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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-01-01 · 1 (Januar 1922) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
1 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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und die Mitarbeit von Personen, die nie ein Hehl daraits gemacht haben, daß die Uebertragung innerer Partdigegensätze auf alle Fragen des öffentlichen Lebens ihnen ein Greuel ist, erscheint gewissen Preßoxganen der Linken'in hohem Grade verdächtigt Die „Berliner Volkszeitung" begrüßt zwar unseren Verband iN der Hoffnung, dag er helfen werde, den Antisemitismus rraktisch zü überwinden, und wünscht ihm allen Erfolg. Das „Berliner Tageblatt" will abwartcn, ob die parteipolitische Neutralität im Verbände gewahrt bleibt, deutet aber schon jetzt in seiner Art an, welche Bedenken es ihm entgegenzustellen hat. Nationale Gesinnung? Etwas Selbstverständliches auch für diejenigen. die nicht von ihr sprechen. Und wer sie am lautesten im Munde führe, lasse sie oft am meisten vermissen. Könne nicht der falsche Eindruck entstehen, als cmvsände ntan in anderen jüdischen Vereinigungen -weniger national? Sei hier nicht gar eine Stoßtruppe gegen die demokratische Staatsauffassung in der Bildung begriffen? Schließlich wird uns bescheinigt^ daß wir um so mehr Erfolg haben würden, je weniger eine durch nichts begründete Trennungslinie zwischen uns und anderen Gruppen dieser Art gezogen würde. Vor so viel überwältigendem und vor so tiefgründigem Verständnis für unsere Bestrebungen müssen-wir freilich — auf dem Papier — die Waffen strecken. An dem ncn-cn Vorgang unserer Herrenhausversptzimlung hat dem ..B. T." lediglich das Auftreten des Herrn von Dvveln Bronikowski einige Freude bereitet, alles andere lehnt es mir den bei ihm üblichen polemischen Mitteln ab. Wir werden trotz des „B. T." unseren Weg weilergehen und hoffen es nach und nckch zu größerer Klarheit über unsere wahren Absichten zu erziehen. Die bedrückende Sorge über unsere parteipolitische Neu- '.ralität sollte das Blatt indessen schon heute fahren .asten. Zu Schleppenträgern einer bestimmten politischen Partei sich herzugeben, werden wir heute wie immer neidlos audereu Leuten überlasten. Daß schließlich die „Vosfische Zeitung", die sonst zuweilen gar nicht weiß, wie sie die vielen breiten Spalten ihres Blattes füllen soll, ganze vier bis fünf Zellen sü: unsere Herrenhausversammlung übrig hatte^hat uns im Grunde nicht überrascht. Hätte es sich^um eine beliebige zionistische Kundgebung gehandelt, nicht um die ..mitten durch lebendige Menschenherzen" schneidende Frage, wie jüdische uiä> nichtjüdische Deutsche in Zukunft bester miteinander auskommen sollen, das Ullsteinhaus hätte die deutsche Oeffentlichkeit darüber zweifellos ebenso ausführlich wie —> sachgemäß unterrichtet. Bleibt noch die -sozialdemokratische Der „Vorwärts" fand es zunächst, unter dem unmittelbaren Eindruck Unserer Veranstaltung, ganz selbstverständlich, daß jeder Jude, der in Deutschland geboren, erzogen und in deutscher Bildung und Sprache groß geworden sei, ohne weiteres auch als Deutscher empfinden und behandelt werden müsse, worüber seine im zionistischen Lager stehenden Genosten schwerlich mit ihm übereinftimmen werden. Später bekam das Blatt einen Rückfall in di§ materialistische Geschichtsauffassung und meinte, der Uebergang der nationaldeutschen Juden ins reaktionäre Lager entspräche nur der Tatsache, daß wir ehen unseren materiellen Gewinn der letzten Jahre ins Trockne gebracht hätten. Jetzt suchten wir Schutz für diese materielle