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Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V. · 1921-12-01 · 3 (Dezember 1921) · p. [Seite]

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Journal
Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
Volume
1921
Issue
3 (Dezember 1921)
Date
1921-12-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Geschäftsstelle: Berlin W Zs, Blumeshof 9. Beilage zum Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldcutscher Juden e. V. Jahrgang 192 t. Nr.; iFortsetzuag aal der zweiten Beilage.) > schtidung gestellt: »Willst Du Jude oder willst Du Deutscher s.ins . . . Ich fand ei zwingend, mich nach der einen oder anderen Richtung zu entscheiden." Er findet für die so gefaßt« Aufgabe keine Lösung, weder ein« grundsätzliche, noch meine- Erachte»« eine persönliche. Einen Stoff in einem anderen zur Lösung bringen, heißt: den «inen Gtoff in dem anderen völlig aufgehen lassen. Wassermann aber emulgiert Judentum und Deutschtum, er schüttet sie zusammen wie öl und Wasser und sieht dann in schmerzlicher Ergriffenheit, wie alle seine Arbeit umsonst war und wie di« beiden verschiedenen Element/, sich selbst überlassen. wieder auieinanderstreben. Warum scheitert er an seiner Aufgabe, obgleich er sie mir der ganzen Stoßkraft seine« wuchtigen und tiefen 'Intellekts in Angriff nimmt? Weil er mit Verstand, und Willen leisten will, was Nur die angeborene Sefühlirichtung zu vollbringen vermag. Deutschtum und Judentum sind nicht koordinierte Größen, wie Wassermann glaubt; sie können und dürfen et nicht sein, soll je «ine Versöhnung zwischen Beiden zustandekommen. Ei ist zweierlei möglich: Der deutsche Jude läßt sein Deutschtum im Judentum aufgehen sIionist) «der sein Judentum im Deutschtum. In den» ersten Fall« ist er Jude, durchsetzt mit deutschen Kultur- «lementen, im zioeiten, wie wir nationaldeutschen Juden, Deutscher mit jüdischem Einschlag. Ob man dat «ine oder da« andere ist, hängt vom Schicksal, von der Anlage, vom Gefühl ab. Daß Wassermann verstandeimäßig zwischen Deutschtum und Judentum wählen zu können glaubt, die- — nicht sein Judentum schlechthin — beding« die Tragik seines Lebens. Es macht ihn zum Vertreter der Zwischenschicht mit all ihrer Zeriffenheit. Wir nationaldeutschen Juden können deshalb Wassermann, so nah« er uns in seiner Betrachtung über dl« Ostjuden und in manchen andere» Fragen steht, nicht alt Erponeuten der deutschen Juden in ihrer Gesamtheit anerkennen. Wir erheben Einspruch dagegen, daß sein Weg als der typische eine« deutschen Juden gelte. Denn wir fühlen in uns den lebenden Beweis, daß er es nicht ist. Wir sind Deutsche nach Anlage und Geistetrichtung, nicht au« freies Wahl, und unsere jüdische Abstammung, derea wir uns freudig bewußt bleiben, schattiert diese« Deutschtum in gewisser Richtung, obnt et in seinem Kern zu berühre«. c , Wassermanns Buch bleibt wertvoll alt künstlerisches licht« Dokument, aber man soll seinen Titel nicht lesen: alt Deutscher und Jude", sondern mir veränderter Belobung: Weg als Deutscher und Jude." > Dr. Brun» Roseuberg. k und mensch- ,Meln Weg Mein Der Prozeß Talaat Pasch«. Stenographischer Prozeßbericht mit einem Vorwort von Armftr T. Wegtter und einem Anhang. (Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte Ar. b. H„ Berlin ryn.) Das rzü Seiten stark« Buch enthält nicht« als di« wörtlich« Wiedergabe einer Schwurgericht-Verhandlung und im Anhang den Ten einiger amtlicher Dokumente. Trotzdem wirkt es spannender, alt irgend «ln künstlich konstruierter Kriminalroman. Hat man einmal, nicht «hü« Widerstreben gegen die vorautgesept- Trockenheit de« Gegenstande«, sich durch d.ie Formalien de« Eingang« hindurchgelesen, fällt es schwer, da» Buch wieder au« der Hand zu legen. Wa« die inner« Anteilnahme de« Leser« enveckt. sind nicht nur dikrimiaalistisch«» und medizinischen Sinplhetten, obglrich auch dies« interessant genug sind. Dt« Vorgänge, di« sich auf l«r Bühne