Mannheim
Compact Memory

Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-02-01 · 2 (Februar 1922) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
2 (Februar 1922)
Date
1922-02-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/5438908-5438616-5438740--069-4871065
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

^uiaminenl ang emmat gl«chbedeut«w wird mtt »deutschnational" »n Pannsinn^ dann muß man um so mehr dafür Sorge tragen, daß dis politisch linksgerichteten Juden, die sich dem nationalen Streben des Verbandes innerlich venvandt fühlen, ihre Zurückhaltung überwinden und ein treten. Nichts scheint mir in diesem Falle wieder einmal gefährlicher als die Äbstinenzpolitik, die leider von sozial! demokratischer, Seite in den letzten Jahren wiederholt so falhh angebracht worden ist. > Sozialdemokrat sein heißt bestimmte wirtschaftliche und; kulturelle Anschauungen verfechten und ihre Verwirklichung ci streben. Sie haben mit dem Vatcrlandegefühl an sich nicht das Geringste zu tun. Das größte Unglück -«»Deutschen war immer, rpß jeder den andern, der eine andere politische Meinung Hangar öinen Vaterlandsverräter und unnationalen Menschen erklärte. Der wahrhaft vaterländische Deutsche,-aber, welchen Stammes er auch ist, wird erkennen und zugestehen, daß man sein Vaterland lieben kann, auch wenn man in Bezug auf seine inneren Einrichtungen andere Sehnsüchte hat, als dieser oder jener. Tarn,?» ist es verbrecherisch, wenn man aus Rücksicht ans die politische Überzeugung irgend wen, das Nationalgefühl abspricht. Darum ist es ab« > auch unsagbar töricht, wenn die Sozialistische Korrespondenz! inrint, daß man mit Rückficht auf irgend eine politische Überzeugung (diesmal die sozialistische!) nicht Mitglied eines nationalen Verbandes sein könne. In überlieferten Anschauungen mag freilich die SoziK! oemokraliie einen gewichtigen Grund gegen den Verband! finden: vom Standpunkt der Internationale, der aber eie! tacto völlig aufgegeben ist, wäre cs durchaus gleichgültig, j wer in einem Land regiert. Ich bin aber überzeugt, wepn heute ein Franzose, und wäre es Thomas, oder ein' Belgier,' und wäre cs Vandcrveldc, oder ein Spanier oder ei» Chinese deutsche Stcalkämicr bcklciden srllde, würde die Sozialcemokratie sich genau so dagegen wehren, wie alle anderen Pärkeicn, weil eben,, vielleicht manchmal noch unbeivußl, das Nationalgcfül'l bei ihr längst stärker geworden ist als das cer internationalen Zusammengehörigkeit. Vom Standpunkt ter Internationale aus könnte also die Sozialdemokratie _ wohl von einer jüdischen Einheitsfront sprechen und sich dagegen wenden, daß -innerhalb der deutschen Juden eine Scheidung nach der nationalen Zugehörigkeit erfolgen soll. Innerlich national! wie die deutsche Sozialdemokratie längst geworden ist, kann sie ernsthaft cs nicht ablehnen, zu begreifen, daß und warum diese Scheidung sich vollzieht, sich mir Naturnotwendigkeit eines Tages vollziehen maßte. Die Sozialdemokratie, dieKautekn gewiß nicht zun, Unleisiaatssekretär gemacht hätte, wenn er nicht vorher seine tschechische Staatsangehörigkeit abgelegt und sich zum Deutschtum bekannt hauehat keinen Anlaß. .«, e Bewegung der deutschen Juten zu bekämpfen, die auch nur diejenigen jüdischen Deutschen sammeln will, die sich-tief innerlich und ' schrankenlos zum Deutschtum bekennen, ganz unbeschadet! ihrer parteipolitische» Stellungnahme zum Ausbau der! deutsche» Heimat, — eine Bewegung, die ganz gewiß fr« ist von aller Gehässigkeit und denunziatorischen Neigung gegen die Juden, die sich diesem Bekenntnis nicht anschließen, die aber für sich das Recht in Anspruch nimmt, sich so laut zu I Deutschland zu bekennen, wie es dem Empfinden ihrer Ange hörigen entspricht. II. Eine Flugschrift gegen den Verband nationaldeutscher Juden. Von Dr. S. Breslauer. Unerwartet rasch hat unser Verband, es zu Ehren und Ansehen gebracht. Zu den vielen offenen und versteckten Angriffen, die seine Gegner schon in der.kurzen I«t seines Bestehens gegen ihn gerichtet haben, gesellt sich heute eine nicht eines, reaktionären offenbar immer noch an