Sicherung unserer Existenz bei denjenigen Parteien, die für die Erhaltung des Besitzes kämpfen. Für diese Offenbarung unserer innersten Triebkräfte können wir dem Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands nur aufrichtig dankbar sein; seine Politik ist bekanntlich „wissenschaftlich vertieft", gxgen sie können wir deshalb mit unserem blutigen Lqienvcrstand nicht auskommen. In einiger Verlegenheit werden allerdings diejenigen unserer Verbandsmitglieder sein, die sich heute ungefähr ebenso i besitzlos fühlen wie das frLher die überwiegende j Mehrheit der sozialdemokratischen Parteigänger mit j Recht von sich behaupten konnte. Siö glauben den idealsten Regungen ihres Herzens zu folgen und müssen sich nun schwarz auf weiß nachsagen lasten, daß sie um des schnöden Mammons willen zu Naumann gegangen - sind. Sie mögen diese „Beweisführung" nicht so ernst 1 nehmen wie fft gemeint ist, aus ihr vielmehr die Er-! kenntnis schöpfen, daß auch die Mehrheitssozialdemoi traten, wenigstens soweit ihr Denken und Fühlen im § Vorwärts hervortritt, sich auf heitere Irrwege ver-! laufen können. hat, ungehalten schreibe! sich mit maßen recht und In anderen sozialdemokratischen Blättern (Volksstimme in Halle, Volkswille in Hannover) wurde ein der Heilmann'schen Korrespondenz entnommener Artikel veröffentlicht, der trotz unverkennbarer Voreingenommenheit und Unkenntnis des wahren Wesens unserer Bestrebungen doch unsere Herrenhausversammlung in leidlich sachlicher Weise zu würdigen sucht. Mitten hineingesprengt findet sich da aber plötzlich ein Absatz, den offenbar eine „kundige Hand" verbrochen darüber, daß der eigentliche Artikeldieser ihm neuen Erscheinung einigerschlecht abzufinden suchte. In diesem Absatz wird uns. bescheinigt, daß wir ^die Vollendung der Reaktion (!)!erstrebten", daß wir die Frechheit (wie es in ddin einen, oder die Freiheit, wie es in dem anderen Blatte heißt) hätten, uns nationaldeutsch zir nennen, weil wir alle nationalistischen Phrasen nachplapi perten, über das Märchen von deutscher Kriegsschuld zeterten und die Wiederaufrichtung des deutschen Volkes durch die nationalistische Propaganda erwarteten, was der Verfasser des Einschiebsels „bei Juden doppelt ekelhaft" findet. An diesen Beschimpfungen könnte uns lediglich die Frage interessieren, westen freundlicher Nachhilfe ihre Aufnahme in den Artikel der Heilmann'schen Korrespondenz wohl zu verdanken ist. Wir haben darüber unsere bestimmten Vermutungen; wäre es doch nicht verwunderlich, wenn gewisse jüdische Ueberläufer aus dem bürgerlichen in das sozialdemokratische Lager sich für ihre Aufnahme in den neuen Parteiverbaud dort alsbald durch eine ihrer Wesensart entsprechende Mitarbeit in jüdischen Fragen dankbar zu erweisen suchten. Es wäre nicht unsere Schuld, wenn die sozialdemokratischen Mitglieder unseres Verbandes durch Preßleistungen solcher Art in ihrer Parieigläubigkeit erschüttert werden sollten. Die demokratische Partei dagegen wird erkennen, daß sie nicht jedem Verlust nachzutrauern braucht, der sie in letzter Zeit betroffen hat^ Stellen wir soweit als Endergebnis fest: Mögen auch rechts und links noch mancherlei Mißverständnisse bestehen — der Verlauf der Versammlung hat uns ein! gutes Stück vorwärts gebracht auf dem Weg zur Verständigung hller nationalgefinnten Deutschen. Wir werden, ermutigt durch diesen Erfolg und „unbeirrt" durch die Liebenswürdigkeiten jüdiftjer und nichtjüdischer Gegner, auf dem einmal betretenen Wege fortschreiten. S. B. 2,«in»«»«- Dr. M« Drixk. E»»», Ma»»«, Lntt» Lz. Saal«»«» Skr. z.«

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