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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1922-01-01 · 1 (Januar 1922) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1922
Issue
1 (Januar 1922)
Date
1922-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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zum Mitteilungsblatt des Versandes nationaldei^tscher Juden e. V Geschäftsstelle: Berlin W z;, Blumeshof Jalirgang 1922. Nr. l - > . H. - Aussprache mit Nichtjuden. Versammlung inl ehemaligen Herrenhaus zu Berlin am Partei, der Deutschen Volks- Bayrischen Volkspczrtei, brr Eingeladen waren außer unseren Groß-Beminer Mu>zlicdirn insbesondere führende nichtjüdische Persönlichkeiten aus allen Kreisen. Don maßgebenden Politikern > >aren eingeladrn solche der Dcutschnationalen ' Partei, des Centrums, der Demokratischen und der Sozialdemokratischen Partei. Der große Saal war überfüllt. Unter den shr zahlreich erschienenen nichtjüdischen Gästen winden (abgesehen von denlenigen Herren, die in der Debatte das Wl rt ergriffen) bemerkt: Abgeordneter Dr. Stresemann, Geheinrat Israel ifto Vertreter des Kultusministers, der bekannte Schriftsteller kalter Bloein, Oberbürgermeister Dullo, Oberst Nicolai, lgehcimer Medizinalrat Dr. Paasch, Geheimrat Dr. Störer, ferner von Mitgliedern unseres Verbandes Professor Dr. Schlesinger von der Technischen Hochschule, Professor Mar Herrmann von der Universität Berlin, Professor Mühsanz, Direktor de« Bircbow Krankenhauses u. a. m. äier Vorsitzende verlas nach Eröffnung der Versammlung eine Reihe von Schreiben solcher bekannter Politiker, die am Erscheinen verhindert waren, jedoch den Bestrebungen des Verbandes Snmpathic entgegenbringen, insbesondere Schreinen des Vorsitzenden der Zentrumsfraktion Gehemirat Marx, her Abgeordneten der deutschen Volkspartei Dr. von Campe utid tsseheimrot von Ennern, des Abgeordneten der Bayrischen Volkspartei Geh. LandcsHkonomierat Dk. Heim, des deutschnationalen Abgeordneten Landrat von Dewitz. Demnächst führte der Vorsitzende Dr. Max Naumann in seinem einleitenden Bericht folgendes aus: Der Verband wolle die nationaldeutsch fühlend«» Juden mit den »anonaldeutsch fühlenden Nichtjuden zu gemeinsamer vaterländischer Arbeit zusammenfassen. Nationaldeutsch« Juden seien nicht nur diejenige«. die bereits formell i dein Verbände brigctretrn seien, svndrrn ein erheblicher Bruchteil der deutschen Juden überhaupt, von denen r ur wiederum ein erheblicher Teil infolgelder von gewisser jüdischer Se re verbreiteten Entstellungen über di« V^bandtbestrebungcn falsch unt berichtet sei oder infolge der Totschweige-Taktik gewisser vorwiegend von Juden gelesener Zeitungen über den Verband überhaupt noch nichts wisse. Alle Versuch«, bi« Jubenfrage ihres das Abrutsche Volk zersetzenden Charakters zu entkleiden, seien bisher daran gescheiter», daß >«i Juden und Nichtjuden die Ansicht vorgeherrscht habe, die Ir« ge tonne nur gleichmäßig für all« deutschen Juden gelost werden. M in habe dabei übersehen, dgß die deutschen Juden' schon seit langer Z ir keine in sich gleichartige Masse mehr seien, sondern in völlig weser sverschiedene Gefühlsgruppen zerfielen. Die Jüdischnationalen einerse «S und di« errrem „Deurschvolkifchen" andererseits wollten dies« V rschiedenheir nicht wahrhaben. Sie betrachteten die Frag« vom Vi«kzüchterstandpunkte, indem sie davon ausgingen, das .Blut" müsse fsir all« Zeiten dem Menschen seinen Weg bestimmen. Dieser Standpunkt würdig« nicht die Tatsache, daß der Mensch, so viel Tierisches ihm auch noch anlgtfte, schließlich doch nicht mehr nur ein Tier sei, daß er sich über da« Tier erhoben habe durch die Kultur. T ie Kultur und has durch di« Kultur bestimmte Gefühl seien es, die dem M ruschen seinen Platz in der Umwelt anweisen. Das aus der Kultur entspross ne Gefühl Hab« seit langer Zeit einem großen Teil der deutschen Juden ihr«! > Platz an der Seit« ihrer nichtjüdischen deutsche» Volksgenossen angewieser. Darum sei es «sin unsinnige« und gefährliches Unterfangen, Deutsch« jütischer Abstammung künstlich tu einer ihrem Wesen nicht mehr entsprich «den Kulrursphqre zu halten und so den Gegensatz zu ihrer nichtjüdisch n Umwelt dauernd zu versclmrfe». Dies« Versuche gingen, abgesehen von den in ihier 5. Dezember 1921. Blutstheori« befangenen