Haḳedem
- Journal
- Haḳedem
- Volume
- II (1908)
- Issue
- 3/4 (25. September/Dezember 1908)
- Date
- 1908-09-25
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German, Hebrew
- Belongs to
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r Die rabbinischen Berichte über die Eutstehung der Septuaginta. Hl die 72 Männer wurden vom Hohenpriester zu Jerusalem geschickt, je sechs aus jedem jler 12 Stämme gewählt — geht hervor, dass Aristeas wenigstens die Sage dahin gedeutet hat, es habe eine Einflussnahme auf die Übersetzung seitens einer jerusalemischen Behörde stattgefunden, welche Behörde als Fortsetzung der 70 Männer in Num. 11,6 — mit Moses und Ahron 72 - gedacht wurde1)• Es ist nun die Frage, ob denn diese Deutung durchaus in das Reich der Phantasie verwiesen werden muss, ob sie nicht vielmehr echte, glaubhafte Tradition sein kann. Wir wollen sehen. f Die ״grosse Synagoge“ ist ein ״rabbinisches Märchen’‘, sagt die moderne Forschung. Qut. Wer kann aber auch nur eipen Augenblick daran zweifeln, dass seit Esra, ״seit jenem wichtigen Ereignisse, dessen epochemachende Bedeutung auch in der Erzählung des Buches Nehemia gebührend hervorgehoben wird: seit der Verlesung des Gesetzes durch Esra und der feierlichen Verpflichtung des Volkes auf dasselbe2),“ in Jerusalem eine Behörde bestanden haben muss, deren Aufgäbe es ,war, das ״Gesetz“ auszulegen, über die Beobachtung desselben zu wachen, und in zweifelhaften Fällen autoritativen Bescheid zu erteilen? ״Wie es in erster Linie die religiösen Interessen gewesen waren, welche den Anlass zur Neubegründung gegeben hatten, so war auch die Form des neuen Staatswesens mehr die einer religiösen als die einer politischen Gemeinde*).“ Eine Religionsgemeinde ohne Religionsbehörde ist aber undenkbar. Und Esra, der Begründer dieser Religionsgemeinde , den der ״reinste Feuereifer für die Wahrheit der Religion seiner Väter und deren Geltung unter den Menschen auf eine ganz neue Weise ergriffen und sein ganzes Leben hindurch wunderbar belebt und gestärkt hat“4), Esra sollte nicht dafür gesorgt haben, ') In der Schrift seihst ist zwar von der Wahl der 7Q Männer aus den einzelnen Stämmen nicht die Rede, aber die Tradition setzt dies als selbstverständlich voraus. Vgl. Sifre Num. § 95, Synhed. 17», Jerusch. ibid. 1 4 (19* 66). ’) Schürer, Gescbiohte *. II S. 306. Von mir gesperrt. *) Schürer, op. c. I 8. 181. Von mir gesperrt. 4) Ewald, Geschichte des V. Israel *, IV S. 1(>1. Ich zitiere absichtlich gerade diejenigen modernen Forscher, welche die Existenz der ״grossen Synagoge“ mit aller Entschiedenheit leugnen. Aber dio Ansicht der Modernen