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Die Bne Briss · 1936-09-01 · Nr. 9/10 - September/Oktober · p. [Seite]

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Journal
Die Bne Briss
Volume
1936
Issue
Nr. 9/10 - September/Oktober
Date
1936-09-01
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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wenn einer längerer Abhängigkeit von magerer Wohlfahrtsunterstiitzung entgehen, wenn einer seine Vit pflichtungen der zurückgelassenen Frau und Kindern gegenüber erfüllen sollte, so bot die Fabrik oder der „Sweatshop" die einzige greifbare] Möglichkeit, l ud so suchte er denn Fabrik oderj „Swcats 10p". Das Interessante an der Sache ist, daß viele iieser Einwanderer zum erstenmal in ihrem Lebei Fabrikarbeit nahmen. Der jüdische kleine Händler aus Rußland oder aus. Polen wurde in dem ncipcn Lande der Verheißung zum Lohnarbeiter, so wie jder polnische Bauer zum Bergmann und der italienische Bs uer zum Obsthöker oder Stiefelputzer. Vom Standpunkt zuverlässiger statistischer Erfassung ist es außerordentlich bedauerlich daß die Volks IV IL Zählung in den Vereinigten Staaten die Juden niemals als eine national-besondere, spndcrn nur als eine religiöse Gruppe angesehen hat. Und eine falsche Furcht vor dem Verdacht religiöser Unduldsamkeit hat die Volkszählung —- vielleicht die bedeutendste Quelle statistischer Information in der ganzen Welt gehindert, in ihren grundlegenden statistischen Rubrizierungen von der Religionszjugehöri( kqit irgendwie Kenntnis zu nehmen. Daraus,ergibt sich, daß genaue Feststellungen über die YVirtschaHsla{ e der amerikanischen Judenheit außerordentlich sp Irlich und also unzuverlässig sind. Man ist genötigt, sich im wesentlichen auf allgemeine Beobachtunger zu verlassen. Aber aus den wenigen Spezialstudien die unternommen worden sind, kann ein Bild der Entwicklung des jüdischen Arbeiters in den Vereinigten Staaten gewonnen werden. Bei seiner Ankunft halle?r infolge seiner Lebensverhältnisse im Heimatlande selten die körperliche Zähigkeit, die nur aus dem, Leben im Freien und der Berührung mit dem Boden erwächst. Er war ein Produkt der Stadt, sei es auch manchmal einer kleinen Stadt oder selbst eines Dorfes, und iiatte weder Erfahrung im Bergbau, in der Bausirbiit oder Schwerindustrie, noch die nötige Muskelkraft dafür. Nachdem er die Jugendjahre seines Lebeis hindurch bei dem Thorastudium auf einer harter Bank gesessen hatte, war* er nur fähig, sich wieder auf eine harte "Bank zu setzen, um seine Nähnadel zu gebrauchen; für viele freilich war das auch seport der heimatliche Beruf gewesen. Demgemäß sind die Anfange jüdischer Arbeit in den Vereinigten Staaten eng verbuneen mit der Ehtwicklung der sogenannten Nadelintiustrien, Herren - kleidung, Damenmäntcl und Kostu usw. So wurde in den Vereinigten sehr großen Teil ebensowohl du rcr wie durch jüdisches Kapital und jüc ischen Unternehmergeist die große Konfektions-Ind Mehrere Jahrzehnte lang war die S die wirtschaftliche Existenzgrundlqg' i Vereinigten Staaten! Insoweit es nie, Pelze,' Mützen Staaten zu einem jüdische Arbeit istrie geschaffen, hnadel sozusagen der Juden in den diis erste Ziel piner Jiid. \luirum Die Träne auf dem Eisen Emwandtrrcrgruppc. sein muß. irgendeine wirtschaftliche Exi|>tenzbasis zu.finden, kann man die Nähnadel Rettung der amerikanischen Judenheit jener als die Zeit hezt jüdische lehnen. Aber es war ein hoher Preis, den der Kiliwanderer liir diese Rettung zahlen mußte. Der hilflose ungewandte, unwissende jüdische Einwanunwissend mindesten^ der amerikanischen amerikanischer Methoden und amerikaniderer — Sprache,! scher Lebensformen — war unfähig. Verträge abzuschließend er war ein ausgezeichnetes Xusbeutungsobjekt. Vielleicht" war er sich .dessen oft nicht einmal bewußt, daß er ausgebeutet wurde, denn der "Sweatshop'' war nicht schlimmer als die Verhältnisse, denen er entronnen war; die langen Arbeitsstunden nahm r\ j * " ' r ' er dankbar hin in der Sorge, seiner Familie drüben zu helfen. In jenen frühen Zeiten gab es in den Vereinigten Staaten eigentlich keine spräle Kontrolle der Beschäftigungs- und Arbeits-Bedingungen. die ihn geschützt hätte, und während ei; eler Haupt-Leidtragende der Unerträglichen Sweatshop-Züstände war, wurde er gar von deramerikanischen Arbeiterbewegung als eine Gefahr,[für den. Standard der Arbeits- und Lebensbedingungen in den Vereinigten Staaten angesehen. Die Arbeiterführer jener Zeit befürchteten, daß es eine aussichtslose Aufgabe sein würde,, diese große Masse 95

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