Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Journal
- Mitteilungsblatt des Verbandes nationaldeutscher Juden e.V.
- Volume
- 1921
- Issue
- 2 (Oktober 1921)
- Date
- 1921-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Weder du Satzungsentwurfe noch d,e Satzungen selbst werden > - von dem Gründer und Vorsitzenden selbstherrlich* dekretiert, sondern von einem vielköpfigen Arbeitsausschuß beraten, der seine Entschlüsse, wie üblich, mit Stimmenmehrheit faßt. Die Majoritäten mußten gerade anfangs wechseln, w^l sich . der Ausschuß teils vergrößerte, teils durch Fortzug und zufällig« Behinderung jeweils bei den langen Beratungen andersartig zusammensetzt«. Das pflegt ja auch in anderen Körperschaften so zu sein. Sachlich aber fand gerade die Dissidentenfrage zunächst zwei entgegengesetzte Auffassungen, die beide gut begründ« werden konnten. So konnte es nicht ohne Einfluß sein, daß ernsthafte Männer sich im Interesse des ' Judentums dem jungen Verband« zur Verfügung stellten,. »bwohl ssie ans der jüdischen Religionsgemeinschaft aus Gewissensgründen ausgcschieden waren. Die einen bildeten jene Naturwissenschaftler,' die. sich Häckel's monistischem Stand« punkt näherten, die anderen linksstehende Politiker, die jede kirchliche Bindung ablehnten und aus dieser ihr« Meinung > die Konsequenzen ziehen zu müssen geglaubt hatten. Die ' Tatsache ihresofortigen Meldung bewies, daß sie nicht auf- . gehört hatten, vaterländisch und jüdisch zu fühlen. War man befugt, solche Männer von vornherein zurückzuweisen? >Die Mrhrheil des damaligen Arbeitsausschußes stellte sich iV auf den Standpunkt, solche Männer als „GVttessllcher auf lr ihre Weise" zu. respektieren und ihnen die Möglichkeit einer ' Mitarbeit für ihre Stammgenossen innerhalb des Verbandes nicht zu verschließen. Wußte man doch von einem Manne wie Benjamin Disracli, daß er, obwohl sogar Christ, sein Leben lang energisch nicht allein für Toleranz, sondern viel mehr für Anerkennung der Dienste der Juden um dir Zivilisation eingetreten ist und in öffentlichen Reken den Stolz auf seinen Stammbaum betont hat. Sv-kam es, daß man sich damals entschloß, Dissidenten anfzunehmen. Dies aber erwies sich als schiel Haft. Ernsthafte Männer, nicht allein solclw geistlichen Standes, wiesen uns nach und belegten uns mit Beispielen, Laß Persönlichkeiten, wie wir sic anfangs im Auge hatten, relativ selten seien, daß hingegen . ein Teil der Dissidentenaus heuten bestehe, die sich gewissermaßen genierte», formell als Juden zu gelten, und doch den entscheidenden Schritt zur Taufe nicht wagten, d. h. aus .Halbnaturen, wir wir sie gerade aus unserem Verbände, der sich an Ganzmenschen wendet, von Anfang an fcriß-altcn wollten. Sie wiesen darauf bindaß auch Personen-unter den Dissidenten sich finden, die ihr Judentum leichtherzig hkrgemorfen haben. Wertvolle Männer von Lebenserfahrung fürchteten einen Andrang ^derartiger Elemente. Diese Befürchtung war ja nun wohl unbegründet, denn gerade dies« wirklich charakterlose Teil der. Dissidenten hätte sich niemals entschlossen, einem Verbände beiziUreten, der sich offen rin ^Verband von Juden nennt und das ehrliche Bekenntnis seiner Mitglied« zu ihrer jüdischen Abstammung fordert. Immerhin mußte ab« damit gerechnet werden, daß die vorwiegend religiös gerichteten Anhänger unserer Idee sich dadurch abgestoßen fühlen würden, wenn auch