de» Schwurgericht« abspielen, fesseln vor allem durch den »geschichtlichen Hintergrund! vor dem sich dl« handelnden Personen xwegen. AmMär, iyri har der armenisch« Stu^nt Salomo« Teilirian in Sharlotteabufg auf offener Straße der frühere« rürkischeu Minister Talaat Pqscha niedergesch offen, weil in ihm den treibenden und leitenden Geist der grauenhaften Armrnierfchlächtereien sah, dt« während de« Weltkrieges stattgesunden haben. Da» Schwurgerichr ha« den Angeklagten ftrtgrsprochen. Es ist zweifelhaft, ob für den Freispruch di« von den Sachverständigen dargelegren medizinischer^ Gründe aulschlaggebend waren. Wahrscheinlicher ist, daß aut rein!menschlichen Gründen die Geschworenen zu ihrem Spruch ' gelangt sind. Sie dürften sich gesagt haben: Mcht der Mörder, der Ermordet« ist schuldig. ' Teilivlan ist 1 Armenier. Di« Armenier in der Türkei haben sich ihre besonder« Stammesart und ihr« eigen« Religion, eine Sonderform de»' Christentums, mir Zähigkeit bewahrt. Bis zu einem gewissen Zeitpunkte — er liegt erst einige Jahrzehnte zurück — haben sie trotzdem im allgemeinen friedlich mit ihrer andrrtstämmigen Umwelt gelebt; gelegentliche Reibereien blieben ohne nachhaltige Wirkung. Türkisch« Mohammedaner und armenisch« Christen nannten sich gegensettig in der kräftigen Au<druck»w«is, des Orien« »ungläubige Hunde", di«, Türken versagten sich wohl auch bet Ge legenheit nicht den Hinweis auf die sprichwörtlich« Gerissenheit der Armenier in geschäftlichen Dingen, aber durch derartig« kleine Unliebentwürdigkeiten wurde das Einvernehmen im ^Großen und Ganzen nicht gestört. Wie jene Haßsttmmuag eräugt wurde, die schließlich und^ besonders während de« Kriege», zu d/n entsetzlichen Metzeleien führte, hat im Prozesse der Sachverständig« Dr. Lepsiu« ausgeführ«: »Die armenisch« Frage ist nicht ein autochthpnes Gewächs, sie ist ein» Schöpfung drr europäischen Diplomatie. Da» armenisch« Volk ist ein Opfer der politischen Interessen Rußland« und Englands geworden. ... In dem diplomatischen Schachspiel zwischen London und Petersburg war der Armenier der Bauer, der bald vorgeschoben, bald genommen wurde. Die^ Humanitären Gründe, dev Schutz der Christen, waren Vorwände. Äl» Abdul Hamid 189; den Rrformplan, den ihm - England- Rußland und Frankreich aufoktrvyiert halten, unterschrteben und mir einer ganzen Serie armenischer Massaker»» beantwortet hatte, erklärte Lord.Salisbury, daß dt« armenische' Frag« für England erledigt sei . . . Da« diplomatisch^ Spiel England» und Rußland» hat irrst den Sultan und dann di« ^Jungtürken dahin gebracht, dt« Armenier als das für den Bestand der Türkei gefährlichste Volktelement anzusehen." Wer diese Worte liest, wird verstehe«, 'warum dat Buch an. dieser Stell« besprochen wird, z Die Ähnlichkeit der türkischen Armealerfrag« mit der Ostjudeafrag« de» zaristischen Rußland» und de» Vorkiegs-Rumänteu liegt klar am Tage. Und wer versucht» sich nicht mir oberflächlichen Humanitäts-Phrasen über da» Wesen der Dinge hiawegräuschea zu lassen, wird de!r Frage nicht au»- welchen können: Hätte sich — unbeschadet de» Mitwirken» einer ganzen Reihe von anderen Gründen — das Los der Ostjuden in de« genannten Ländern so traurig gestaltet, wäre eia so tiefgehender Haß gegen dies« Menschengrupp« entstanden» ein Haß, der auch heut« unter völlig »«ränderten politischen Verhältnisse« noch fortwirkt und immer von neuem Pogrome zeitigt, wenn nicht immer wieder versucht worden wäre, von außen her in ihr L»< einzugreifen? Ob dies« Eingriff« von der vorsichtige» Hand kalter und eigennütziger Deltpolitikrr, ob sie von der täppischen Hand weltfremder Menschheitsbeglücker vorgeaomme» wurden, — der Erfolg war der gleich«, der Widerstand der Umwelt gegen dt« unerwünscht« Einmischung wandelte sich in Haß gegen die Objekte Her Einmischung, und Haß heißt im Osten Gewalt. Weh« den Beschützten! Wer da» Lftsiei beobachtet, da» heut« England mit den Zionisten treib».

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