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Die Bne Briss · 1936-09-01 · Nr. 9/10 - September/Oktober · p. [Seite]

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Journal
Die Bne Briss
Volume
1936
Issue
Nr. 9/10 - September/Oktober
Date
1936-09-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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städtischen Berufe zumindest bis zum ersten Viertel des 19. Jahrhundorts gar nicht hätten eindringen können. Charakteristisch ist jedenfalls für die holländische Judenheit. wenigstens in der Gestalt des Amsterdamer Ghettos, dali hier keineswegs die Tendenz zur Flucht aus den Berufen körperlicher Arbeit in Verbindung mit der Sehnsucht nach schnellem sozialem Aufstieg besteht, sondern, daß man hier mit ruhigem Konservatismus an ererbten Berufen festhält. Dps Bild unterscheidet sich dahef in vielem von dem, was wir aujs der jüdischen Entwicklung in Deutschland! kennen. Vor Jüdische Arbeiter in Amerika Von Br. J. M. Rubino w , s. A.') ■ P.Ä i 1 f■ \ hundert Jahren gab es in den Vereinigten Staaten nur eine Handvoll Juden sehen Ma weniger als (5 ODO. Heute übersteigt diese Zahl vermutlich vier und eine halbe Million, beträgt also das Dreihundertfachc. Einwanderung ist selbstverständlich mehr als natürlich» Vermehrung die Ursache dieses Vorgangs, , und /war \ erhält nismäßig neuere Einwanderung, denn noch vor 5t Jahren waren kaum 250000 Juden in Amerika, j . i j ' Wenn es auch in den Vereinigten Staaten vom Anfang ihrer Geschichte an einzelne Juden gegeben hat. und riffle amerikanische Juden ihre hiesige Ahsfariimunf mehrere Generationen zurückverfolgen können s > bleibt es trotzdem richtig, daß auch heute die weit ü »erwiegende Mehrheit der Juden in Amerika entweder im Auslände geboren ist. oder daß ihre Eltern im Auslande gebor.-n sind. Die Periode, der Massenein .vaaiderung beschränkt sich auf die vierzig Jahre von 1881 bis 1922. Manche kamen, um religiöse Duldung und Freiheit zu finden, andere, um günstigere Umstände für ihre politischen Ideale zu suchen, . .her letzten Endes werden Masscnbewcgunten an. Dieser Eindruck ist besonders stark, wem man das jüdische Leben nur in den kleineren Städter des Landes betrachtet! Denndch trifft das.völlige Gegenteil au. Mit den verhältnismäßig wenigen Fällen sichtbaren persön liehen Erfolges verglichen, ist die Mehrzahl der Juden in den Vereinigten Staaten in erster Linie! eine Masse von Lohnarbeitern. w|e man das ohne weiteres selbst hei einem oberflächlichen Besuch der jüdischen Viertel in New York, Philadelphia. Chicago, Boston und kleineren Zentren jütl Detroit. Baltimore. P erkennen kann. Die erster Linie ein Hände ischen Lebens, wie Clevelaüd ttsburgh und anderen Städten Vorstellung, daß ein Jude i" smann und zu körperlicher Arbeit ungeeignet sei, is( unter jüdischen Lebensbedingungen in Europa entstanden, wo historische, gesetzgeberische und gesellschaftliche Beschränkungen ihm Jahrhunderte lang der Eintritt in produktive Berufe verschlossen und seine Erwerbsmöglichkeiten im wesentlichen auf Handel und Geschäft beschränkten. Diese Vorstellung ist viel länger lebendig geblieben als die Bedingungen, die sie rechtfertigten, ebenso wie die gehl von wirtschaftlichen Gründen bestimmt. Die jüdiparallele Vorstellung, daß der Jude sich der Landwirts>en kamen, ebenso wie andere YVanderungsstrome. auf der Suche nach günstigeren Lebensbedingungen. Sie kamen aus Mittel- und Osteuropa, zuerst aus Deutschland und Oesterreich, später aus Rumäj i . . nien. Gali; ien. Polen und Rußland. Es waren wohl auch einije darunter, die wirtschaftliche Sicherheit aufgaben, um ein weiteres Feld für Abenteuer zu finden. Ahe - die meisten waren arm; sie kamen nach den Yerei ligten Staaten auf der Suche nach Brot; dies war i ir erstes Ziel. Der Erfolg, den einzelne^ im Bankwesen, in Handel und Industrie, in freien Berufen. Kunst und Literatur erzielt haben, auffallende Einzelverr lögen, die Schöpfungen und Anstalten, die dank der Freigebigkeit jener erfolgreichen Einzelnen < ntstander sind, die Synagogen. Vereine, ..Social Centres". Kn nkenhäuser, Alt<frsheime. Kindcr-Fürsorge- Anstalten, all dieses hat den Eindruck erweckt, als gehörten (ie Juden alle den oberen YVirtschaftsschich- T schaft nicht anpassen spiclsweise.- überhaupt lasse. Wie weit ist es, beibekannt, daß es in den Veref Farmer *) Der nicht mehr aqf 94 .'erlasser hat. die Veröffentlichung seines Aufsatzes erlebt. Einen Nachruf widmet ihm die Großloge auf Seite IC 7 dieser Nummer. I). Red. einigten Stalten viel Inehr jüdische gibt als Bankiers und selbst als Arzte und Anwälte? Vielleicht kann im n den eingewanderten Juden den Eintritt in die schaffenden Berufe in diesem Lande nicht als besonderes Verdienst anrechnen^ es war im allgemeinen mehr eine Sache der Not ali der Wahl. Die frühe jüdische Einwanderung zwischen 1848 und 1880, die aus Deutschland kam, verbreitelte sich über das ganze Land und nutzte die Möglichkeit des Ein-, gangs in den Kleinhandel, den die unentwickelten Märkte boten. Viele der größten jüdischen Vermögen hierzulande halten ihre Grundlage in dem einfachen, aber schweren Geschäft des Peddelns, „mit dem Päckel auf dem Rücken" oder mit Pferd und Wagen; aber die mit den achtziger Jahren einsetzende Masseneinwanderung, dje sich auf New York und andere große Städte zentrierte, bot eine solche Möglichkeit nicht. Wenn einer in kurzer Zeit sein Brot verdienen,

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