JÜdischiiationale», hauprfächlich. von hcn verworrenen Elementen der »üdiichen Zivrichenschicht aus. die immer wieder den Versuch machte«, Jude» von grundverschiedener Wesels art zu einer jüdischen Einheitsfront züsaminenzusclnpeißen rstrd so die deutschen Juden künstlich zu einem Volk im Volke zu machen. Diese Wirrköpfe, die nicht begreifen könnten, daß die religiöse Überzeugung Privatsachc des einzelnen Menschen sei und mit der Einordnung in die völkische Umwelt nichts l zu tun habe, redeten immer wieder dp» deutschen Juden, äuch den ihrem Wesen nach unzweifelhair nationaldeutschen, vor, es bedeute eure Antastung ihrer Religion, wenn sie allen deutschen Fragen nur abr Desttschtum entscheiden ließen und sich auf die Seit« derer stellten, die im Gefühl deutsch seien wie sie, cheän auch anderen Stammes und, ander«» Glaubens. Ebenso unsinnig t,i das Verfahren sogenannter Politiker die von dem Wahn njzjllt koskommen könnten» die von ihnen Mit dem inhaltlosen Scblagwyrt „Antisemitismus" abgesterrweltcn Gefühlsströmungen seien nur eiste politische Machenschaft bestimmter Kreise und der Jude müsse sich ju bestimmte» politischen Parteien halten, die programmgemäß „den Antisemitismus bekämpfen.'! ränge genug harren sich die national deutschen Juden von diesen ^Einheitsfront-Aposteln auf Jrrivege führen lasse». Sie müßten sich endlich einmal ircimachEvon deren Einfluß ° und» ganz unbeschadet ihrer persönlichen Stelluiig zu Religionsfrage» und zu Fragen der wesentlich von wirtschaftlichen («hsichtspunkken bestimmten Paiteipolitik, an die Seite der national empfindenden Nichtjuden treten, denen si ini Gefühl viel enger verbunden stieg,' als deutschfremden Elementes«, wie den Jüdischnationalen, de» in ganz anderen Kultursphären lebenden Ostjuden rznd den ewig von deutsch, a . Kulmreinflüssen und jüdischem Srammesgefühl hin und bergerissen, i Halbdeutschen der Zwischen! chicht. Den in ihren Wohnländern vc folgten Ostjuden müsse gew ß jeder Mensch das tufste Mitgefühl en - gcgenbtingen und jede Hilfe leinen, die riu Deursclrer loh« e Gefahr für sein eigenes de rnches Volk leisten könne. Aber diesen > 1 ganz ändere» Anschauungskre iscn aufgewachsencn Fremdlingen in Deutsci land ein Asyl zu gewähren, sei bei der heurigen Lage Deukschlank» unmöglich. Die Ostjudenfrnge sei eine rein deutsch« Frage und kö», e >mr vom deutschen Standpunkte aus gelöst iverdem Uin die GrunI , läge dafür zu gewinnen, daß zum Nutzen des deutschen Varerlands endlich alle fest im Deutschtum wurzelnden Elemente, Nichtjuden uird Juden, herangezogeu werden könnten, sei her' Verband gegründet. Er solle di« Keimzelle bilden für den festen Zusammenschluß aller wirklich narionaldeulsch fühlende» Foden. Dieser Zusammenschluß sei notwendig, denn die Arbeit der Einzelnen bleibe heute im Zeitalter der Organisation «jlsungsßos. Die Durclrführung de« Zusammenschlusses werde natürlich längere Zeit erfordeli» und es lei verfehlt, wenn von nichrjüdiscner Seite schon heute an den jungen Verband dH ' Frage gerichtet würde, durch welche Taren die ichtiönaldeutichen Indes« sich als wahre Deutsche legitimieren könnten. Zähe, stille und ««a b außen hin nicht immer erkennbare Arbeit sei notwendig, »m die , naiionaldeutscken Juden, dke heute noch vielfach hinter den zwilcheer schichtlichen oder gar jüdilchnaiioualen Sci'wätzerls Herliesen,i zpr M>« arbeit an den Aufgaben des DeurichrnulS zoitzumachen; nrchk minder zähe Arbeit sei nötig, um de» durch Schlagwerke verhetz,,» Nichtjuden tlarzumachen, daß sie die Juden nichr über einen K.nym scheren dürften. Darum laureken die; Programmpunkre des V>iba»de»: DerständigungSarbkit nach außen, Erzi.'tstrngKarbeit »ach innen, " ' wickelungtarbeit an der Jugend. Arbeit, nicht Geschwätz, sei '' des Verbandes. „Die Lösung der Judrnsrage kann ni sie kann nur erarbeitet werde»." Scho» die Tarsaci-e gründung, die Überwindung -der verständlichen Scheu rrauischen und falsch unterrichretcu Nichrjude» zn , bieten, sei ein Vorgang, der von verständigen bereiten Nichtjuden gewürdigt werden inüsse. " aber sei es, daß die national deutsch,» Jude» ' undeursch« und dem deutschen Vaterland« s" . gleichviel ob sie bei d'esem Kampfe sich ge>>! jude» wenden müßte», daß sie sich fr>" 7 .

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