Haḳedem
- Journal
- Haḳedem
- Volume
- I (1907)
- Issue
- 4 (25.12.1907)
- Date
- 1907-12-25
- Page
- [Seite] (sequence 65)
- Language
- German, Hebrew
- Belongs to
- journal issue
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209 Nach einer kurzen aber mustergültigen ״Vorgeschichte“ des Kanons im ersten einleitenden Kapitel (p. 1—7) übergeht der Verfasser au den ״ältesten Dichtungen“ des A. T. (p. 7-22-׳). An dieser Stelle hätte der V. im Interesse der Leser gut getan, eine allgemeine Charakteristik der althebräischen Dichtung voran zu schicken. Da wäre eine sachliche und förmliche Gliederung der poetischen Erzeugnisse der althebräisehen Literatur am Platze. Die gebotenen Textproben orientieren uns nur sofern den eeiflichen Charakter, das Wann derselben anbelangt, wir er• halten aber dadurch noch lange keinen näheren Aufschluss über Wesen und Bedeutung der poetischen Kategorien (Volksdichtung, Preislieder, Parabel- und Fabel-Dichtung, Spottlieder, Poesie in den Fluch- und Segensprüchen, Trauer- und Klagelieder) und der rhetorischen Figuren der althebräischen Dichtung1). Innerhalb des Deboraliedes, das B. als erstes Probestück aufführt, lassen sich eben abgesehen von der metrischen Form desselben, viele Stücke der poetischen Gattung nach unterscheiden. Mit Bezug auf Num. 21,14 bemerkt B. mit Recht, dass ״es sich um eine Sammlung historischer Volkslieder handelt, deren Alter über das der Geschichtserzählung hinaufreicht“ (p. 18), bald darauf aber begeht er mit allen Kommentatoren zugleich den alten Fehler, J08. 10, 12 als Siegeslied zu bezeichnen: ״Josua hat die Feinde geworfen, aber er fürchtet, dass die Tageshelle nicht reichen wird, um den Sieg auszunutzen. Da ruft er angesichts seiner Krieger: ״Sonne, zu Gibefön halt ein Und Mond im Tale ’Ajjalon! Und die Sonne hielt, und der Mond stand still, Bis das Volk sich gerächt an seinen Feinden.“ Wie ich gelegentlich an einem andern Orte2) ausführlich bewiesen habe, handelt es sich hier nicht um ein Siegeslied, sondern um einen auf kriegerische Unternehmungen sich beziehenden Orakelausspruch, der als Vorzeichen des unbedingten Sieges gelten sollte, wie wir derartige Orakelaussprüche in der assyrischen Literatur finden. Ein ') Vgl. zuletzt A. Wflnache, Die Schönheit der Bibel, I. Bd. Ferner di« Bildersprache dee Alten Testaments. ’) Vgl. meine 8chrift, die kanaanRischen Monatsnamen in ihrem Verh<nia zu den babylonischen, Berlin 1907, p. 5 fl.