Dissidenten ihre Verbandst genossen werden könnten. Schließlich war auch t« Gedanke ausschlaggebend: Wer'Jude sein will, soll sich auch in jeder Hiusicht ohne Scheu als solchen bekennen. Und so kam es, baß wir zwar mit tiefem Bedauern auf die Mitarbeit von Männern verzichten mußten. wie fi« eingangs gekennzeichnet wurden, daß wir ab« dieses O >f» bringe« zu können glaubten, um jede Verwässerung und »mdeutnng auszuschließen. So sind ehrliche Meinungsverschiedenheiten durch ernsthaften Gedankenaustausch vorbildlich znm Auvtrgg gekommen; eine früh«« Majorität hat soweit überzeugeu lassen, da » völlige Einhelligkeit herrscht. rin — und das Hallen wir für wir bei uns die Sache alles ausgeschalt« ist. W« wagt od« gar seinem Gründer Leichtfertigkeit vorzuwerfen? Sa d« Antisemitismus nichts als eigenes Verhalten wesentlich ich sogar durch eine Minorität prachtvolles Zeichen dafür, gilt, die kleinliche Rechthab«« es danach noch, dem Verbände und Inkonsequenz titätsrak Dr. Alfred Pens«. Zwischenschicht Humor. Ein Glaubenssatz der Iw schenschicht ist bekanntlich, daß sine Mache bestimmt« politisch« Kreise sei. Wer es »ragt, diesen Leuten zu sagen, daß ihr dazu beigetragen hat und noch täglich beiträgt, die an sich belingloscn Gegensätzlichkeiten, wie sie sich,aus jeder Stammcovers hicdcnheit «geben, gerade gegenüber den Juden zur Feindseligkeit weit« Dolkskreise anwachsen zu lassen, ist ein Antisemit. Und wenn es ein, Jude ist, ist er eben em „jüdisch« Anliftmil". In Hamburg erscheint da» „Israelitische Familienblatt", das ganz im zwischenschichtli Heil Geiste geleitet wird, aber auch den Iionistcn wohlwollend seine Spalten öffnet, nationaldcutschen Jude» sind bei d«>» Schriftleitern nicht beliebt, was zu begreifen ist. Das Blättchen bringt gelegentlich auch v«standen: in ein« besondere diejenigen Leser, die in ihrer mit der Lchriftlkitung überc »stimmen. Jeder andere Leser kann sein Humorbedürfnis f ist in jeder Nummer durch die Lektüre ernst gemeint« Aussänc üb« dem Strich befriedigen. Auch die gefühlvollen'Stelleder Romane sind meist von erschütternder Komik. .In d« erwähnten Rubrik fand sich vor kurzem folgend:r „Win Valuta Iw« gute Freunde treffer „Nu, wie geht's Dir? »Mir? Mir geht'» glätne> „Glänzend? Was machs „Ich bin Schnorrer in H „Mir? Miserabel!" „Wieso miserabel? Was „Was ich bin? Ich bin „Esoi!" Nehmen »pir diese zehn Sie kehren uns mancherlei. Der Witz an sich ist gar M-» treffend den zwischen Hottanl» schied des Geldwertes, genau so gut hcrauskommen dmch den angewandten zwischen zwei Juden geführtes Man versuch« einmal, den ».an statt „ml" das Wort Wort „Bettler" und statt deutschen Worte „Ach so!" die Pointe nichts von ihzei Verdeutlichung dessen, was Humor". Wohl- Rubrik unter dem Strich für Gefühls- und Gcistesrichtung für zwischcnschichtlichcn Humor -Elend. sich auf der Reise, ftagte der eine, nd!" laut« di« Antwort, du denn jetzt?" glland. Und wie geht's Dii?" bist Du denn jetzt?" Millionär in Warschau." Zeilen einmal unter die Lupeflicht übel. Er verdeutlicht ganz und Polen bestehenden Unter- Kern des Witzes würde aber wenn die Anekdote selbst nicht uschel-Jargon als ein gerade Gespräch gekennzeichnet wäre, in der Form zu lesen, daß „nun", statt „Schnorr«" da» herzerquickenden „Esoi!" di« setzt.. Man erkennt sofort, daß Wirkung verliert, daß «S zur - Diy zeigen will, belanglos Witz l es «a der