Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1921
- Issue
- 2 (Oktober 1921)
- Date
- 1921-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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i^, üb dir ktdcndcn Personen Hohn und L«vz> oder Schulz« ,udurct' und Kulick« heißen. Warum ist trotzdem die mause »rinde Form des Dortrag« gewählt? Emmal offenbar deshalb, weil diese Sprrchforn DAistch», auf die der »Humor* des Familixnblatte» geschnitten ist, überhaupt naheliegt, weil ihr Behagen dis Anwendung dieses Jargons erhöht wird, den sie ^-in^thkrm Privatleben >nit Borliebe sprechen, sofern kein! judr in Hörweite ist. Der Jargon ist die Sauce, die die Speise erst schmackhaft macht. Die deutsche Sj ohnt Jargonbeimischung ist eine Art von Fremdspracht, sie notgedrungen nur dort anwenden, wo es sich nicht meiden läßt. Sind sie unter sich, so blättert der Firms Deutschtum« ab und es ist nur eine durchsichtige Maemchd», wenn sie beim Mauscheln sich den Anschein der Selbst-Per mage v geben, um grgenüber sich selbst und ihren gleichgestimmten Freunden »das Gesicht zu wahren*. Aber sie sind na üxlich trotzdem »gute Deutsche* und, wer das Gegenteil beh« uptet, ist ein Antisemit, sei es ein nichtjüdischer oder ein jütischer. Immerhin ist dies noch die harmlosere Seite der Lhche- Unsere oben ausgesprochene Ansicht, daß der Witz genäu so wirksam sei, wenn das wiedergegebcne Gespräch zwischen Nichtjuden geführt würde, wird offenbar von dem Wi chold, c er gerade diese Form der Wiedergabe als die, geeignet!le ge wählt hat, nicht geteilt. Dieser Mann ist, als er den Witz zu Papier brachte, zweifellos, wenn auch wahrscheinlich unbe »vußt, davon durchdrungen gewesen, daß ein Gespräch dieses Inhalts gerade in ein jüdisches Milieu hineipgrhöre un? nur aus einem solchen Milieu heraus verständlich sei. Die redenden Personen sprechen eine Sprache, die den Lesern des Familienblattes als deutsch gilt. Die Redenden sind auch, wie im Eingang auedrinEch gesagt lst ntw zum Uebn-n-iß der Anrede »Du* hervorgrht, „gute Freunde*. Jfdcr iechen au» der Anrede »Lu* hervorgrht, „gute Freunde unbefangene, insbesondere jeder nichtjüdische Leser wird gnd muß daraus den Eindruck gewinnen, daß diese zwei Me ischen früher in Deutschland gelebt und in engein Verkehr gestanden haben. Trotzdem ist jetzt der eine „Schnöder* in Holland und der andere Millionär in den» ehemals russisches Teile von Polens Mit anderen Worten: die beiden „Helden* der Geschichte sind zwei Geschäftsleute, die früher irgendwo im deutschen oder quasi-deutschen Sprachgebiet, wahrscheinliich in Deutschland selbst, in der gleichen Gegend ansässig ivaren und demnächst in ganz gleicher Weise ihren Wohnsitz aus Iweckinäßigkeitsgründen aufgegeben haben. Nur das jetzt derjenige, der kein Vermögen erworben hat, mit Rücksicht auf die bessere Valuta seiner „neuen* Heimat immer npch günstiger gestellt ist, als der millionenschwere Adoptispvle. Und der Verfasser des sogenannten Witzes ist der A »sicht, daß man, um derartige Schicksale zweier Geschäftete» te zu veranschaulichen, zweckmäßig zwei Jaden wählen müsse, haß diese Schicksale also gerade für Juden bezeichnend seien j > Wir fönnen nicht umhin, diese Auffassung im Sinne hes Familienblattes »antisemitisch* zu finden. Die Schriftleit r de« Blättchens würden zweifellos derselben Ansicht sein, wnur der Witz in Herrn Kunzes Deutschen» Witzblatt stände. Da er aber im Israelitischen Familicnblatt steht, ist er natürlich nicht antisemitisch, sondern ein ganz Ham,loser Schert, in dem nur ausgesuchte Bosheit ettvas Bedenkliches finden Ika »n. Nur schade, daß die „antisemitische* Wirkung, nämlich die km Respekt vor deutschen Juden vermindernd« Wirkung-» uf Nichtjuden, genau die gleiche »st, ob das Mauschelgespr ich hier oder dort gelesen wird. Natürlich wird es nicht al zu viele Nichtjuden gebm, die vergnügungssüchtig genug sind, das Israelitische Familienblatt zu lesen. Aber einige gibt es immerbin' und das sind dann nleist wirkliche Anlisei »iten, nämlich solche, die Material gegen die Gesamtheit der iuden suchen und genau ntiffen, wo sie es finden Dies« Lese» sind -höchst erfreut, wenn ihnen von so authentischer Seite bes tätigt wird, daß „die Judeo^ selbst* die Einstellung zu Geschäft und Heimat, nie sie u» diesen» Witz zum Ausdruck kommt, für etwas ganz Natürliches und Harmlose« halten. Hazu kömmt, .daß die Zwischenschicht bekanntlich auf ihren berühmten »jüdischen Witz* nicht wmig stolz ist und Scherze der hier fraglichen Art, mit Vorliebe und mit breitem Behagen auch Nichtjuden erzählt,^ sofern sie nur einiges Jtttereffe dpfür zeigen. Daß diese Nichtjuden, svenn sie darauf mit Heiterkeit quittieren, nicht mit den Erzählern, sondern.