Schon damit allein darf der Perbandsgründung veritable Broschüre, eine leib hastige Flugschrift von dreißig Druckseiten Umfang. Verfaßt von einem Herrn Carl Eisfeld in .Hagen, der in dein beigegebenen Waschzettel des Verlages als Nichtjude, praktischer Gewerkschaftler und Geschäftsführer eines Aeitungsverlages bezeichnet wird. Die Flugschrift ist auch in eben dieser Buchhandlung der sozialdemokratischen Neuen Freien Presse in Hagen verlegt und nicht in der Lindenstraße lZ in Berlin, wo sie, als ein glühendes Plädoyer für den Zfntralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, mildesten? gleiches Heimatrecht genießen könnte. H«r Eisfelc betitelt sie: »Jüdischer Antisemitismus und Arbeiterschaft" und bemüht ffch um den, Nachweis, daß die Gründung des Verbandes > nationaldeutscher.Juden einmal würdelos, zweitens zwecklos und vor allen Dingen gefährlich sei. Der Verfasser behauptet, fast zwei Jahrzehnte zum Teil aij führender örtliche? Stelle in der Gewerkschaftsbewegung gestanden zu haben, >was ihn jedoch nicht vor der kläglichen Entgleisung geschützt hat, schon auf Seite 5 sein« Broschüre . mit toternster Miene das berühmte Knüppellied, gegen Rathenau und Wirth!ins Gefecht zu führen, das längst als ein schlechter Spaß irgendeines süddeutschen Sozialistenblattes — und Hakenkreuzlers, wie Herr Eies ld nimmt, festgestellt worden ist. uns die »Würdelosigkeit" als abgetan gelten, zumal es wirklich keine neue Erfindung mehr ist, wenn gesagt wird, Pas Programm unseres Ver bandes stimme grundsätzlich m!it dem Programm des christlichen Antisemitismus übereilt. Eisfelds abgeschmackte Polemik in diesem Punkt steht ganz auf der Höhe anderer sozialdemokratischer Vorbilder, die wahrlich nicht dazu beigetragen haben, die politische Luft in Deutschland zu verbessern. Folgt die »Zwecklosigkeit" der Gründung des Verbandes nationaldeutschcr Jilrdcn, die abermals mit aller Hand' Zitaten aus gegnerischen Blättern bewiesen werden soll. Uin sie herumgruppiert die längst bekannten Argumente, daß wir ein Stoßtrupp der Reaktion seien, daß wir den Wunsch hätten, ein paar geltkräftige Ktznzessionsschulzen in die Deutsche Volkepartei ausgenommen wu sehen, und ähckliche »Geistreichigkeitcn" mehr. Neu ist allenfalls die Entdeckung, daß die Seele der' Naumann'schen .Gründung im — Berliner Lokal-Anzeiger zu suchen sei, dcsscn politischer Chefredakteur die Notwendigkeit empfunden habe, seine frühere Zugehörigkeit zur Sozialdemokratie jetzt, nach dem. Kriege, durch doppelten nationalistischen Eifer vergessen zu. machen. Wie der politische Chefredakteur des Lokal-Anzeigers zu Naumann gekommen ist, kann Herrn Eisfeld, wenn ihn diese Frage wirklich so brennend interessiert, gern einmal abseits der Deffentlichkcit, die sie nichts angeht, erzählt werden; nennenswertes journalistisches Kapital wird sich freilich aus dies«» Alltagserlebnio nicht Herausschlägen lassen. Wenn Herr Eisfeld aber die Lüge von der frül'errn Zugehörigkeit dieses Mannes zur Sozialdemokratie weiter verbreitet —- aufgebracht hat sie das »Berliner Tageblatt" — so beweist er damit, daß seine Zitierkunst doch now recht verbesserungefähig ist. Denn das gleiche Blatt, bas si Tageekampf bediente, ist gez zurückzunchmen. Und der doppe heit: nationale Eifer nach Fall keinen anderen Grund als Erkenntnis nämlich, daß die Furt! hereingtbrochencn Unglücks wir! gewöhnlichen Eifer ruhiger uf gesicherter Friedenszeiten hingenomme« werden darf, daß vielmehr aller Eifer und alle Anstrengungen jedes guten Deutschen verdoppelt, nein: verzehnfacht werden müssen, wenn wir uns jemals von der Katastrophe dieser Kriegs- und Revolutionvjahre wieder erholen sollen. Ein schlichter Tatbestand, gewiß, ganz und gar ungeeignet als Unterlage für parteipolitische Räubergeschichten; aber siebst um de» pelemischen Ich dieser Lüge im politischen ungen worden, sie wieder ste »nationalistische", in Wahr dem Kriege hat in dies«» in so vielen anderen: in der jstbarkeit des über Deutschland Aich nicht mehr mit dem grab politisch wie wirtschaftlich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.