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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-02-01 · 2 (Februar 1922) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
2 (Februar 1922)
Date
1922-02-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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Kritik des Lenttqlvmins. Map nehme diesen Titel in seiner doppelten Bedeutung: Ueber die Art, wie der Centralverein deutschcr Staatsbürger jüdischen Glaubens Kritik übt, soll gesprochen und gleichzeitig diese kritisiert, werden. Al o Kritik an der Kritik, Antikritik. Eine Vorbemerkung: Bisher bin ich immer dafi r eingetreten, Debatten mit dem C. V. abzubauen, und glaubte, nachdem einige seiner Funktionäre schon d e Kurzsichtigkeit gehabt hatten, wertvolle jüdische Kräf e nicht rechtzeitig zu erkennen, ja von vornherein zurüc!- zustoßen, werde man nicht auch noch die llnklugheit b - gehen, sich durch allzu eifervolles Polemisieren blo >- zustellen. Ich habe mich getäuscht. Augenscheinlich ve:- mögen die von mir hochgeschätzten besonnenen Männer, die in der Leitung und<den Ortsgruppen dieser verdienstvollen Vereinigung Mitarbeiten, sich noch nicht durchzusetzen. Zungenfertige Schlagwortwechsler b:- halten zunächst das Wort, mit wenigen Ausnahmen, j u denen ich die Ausführungen von Brodnitz rechne, wie sie,in den Blättern der jüdischen Reformgemeinde aigedruckt sind. Da bleibt denn nichts übrig, als-schwell n Herzens! — zur energischen Verteidigung zu schreite li. Daß der T. V. am Verband nationaldeutsch:! Juden sowie an den Veröffentlichungen seines Gründe:s nicht worttos rorbeigehtj ist selbstverständlich. Düs E egenteil wäre beleidigend. Widerspruch aber fordert . die Art usnd Weise heraus. Nicht daß man kämpst, sondern w i e man es tut.- Ein Herr Alfred Hirschberg z. B. schaltet in dbr ..Zeilschauf' (Im Deutschen Reich 1922 Nr. 1/2 S. 3?) folgende Mießbachiade zwischen zwei Abschnitte ein, die sich mtit antisemitischen Vorgängen in der deutshnationaleu Volkspartei beschäftigen: ..... der schavfe Trennungsschnitt wird, so hoffen wir, das unwürdige Schauspiel beenden, dag Juden, deren I udentum dort aufhi rt. wo ihre nationaldeutsche Männ rwürde beginnt, vor der deutschen Oeffentlichkeit die Elastizität ihres Rückgrates durch Verkxugungen vor dem deutschnationalen Parteiidol und Nie Geruchlosi gleit ihres Geldes durch Spenden für an 1 semitische Propagandazwecke bekunden. Wir wis cn nicht, ob wir neugieriger auf das weitere Verhaken dieser Herren sein oder mehr Mitleid darüber empfinden sollen, daß sie taktisch nicht! nur zwischen zwei Stü jle geraten, sondern moralisch sogar ganz unter den Tssch gekommen sind." (!!) Sachliche Entgegnung wäre Zeitverschwendu tg. Die Absicht.ist allzu deutlich: „nationaldeutsch" lls Bezeichnung unseres vaterländischen, aber polit sch durchaus neutralen Verbandes und „deutschnation il" als Varteibezeichnung mit dem bekannten stark ar tisemittschen Einschlag klingt so hübsch ähnlich. Jonglieren wir also damit, bis . das Publikum nicht mehr rocht weiß. welcher Ball es gerade ist, der die Luft du ckiilimmert, und es sogar schließlich nicht für unmöq ich b'lt, daß nationaldeutsche Juden für einen antisefnirischen Parteiwnds zahlen. Und so etwas in einem Blatte, das für Tolet - ranz^kämpft! Ich Halle zwar dies schleimige Wort. Man setze an seine Stelle „Achtung", „Respekt", Wie aber, darf mdn Achtung, ja auf die Dauer auch nur ernsthafte B^e achtung für sich verlangen, wenn man den sachlichen Ktgner in geistigen Fragen verunglimpft, statt zu versuchen, ihn in würdiger Weise zu widerlegen? Hier sei