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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-02-01 · 2 (Februar 1922) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
2 (Februar 1922)
Date
1922-02-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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l! zum Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldkutfcherLudm r. V. Geschäftsstelle: Berlin Wz;, Blumeishof 9. Jahrgang 1922. Nr. 2 Dil Sozialdemokratie und der Verband Sozialdemokrat und Nittjono ldeutsch Von Erich Köhrer. Vorbemerkung: Die Dezember-Versammlung de» Verbandes nationaldmts-ji'aligischtr Schrifrst-Ner, ist (as» Dissibrnij » Mitglied unsere» Verbinde». na 'wnaldeutfcher Juden. Der Vers iffer, ein b. kar r. rter cht i-at scher Juden mit ihrem lauten Echo ir der Oe fentlichkeit zuerst einmal Anlaß gegeben, daß auch die sozialdemokratische Tagespresse sich mit dem Verband und seinen Zillen beschäftigt hat. Bisher war der Namen des Verbandes nur in einigen sozialistischen Keilschriften genannt worden, die "ich bemühen, nicht ganz im Tageslärm der part Apolitischen »reigniffe unterzutauchen. Nun aber! haj dir »Vorwä e' wiederholt Stellung genommen, npn hat di, .Sozialist che Korrespondenz' sich mit dem Perband b-schäftigt. Der .Vorwärts' ist sachlich geblieben, er>hat den Verband n cht gerade Liebe bekundet, aber er versteht zweiftlloq den ^iirn der Bewegung. Diei .Sozialistische Korr^spcndenz' schligt in ihrem, von einigen Provinzblättern auch getreu nach gedrückten, Leitartikel mit allen Dreschflegeln drein, die ihr zur Verfügung stehen, und erweist sich, da ic> bewußte Fälschungen bei ihr schon aus Gründen der Pa teizugehöri s eit für ausgeschlossen halte, als so falsch oder zarnichk uh errichtet, daß man den Todsuchteanfall nur komisch nehmen ka m. Immerhin wird es allmählich Zeit, vor der Ocffentlichi eit die Frage zu klären, ob ehrliche und überzeugte Sozialdemokraten Mitglieder des Verbandes sein können. Diese Klärung erscheint nach beiden Seite» bin notwendig, si ch rechts wie nach links. In einer frisseren Ansammlung tes Verbandes gab ein Mitglied seinem Zweifel Ausdrucks ob ein Verband mit dem Wort »nation. l' im Namen Solzissdemokraten aufnebmen könne, n der »Sozialistischen Korrespondenz' klingt das ganze Ent etzen darüber auf, diß Sozialdemokraten geneigt sein könnten, in ein:n solchen Verband einzutreten. Die Elefanten aus' beiden Seiten können es garnicht eilig genug haben, den Porzcllai laden zu z;rtäpprrn, ehe vernünftige, ernsthafte Käufer ei itreien könmn. Ich muß freilich sagen, daß die Diskussion nach «ssts mir nicht sehr reizvoll erscheint. Ich habe in Ostpreußen zur Abstimmung die westfälischen Arbeiter all r sozialistischen Richtungen, auch die Kommunisten, mit schi oarz-weiß-rolen Fahnen und dem Deutschlandlied abstimmin sehen! j 5ch habe erlebt, wie in Oberschlesien, während zahlreiche b deutschnationale Magnaten und Industrielle zu den übergingen, die gesamte Arbeiterschaft, wieder ssler drei tungen, allein den Kampf gegen den polnischen L wagte! Ich weiß, daß in Wiesbaden, als Herr Dortei Jahre 1919 die Rheinische Republik auerief und erhebliche Wirtschaftskreise mit ihm liebäugelten, ein Generalstreik lrr Arbeiter dcn Hochverrat abwürgte! Und iü» habe vch «in paar Wochen im Rheinland, als man am Dezemher in Aachen die Rheinische Republik auerufen wo lte, Studenlm mit Arbeitern der S.P.D und ll.S.P.O. gesneinsam die W cht in allen öffentlichen Gebäuden halten sehen! Den Eisen tirnigen, die es heute noch wagen, Sozialteiyokraten als soll jeu nationales Gefühl abzusprechen, das Nationalgefühl als -a» besondere Vorrecht rrgend einer Partei zu erklären, ist nit Gründen der Vernunft nicht beizukommen Dor lach' ick ö »er! Wohl aber ist es iisimer noch nötig und lohnend, -as Vorurteil zu bekämpfen, das gerade infolge dieses Verl-alt ms gewisser Schichten sich in sozialistischen Kreisen noch erhalten hat und das jede Verbindung mi>- dem Wort .nation il' als verdächtig ansieht. Es steht ähnlich mit dem Wi rte, .Vaterland'. Durch die Vaterlandspartei ist es suspekt geworden, und wenn man in einer Volksversammlung es gebraucht, gibt es Unruhe. Wenn ich von der Heimat spreche, find die gleichen Zuhörer leicht gerührt und ergriffen. Aber Vorurteile müssen bekämpft werden, ^,an darf n cht feige vor ihnen die Waffen strecken. Wenn die Sozia dcmokratie nicht ihre Scheu vor dem Wort .national' anfgibt, nachdem sie längst so manche nationale Tat geleitet hat, gibt sie ja den Leuten Recht, die den Begriff für ich und ihresgleichen allein in Anspruch nehmen. Gewiß, cs gibt in den Nöten des Reich s andere, wichtigere Sorten für uns, als darum zu streiten, wer sich national nentzen darf und wer nicht. Aber jedenfalls sotten und dürfen uns auch (und grade) als Sozialdemokraten^ das in wußtsein tragen: Ich bin ein national empfindender Mensch! Wie die Bolschewisten den Marxismus und sein Wo. t yon der Diktatur des Proletariats durch eine Fälschung des Begriff« »Proletariat' verdrehen, so mißversteht derjenige Sozialdemokrat den Begriff der Internationale, der meint, daß er nicht mit nationalen! Gefühl vertrage. Man Kanu eftl überzeugter Anhänger der Internationale sein, trotzdem kann das Primäre das Gefühl für die eig« Nation sein. Hier erkennen wir schon, wie sehr sich bei dies^Mnffassi der Jude sind der Sozialdemokrat nähern. So kann MÜN sich durchaus als Jude fühlen, wenn nur das Primäre - das Gewhl für das deutsche Volk ist! Die« Beiden gemeinsame Gefühl ist die Grundlage dafür, daß der deutsche Sozialdemokrat unserer Zeit, wenn er Zufällig jüdischen Stammes ist und aus Gründen, die seine Privatsache sind, am jüdischen.Glauben festhalt, Mitglied des Verbandes nationaldeutscher Juden nicht nur sein Kars«, sondern zwingend sein muß. Sicher wird es nicht an Versuchen fehlen, das Wort .national' im Namen des Verbandes ' als eine Rubrizierung nach rechts hinzustellen, und auetünutzen, sicherlich wird bei der Bedeutung, die das Wort lin den Kreisen der innerpolitischen Rechten äußerlich gewonnen hat, der Zustrom der Mitglieder aüs desi Schichten her. jüdischen Angehörigen dieser Parteien stärker sein, als von links, wo man sich beinahe scheut, unter eine Flagge mit solcher Inschrift zu treten. Aber gerade wenn inan erreichen will, daß das Wort seinen reinen, idealen Gehalt behält, wenn man verhindern will, daß .nationaldeutsch' in diessm

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