Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1922
- Issue
- 1 (Januar 1922)
- Date
- 1922-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Begriffsfeststellungen, w» in Wahrheit der ewiz fortrinnende Fluß der Entwicklung ständig« Wandlung«» v)llbringt. Wenn das jüdische Volkstum von Natur Weltbürger ich wäre, so hätte es nicht geschehen können, daß Nationalst den und bionisten jetzt mit unleugbaren Erfolgen auf einen jüdischen Nationalstaat Hinsteuern, hätte es aber auch r icht geschehen können, daß Tausende und Abertausende vorz d, utsch:n Juden ihr Leben mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der gleichen Begeisterung für ihr deutsches Vatxrlc nd Hingaben, wie die Hunderttausend« von deutschen Kamen den, die mst ihnen auf dem Felde der Ehre gefallen sind. Aber immeyhin, einem Antisemitismus, der so begründet wird, wie es in der »Deutschen Tageszeitung* geschehen ist, wird' sich durch sachliche Erkenntnis allmählich Terra» abgewinneaj lassen und das sicherlich nicht zum Schaden des deutschen Volkes.! Durch die menschliche Seite der Judenfrajt tief bewegt zeigt,sich Friedrich Huffong» der neu« Hc uptschriftleiter der »Täglichen Rundschau*. Er hat von de» Verlauf der Herrenhausversammlung nicht nur durch Bencj te von dritter Seite, sondern aus eigener Anschauung Kenntnis erhalte» und stellt ihr das Zeugnis aus, daß es nicht möglch gewesen sei, sie ohne innere Bewegung mir zu erleben, wenn inan nicht etwa an Herzverengung litt. Eine feste Grenz li ne, die man zwischen Juden und Deutschen ziehen wolle, müsse mitte» durch lebendige Menschenherzen gehm. Ob es reilich wirklich möglich sei, Juden von der Art, wie sie in uns »em Verband« vereinigt sind, als Deutsche schlechthin gelten zu lassen, sei wohl ein Rätsel, aher es Müsse möglich sein und werde», wenn wir jemals mit der Judenfrage fertig werden wollten. Unser Programm bezeichnet er nicht als eir Produkt der Willkür, sondern als innewohnenden Sinn und Willen der beschichte. So die »Tägliche Rundschau*, ,>ie, wie ma!h weiß, hauptsächlich in.den gebildeten Kreisen des deutschen Volkes gelesen wird. Was sie sagt oder ai«deutet, dürste ungefähr mit den Anschauungen übereinstimm n, von denen nach dem unzweifelhaft zuverlässigen Zeugnis von Oppeln- Bronikowski's auch die der Intelligenz zugeh wenden Kreise der dcutschnatipnalen Volkspartei erfüllt sink. Diese Anschauungen können wohl durch Beschlüsse vere nzelter Parteskörperschaften in ihrer Tegenwartswirkung behindert, sie können aber nicht unterdrückt oder gar ausgerottet werde», weil sie aus der Beobachtung des Lebens geschöpft und also ebenso unzerstörbar sind wie dieses Leben selbst. Die deutschnationale Volkspartei wird nicht die erste und nicht die letzte Partei sein, die ihr Programm und ihre Grur danschauung«» mit der Zeit de» Ergebnissen dieser geistig« n Entwickln» anpassen muß. Al» ein /verheißungsvolles Anzeichen auf di« em Wege darf vielleicht auch die Warnung angesehen werden, zu der d«r Führer der alten konservativen Partei, Freiherr von Heyd«-> branL und der Lass, sich um die Dezemüermitte veranlaßt sah; ob unter dem Einfluß unserer Ver-andsbewegung oder noch unabhängig vo!k i!