über sie lachen, empsinden diese Leute nicht. Sie haben kein Organ für die Wahrnehmung der Verachtung, die in diesem Lachen zpin Ausdruck koinmt und die bei passender Gelegenheit sich auch einmal in einer viel weniger heiteren Form Luft »nacht. I Ergebnis: Htr vorzügliche W,tz de« Familienblatte« ist ii». seiner Wirkung^bervorragend antisemitisch. Aher wer das ssigt, ist natürlich «m Antisemit.! Was zu beweisen^war. ' RN. ' Privatsache? 7 Daössenitiche Leben unserer Tagt ist durch haßerfüllt« Pölemik, l urch zcrstörcnde Leidenschaftlichkeit biauf den tiefsten Grund aufgewühlt. W«r irgend kann, hält sich von ihm zurück, um nicht noch mehr Schaden z», nehmen an sei'ubr iTcele» alt der unvermeidlich« Einfluß der All ragt: kimpfe auf jede« Mitglied de, Volksgemeinschaft ohnetziemir sichb ringt. Wo aber der inner« Zwang für ein« gute und gerechte, für eine r onvendige nnd nützliche Sache den Einzelnen hinautlreibt auf da« siurmbewegte Meer der Öffentlichkeit» da soll er sich hütcn, den Ehor der fl ache und det Hasse-, der Fälschung und Verleumdung noch zu verstarken; er soll äuSsprechen da-, war ist, und im Aufbau neuen» nicht in der Zerstörung rorhandenen-Guret seine Arbeit suchen. In dieser Richtung liegrn auch di« Ziele, die der „Verband nationaldeutscher Juden* sich gestellt hat. Aber lehnt er e« auch ab, di« Polemik zu suchen, so kann er ihr doch nicht grundsätzlich aut dem Weg» gehen. EL wird ihn» nicht einsallen, jede»» Angreifer, der gegen ihn seine Stimme erheb», nachzulanfen, jede- Mißverständnis. dasich an seine Fersen Hefter, bei Sei,« zu schieben. Wenn aber von einer und derselben Stell« >zu« mir unverkennbarer Systematik gegen ihn gearbeitet, wenn mi» 1 tlen Mittejn versucht wird, sein Wesrn zu verfälschen, Klarheit i» Unklarheit, Wahrheit in Unwahrheit zu verwandeln, so ist er ei sich s lbst und den Zielen, für di« er kämpft, schuldig, auch die Niederungen d.-r Polemik nicht zu scheuen. So war in der rrsten Nummef «nsercr „Mitteilungen* Dr. Mar Naumann zu einer Abrechunng 2 r. Holländer, dem Syndikus de» Eentralvereins deutscher Staat ji dischen Glauben«, genötigt. Für überflüssig kann rin« solch« n ir halten, wer der Meinung ist,' daß ihr lediglich ein« eiuuWjige» eia« gelegentliche, mehr od«r «eniger zufällige Kritik det Verbände« nationale diutscher Juden und seiner Bestrebungen oder seiner Leitung zu Grund« l i ge. In Wirklichkeit aber ist Herr Djk. Holländer unermüdlich ln der Verketzerung 'alles dessen, was unser Verband tut und will, und To wmig et sich ihm dabei um «ine Privatsycht handelt, so wralg ist'sdi: Privatsach« diese- oder jene« führenden Mitglied«« de» DertAade« m tionaldeurscher Juden, wenn gegen Herrn Dr. Holländer au« diese« A »laß da- Wert genommen wird. Wer ans der Straße überfallen w rd, sieht sich dadurch allerding« zunächst in «in« unangenehm« Privarar gelegenheit verwickelt. Daneben ist aber auch unzweilelhaft di« östnitlioe Sicherheit an drin Vorgang inttressier», und jeder, der auf solch« S cherheit Wert legt, hat dl« Pflicht, sich um dev Überfall «beus» zu belämmern wie der Überfallene selbst. Zudem war di« sogenannt« Privatst» he, um die e« sich in de» ersten Nummer unserer „Mittelungen" handelt«, nur sozusagen «ine Stichprobe für dt« MethLver», mir denen von der angegebenen Seite her fortwährend gegen de« Verband, lra roaaldeutscher Juden gearbeitet wird. E« mußte der Nach-veigegel ührt «erden, welche gehässig«, völlig unsachlich« Art d«r Polemik «Sn eir zelnea, heut« noch führend«« Mitgliedern det Eentrqlvereiu« gegeo deyi Verband natioiraldeutsther Juden angewandt wird — sehr im G tensatz zu der »rit überwitgeuden Mehrzahl unserer dem r ,_k.. _-_ Eeqrralv erein angehörtgen Slaubentgenoss^n, dl« gleich