Haḳedem
- Journal
- Haḳedem
- Volume
- III (1909)
- Issue
- 1/2 (März-Juni 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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/ 6 V. Aptowitzer. mit unausweichlicher Notwendigkeit, dass die Boraitha, die die Erzählung von der Isolierung der Uebersetzer aufgenommen, älter ist als die kirchenväterliche Theorie von der Inspiriertheit der Septuaginta,1) und daher die Erzählung selbst noch viel älter sein muss und ursprünglich mit der Inspirationstheorie nichts zu tun haben konnte. Wenn nun aber dies der Fall ist, wenn die Erzählung von der Isolierung der Uebersetzer älter ist als die Theorie von der Inspiriertheit der Uebersetzung und nicht als Beweis für diese Theorie erfunden, sondern erst später als Beweis dafür verwendet worden ist, wie ist diese Erzählung entstanden? Ist sie pure Erfindung? zu welchem Zwecke ist sie erfunden worden? wrer ist der Erfinder, der ״mendaäo suo die 7־ Zellen zu Alexandrien errichtet“? Die alexandrinische auf die alte griechische Uebersetzung warfen, seit sich die Christen derselben gegen sie zu bedienen anfingen, wissen die altrabbinischen Quellen mit dieser Erzihlung nichts anzufangen“. Dass vun einem ״gleichmässigen abersetzen unter göttlicher Einwirkung“ in dem talmudischen Berichte auch nicht eine einzige Silbe steht, werden wir später sehen. Auch worin sich eine Verlegenheit der ״altrabbinischen Quellen“ in bezug auf diese Erzählung zeigt, ist nicht einzusehen. Gibt man aber dies alles zu, so muss man erst recht fragen: Wenn die altrabbinischen Quellen aus einer Zeit stammen, als die Christen sich der Septuaginta gegen die Juden zu bedienen anfingen, was bat die Rabbinen veranlasst, eine fQr die Septuaginta, die ihnen so sehr verbasst war, gar schmeichelhafte Erzählung aufzunehmen, um dann nicht zu wissen, was mit ihr anzufangen? ') Von der Inspiriertheit der Septuaginta im Sinne der Kirchenväter, das heisst von Inspiration im eigentlichen Sinne, ist bei Philo nicht die Rede. Er sagt: ״Diejenigen, welche Vorlage und Uebersetzung ,vergleichen können, werden wegen der wunderbaren Uebereinstimmung zwischen beiden 06״/ iptiijvio( ixthout d׳X' UpdpdvTts xal npopiftat xpoaayop»6»*rxg, off rro anSpaptlvXoytauoit *iitxptviat Tt/j Mtuuaiuit xa&apwrdxtp xvtupau■ (De vita Mosis, II 7, Wendland S. 94, 15-28). Man wird also die Uebersetzer bloss für Propheten halten, denen esdurchihre lautere Vernunft geling, dem reinen Geiste Mosis zn entsprechen. Dass Josephus nichts von der Inspiriertheit der Septuaginta weiss, hebt schon Hieronymus hervor, vgl. oben (S. 4). Die Judenchristen, die Hebräisch verstanden und in ihrer Polemik sich des hebräischen Textes bedienen konnten, konnten kein Bedürfnis nach einer inspirierten Uebersetzung haben. Beweis Hieronymus! Das Bedürfnis nach einer inspirirten, daher dem Original gleichwertigen Ueber- Setzung konnte nur bei paulinischen, des Hebräischen unkundigen, Christen entstanden sein. So ist auch Justin, im Anfänge des IL Jahrhunderts der erste, der von der Inspiriertheit der Uebersetzer spricht