>r, ist nicht zu «rkennen. Hefe von Heydebrand, der sonst seit der Revoluti m eirse unverbrüchliche Zurückhaltung den politischen Voigängeir gegenüber beobachtet, ließ in der »Kreuzzeitung* einen Artikel «rscheinen, in deiner seinen Gesinnungsfreunde, in der deutschnationalen Volkspartei zu bedenken^ gah,^ ob es richtig sei, alle Fragen des öffentlichen Lebens lediglich aus dtwt Gestchtswtükel speziell jüdischer BekSmpfung zu b» trachten. Man darf wohl.annehmen, daß hinter dieser seh, bemerkenswetten Warnung sich interne Parteivorgänge veri bergen, die dm rein völkisch eingestellten Gesinnungsgenossen der Rechten unbequem zu werden drohen. Das „Berlinei; Tageblatt* sieht; jedenfalls mit Recht den «Versuch der Antisemiten, die Gesamtpattei der Deutschnationalen völlig irs ihr Fahrwasser zu leiten, schon heute auf erhebliche Widerstände stoßen und verweist zum Beweise dafür auf da, Auftreten des ö »errn von Oppeln-Bronikowski - in unsere Hrrrmhaueversachmlung. Womit allerdings nicht gan; übereinzustimmeü scheint, daß es in anderem Zusammen hange von der Abschüttlung dieses Politikers durch di« deutschnationale Dolkepartei spricht. Der Wahrheit nähe kommt in diesem Falle unzweifelhaft; 'das extrem völkisch »Cpandauer Tageblatt*, wenn-es Friedrich Huffong beschei nig», daß so wi, er auch viele äu-er« führe»-« Per söulichkeite« i er uatioualeu Partei«« «ud Press, über die Judenf age denken, daß Hirse Att der Betrachtung auch bei andcre, Persönlichkeiten mehr und mehr in Auf^ nähme komme. .! Ob freilich auch Graf Reveutlow darunter zu rechn ist, wäre eine andere Frage. Er sagt allerdings, daß-mg keinen Grund hebe, an der Aufrichtigkeit der Naumann's, Bestrebungm zu zweifelnaber von dem Rassestan^pun aus, den er vertritt, kann er sich mit dm Gedankmgiing, unserer Bewegen g selbstverständlich nicht befreusHen. Juden, der für Dmtschland gebluttt hat, will er die gleicht Anerkennung wi« dem entsprechenden Deutschen nicht versagen^ dem Judm, der sich selbstlos in dm Dienst deutscher Arbeit und deutscher Ziele stellt,' die persönliche Achtung nicht vorienthaltm, da» Maß dieser Anerkennung und dieser Achtung aber will er nicl t durch dm Judm selbst oder durch bestes Stammesgmoffer bestimmen und da» Mißfallen 'gemistet Organe der Zwischenschicht an der Gründung unseres Der!-' . bandes will er rls indirekten Beweis für dessen Nützlichkeit nicht geltm lasse a, weil der Verband in der Praxis sich nicht werde chemisch rein hakten könnm von dm Judm de« Zwischenschicht. Er werde nur eine neue Quell« füi; Unklarheit und Sell stt, iuschung im deutschen Lager werden und ses deshalb als schc dlich und; vielleicht sogar gefährlich abzur weisen. Für die chemische Reinhaltung uüsere« Verbandes soll indessen Heir Graf Rrventlow nur ruhig dm Verbanh selber arbeiten kessen. Di« »Aufklärungsarbeit nach innm*l, - die einen unser, r wichtigsten Programmpunkte bildet, wird schon dafüt so gen, daß!die hmtsche» Judm, die zu un« kommen, von der Unklarheit ihrer früherm Haltting befrei« werdcn. Ter verband w^rd« jede Existmzberechttgung vm- > lieren, wmn er nicht sein /klares und festes Bekenntnis zur» Deutschtum unter allen Umständen als den innersten Ker^i —^ seiner Bestrebungen hochhicjlte. H , > Im demokratischen Presselager hat man sich unsrer Herrmhaueversatnmlung gegenüber starke Zurückhaltung armerlegt. Das Märchen dep! Icntralvereins, wir seien nicht« weiter als eine I »jüdische Schutztruppe der deutschen Volkei- Partei*, hat dort seine Wirrung immer noch nicht eingebüßl^