Die Bne Briss
- Journal
- Die Bne Briss
- Volume
- 1937
- Issue
- Nr. 1/2 - Januar/Februar
- Date
- 1937-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/6727476-6029215-6074921--57-4869916- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
L daß ihr Dasein in der Errichtung eincir oder mlehntrer jüdischer Volksschulen hätte offenkundig werden müssen. Das hätte insbesondere in den- Gehieten des Die jüdische Volksschule Von Br. Siegfried Braun, Köln.. Die jüdische Volksschule ist. wie alle jüdischen wirkten. Immerhin gah es in den Großgemein Jen Bildungsstätten westeuropäischer Prägung, in den so viele minderbemittelte und arme jüdische Familien, hinter uns. liegenden Jahrzehnten heftig umkämpft worden. Als infolge des Mendelssohnschcn Wirkens die ersten Schulen gegründet wurden, in denen die Jugend sicff jüdisches und profanes Wissen aneignen sollte, da wandten Sich die Altfrommert gegen diese . nijrh ihrer Thtfrzeugung unzulässigen Neuerungen auf kulturellem Gebiet. Die unerhittliche Wirklichkeit ging rasch üher ihre Proteste hinweg, und es entstanden nacheinander jene bekannten Erziehungs- und Unterrichtsanstalten.- die der Forderung der Zeit gerecht zu werden versuchten. Ks galt ein Geschlecht heranzuziehen, das von allgemeinem und jüdischem Kulturgut so erfüllt war. daß es ohne Schwierigkeiten sich der Umwelt anpassen konnte. Der Reiches geschehen müssen, in denein die konfessionelle Trennung der Volksschüler durchgeführt var. anden AssimiJationsprozeli \ Schnelligkeit, und in Bildung erwarb, d. h; besuchte. H|zog sich in unerwarteter wenigen Dezennien schien er seiner Vollendung nahe zu seih. Selbst die unter der Führung eines Samson Raphael Hirsch siehende Neuorthodoxie wagte den folgenreichen Schritt zur modernen Schule. Ks waren vorwiegend gesellschaftliche Ambitionen, die die Haltung der Elternschaft Schulfragen g*^em über bestimmten. Allen Juden gemeinsam war wohl der Wunsch, das kommende Geschlecht auf sozial aufsteigender Linie zu sehen.. Dieser Aufstieg konnte indes nur erfolgen, wenn die Jugend sich «eine höhere wenn sie die höhere Schule Aus der' Notwendigkeit. Schulgeld zu bezahlen und viele Kehrmittel anzuschaffen, ergab sich der ZAvang zum Verzicht auf den Besuch der höheren Schule in den minderbemittelten Kreisen von selbst, und so erhielten die Volksschulen, namentlich in den I ' ■* . * '' 1 großen Städten, oft den Charakter von Armenschulen. DiFzu trugen in nicht geringem Maße die Vorschulen bei. die den höheren Schulen angegliedert waren, und erst mit dem Tage, an dem sie aufgelöst wurden und alle Kinder die Grundschule besuchen sollten, wich das Odium derArmut von dem Antlitz der Volksschule. . Es herrscht vielfach die Meinung, die jüdischen ^Bevölkerungsschichtejn seien opferwilliger gewesen, wenn die Frage zu entscheiden war. in welche~1Schule die Kinder gehen sollten. So habe es sich ergeben, daß ein höherer Prozentsatz jüdischer Schüler die höheren Kehranstalten besucht häfbe als christlicher Schüler. Diese Auffassung scheint uns irrig zu sein. Die Opferwilligkeit ist in christlichen Kreisen gewi&nicht geringer gewesen, und wenn trotzdem die Statistik recht haben sollte, so nur aus dem Grunde, weil die in langer Tradition erworbenen Neigungen.zu geisti- 0 ger Arbeit im jüdischen Menschen besonders stark Aus zwei Gründen entwickelten sich die Dinge ders: die christlichen Schüler konnten leicht!in Bezirks-Volksschulen untergebracht Verden, in diren Umkreis sie gerade wohnten: die Frage der Klinge des "Schulwegs spielte hier keine Rolle. Die jüdisrhen Familien siedelten zwar in einer bemerkenswerten Regelmäßigkeit in bestimmten Stadtvierteln und in einer Reihe bevorzugter Straßen.*) Allem diese I lgen nicht selten weit auseinander, und eine Zusammen-, fassung der Schulpflichtigen in einer zentral ,gelegenen Schule war wegen der Entfernungen nichtTdiirch-" führbar. So übergab man sie. ..der Not gehorchend", .den christlichen Volksschulen, die in kurzer Zeit erreicht werden konnten. Wollten wir. das Zitat ergänzend, hinzufügen: ..nicht dem eigenen Triebt". — so träfen wir nicht den wahren Sachverhalt; de ,n es gab nicht wenige Eltern, denen die Zwangslage will- "~1«Mttrn^n_jy£iv weil sie aus mancherlei Gründer! von einer jüdischen vVilkw liule~"^nicht« wissen wojliten: bei fast allen stand im Untergrund der Überlegungen die Angst vor einer gesellschaftlichen Abschlußung ihrer Kinder. In den Mittel- und Kleingeme nden habeiji sich die Dingq anders entwickelt. Es entstanden zwar. hier vielerorts keine jüdischen Volksschulen, we 1 sich wie in den auch Großauch hier ähnliche Gedankengänge gemeinden hindernd in den Weg stellten. Immerhin erwiesen sich die örtlichen Verhältnisse häufig als günstiger, und in den Städten und Dörfern, in denen Volksschulen ins Keben gerufen wurden, zeigten sie nicht die Züge der Armenschule. Auch< die «linder des Mittelstandes und der reichen Juden hes achten sie, wenigstens die Grundschulklassen, und j selbst nach dem Ubergang zur "örtlichen höheren Schule wurde durch den Besuch des Religionsunterrichts der Volksschule der Zusammenhang mit dieser gewahrt. Nicht ohne spürbaren Einfluß auf die Gestaltung i j *? des jüdischen Volksschulwesens im Reich bl eb die behördliche Schulpolitik. Sofern ^ie sich von dem Gedanken der konfessionellen Schule leiten ließ, zeigten sich die Behörden durchweg genleigt. Antra reri auf Errichtung jüdischer Volksschulen zuzustimmjen. In d«e_d *) Eine instruktive Untersuchung, aufwies, brachte vor Jahren die ..Zeitschr und Statistik der Juden" von Dr. ing. Pinthus lesen Sachverhalt ift für Demographie 4