eine Einschaltung gestaltet. Man behauptet (und zieht natürlich unliebenswürdige Folgerungen daraus), „daß die Führer des Naumann'schen Kreises zum größten Teil bisher Zurückhaltung in der öffentlichen Betätigung fürs Judentum geübt hätten". Mich persönlich trifft das zwar nicht, denn seit langen Jahren war und bin ich in religiösen Körperschaften tätig. Außerhalb solcher aber ist es mir wie vielen meiner Frjeunde ergangen: einige Besuche von Versammlungen, in denen jüdische Angelegenheiten öffentlich L Is Hirschberg besprochen wurden, genügten, von einer Betätigung geradezu abzuschrecken. Fruchtloses Aneinandervorbeidebattieren war die Regel. Als Naumann auftrat, fanden sich sofort Männer zur Mitarbeit bereit, die sich nach einer Möglichkeit positiver Arbeit im« jüdischen Interesse gesehnt hatten. Denn positive Aufbauarbeit soll geleistet werden! Und gerade in dieser Absicht plant Naumann eine Reihe von Schriften, von denen bereits zwei erschienen sind. Nicht etwa schlankweg zur „Lösung der Judenfrage", sondern bescheiden und ernsthaft zurKlärung einiger Verwirrung stiftender Grundbegriffe. Sein erster Beitrag wird von dem Justizrat Hugo Sonnenfeld in einer Beilage zur offiziellen Zeitschrift des C. V. auf 8 Kleinoktävseiten besprochen. Alst» mindestens offiziös. Referenten pflegen einleitend den Hauptinhalt des^ zu besprechenden Werkes zu skizzieren. Raum genug stand zur Verfügung und so beginnt -Herr Sonnenfeld auch harmlos in der üblichen Weise: ,,„Dr. Max Naumann vertritt in seiner Schrift „Vom mosaischen und nichtmosaischen Juden" - folgende Eedankengänge"". — Jetzt also kommt die Inhaltsübersicht, meint der gutgläubige Leser und liest weiter: „Jüdische Religion ist an Palästina gebunden; sie vertiefen^ heißt den jüdisch-nationalen Einschlag stärken und die Kluft zwischen Deutschen jüdischen und anderen Stammes erweitern. Wer nicht nach Palästina strebt, ist kein Jude in religiösem Sinne. Jüdische Religion außerhalb Palästinas ist ein zum Verwelken verurteilter Zweig." Das also war die Inhaltsangabe, denkt der Leser nochmals. Weit gefehlt? Ohne den Grundgedanken auch nur zu erwähnen, bei dessen Fehlen alles einzelne ganz unverständlich wird oder doch eine ungewollte Färbung annimmt, reißt der Herr Kritiker einige Sätze aus dem festen Gefüge ihres Zusammenhanges heraus und erweckt so den Anschein, als habe Naumann sich hingesetzt und eineBroschüre gegen das religiöse Judentum geschrieben. Derselbe Naumann der („Vom na- <ionaldeutschen Juden" Seite 23) sagt: „Wir finden unter den nationaldeutschen Juden solche, die dem alten Glauben mit Inbrunst anhängen. . . ." „Der nationaldeutschc Kude mag gläubig sein nm strengsten oder im freiesten Sinne, er mag religiös^sein oder irreligiös, aber niemals wird er antireligiös sein." " Am Bette des Herrn Sonnenfeld wacht, wie er in Heine-Versen mitteilt, die Sorge. An dem meinigen gleichfalls. Die wirklich bange Sorge, daß man in Kreisen, auf die es ankonirmt, Berichterstatter solcher Art als Wortführer einer Vereinigung von hunderttausend deutschen Juden bei wichtigen Gelegenheiten nicht ernst nehmen könnte, wenn sie zufällig einmal nicht gegen ihre eigenen Stammmesgenossen polemisieren, sodern etwa den Auftrag erhalten. Angelegenheiten des deutschen Judentums gegen Angriffe von außen zu verteidigen. Das Harmloseste wäre noch, wenn man sie gleichfalls mit einem Heinezitat äbtun dürfte. Es gibt eines, das handelt von Rezensenten, enthält sehr viele Gedankenstriche und sehr wenige Worte. Aber erstens bin ich zu höflich, es mix zu eigen zu machen,

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