dingen so in der hier erörterten Frage /ich ihre polnische Haltung von den Sozialisten vorschreiben zu l isten. Und was den Aentralverein betrifft, so scheint Herr Likfeld trotz eifriger Vertiefung in die Schriften unseres Ve-ba ndeh im»rer noch nicht zu wissen, daß wir dessen Abwehrtätigkeit zrm großen Teil durchaus anerkennen und daß wir es mit Nr Gründung des Verbandes nationaldeutscher Judm lediglich auf eine Ergänzung dieser Tätigkeit abgesehen heben. Dns, was wir wollen, kann auch garnicht so furchtbar abstoßend sein, wie Herr Eisfeld es darstellt, denn' von Seiten des Zentralvereinö wird ja ein über das ander« Mil verfichtrt, daß unsere Ziel« von ihm schon seit Jahren verfr lgt würd r», daß also unsere Gründung überflüssig sei; worin wir ihm allerdings nicht zustimmen können. Aber zwischen üherflüs ig »int würdelos oder zwecklos odeL-gefährlich besteht doch wohl ein kleiner Unterschied, und wenn der Aentralverein inzwischen seine Ansicht geändert haben und wenn er sich mit den, Verfasser dieser Flugschrift in der Besorgnis begegnen sollte, daß mssere Verdandsgründlrng die deutschs Arbeiterschaft eher ««, Antisemitismus in die Arme »eibenals sie zur Verteidigung der Rechte der Juden gezeigt machen könnte, so braucht Himgegenüber nur auf das verwiesen zü werden, was E r i ch^K ö h r e r,-f ein Parteigenosse Eisfelds; in dem vorstehenden Artikel »Sozialdemokrat und National^ deutscher" ausgeflthrt hat. Uns will freilich scheinen, ach wem, eine ganze Welt zwischen diesen beiden Vertretern der Sozialdemokratie läge. Herr Eisfeld ist Erich Köhrer zweifellos in, Gebrauch handfester, in langer Übung »bestens bewährter" Schlagworte überlegen. Der geistige Abstand von ihm zu Erich Köhrer rst aber unverkennbar, wie auch vois. ihn» zu August W i n n i g, der der Gruppe der nationalt' deutschen Juden im vorigen Jahre bescheinigte, daß sie eigen» iich schon immer dagewesen sei. E r faßte damals Naumanns Gedanken in folgende Worte zusammen: »Ich bin ein Jude und schäme mich dessen nicht, aber jch schäme mich der Juden, die es nicht sein wollen. Doch das Schicksal hat mich in das deutsch« Volk geführt, ich teile mit allen Bewohnern dieses Landes die Kultur, die hier erwachsen ist, ich 'teile mit! ihnen das politische und wirtschaftliche Schicksal. Dadurch bin ich mit ihnen in Glück und Unglück ver-- bunden: Die Nation ist nicht , eine Stammesgemeim schaft, sondern eine Schicksalvgemeinschaft. ^So bin ich ein Teil der deutscher, Nation, so will ich mitihr leben und kämpfen." ' - Mil diesen Sätzen, zu depen sich Naumann wie alle Mitglieder des Verbandes nationaldeutscher Juden heute wie ehemals bekennen, vergleiche man das Zerrbild, das Herr Earl Eisfeld vom WHen und von den Zielen des Verbandes nationaldeutscher Indens entworfen hat. Dann wird man ohne weiteres begreifen, auf'welcher Seite hier mit reinen »nd auf welcher mit vergifteten Waffen gekämpft wird. III.! Nachwort. ' Von Dr. Max Naumann. Als dem von Herrn Eisfeld persönlich Angegriffenen und als einem Manne, der parteipolitisch zwischen den beii, den „Vorrednern" steht, sei mir zu deren Ausführungen ein. Schlußwort verstattet. Die beiden vorhergehenden Artikel zeigen, daß man von den Standpunkten ganz verschiedener politischer Parteien ausgchcn und sich doch auf dem Boden! des deutschen Nationalgefühls begegnen kann. Es gehört« dazu nichts, als das nötige Maß von Einsicht und Mut,! die Fesseln des Wortzwanges abzuschütteln, der auch hier wieder der Vater aller Hindernisse ist. „Nationalismus" einerseits und „Mangel an Nationalgefühl" andererseits, j das sind die öden und irreleitendcn Schlagwort«, durch die sich auch heute noch viele gute Deutsche blenden lassen, sodah sie den Weg zu eintrnder, den Weg . zu wahrer, aufbauender Volksgemeinschaft nicht finden. Änd wenn unser Verband ein p o l i t i s ch c s Ziel verfolgt, ist!es nur das, auch in dieser Hinsicht den Wortschutt beiseite zu räumen. Es sei mir erlaubt, hierher zu setzen, waS ich im April 192l, unmittelbar nach per Gründung unseres Verbandes, in der sozialistischen Zeitschrift „Der Firn" schrieb (Nationalismus, Nationalqefühl und nakionaldeutsch« Juden; Heft 15. 1921). — Wir wissen wohl, daß cs Politiker gibt, die schnell bei der Hand find, jedem „Mangel an Nativnalgefiihl" vorzuwerfcn, der Nicht in Allem und Jedem mit ihnen geht. Aber genau so verwerflich und geistlos, wie diese, Mißbrauch des Worte» „Nationalgefühl", ist die Anwendung des Wortes! „Nationalismus" auf jeden, der sich von dem Zusammenhang mit der deutschen Heimaterde nicht so geflissentlich losgelöst hat, wie die sogenann- ( i

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