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Die Bne Briss · 1936-09-01 · Nr. 9/10 - September/Oktober · p. [Seite]

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Journal
Die Bne Briss
Volume
1936
Issue
Nr. 9/10 - September/Oktober
Date
1936-09-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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neu Angekommener zu organisieren, ihnen Theorie und Praxis per Kollektiv-Verträge beizubringen. Es fehlte ihnen die Streitbarkeit des irisehen. die soziale Vorbildung i nd Erfahrung des deutschen Einwanderers der früheren'Zeit*. zieht, so hat seit den frühen achtziger Fortschritte Wenn man diese Hemmungsgründe in Betrachtdie jüdische Arbeiterschaft hierzulande Jahren bemerkenswerte gemacht. Jhre Erfolge sind vielleicht nicht so sichtbar wir die von einzelnen .luden in Handel oder Industrie erreichten, aber es war und ist doch die Loi inarbeit. die I Iimderttausenden von Familien ihren l" iterhalt flegeben hat. Die jüdische Arbeiterschaft ist noch jetzt vorwiegend in den sogenannten Nadel-Indus rien beschäftigt, aber sie ist es nicht mehr mi ausschließlich, wie vor 25 oder BO Jahren, sie hat sieb auch in anderen gelernten Berufen ausgebreitet, w e Druckerei- und Verlagsarbeii Hau- und Ingenieur-Wesen. Maschinen-Bau U. s. w. Auch sind ■ '-^1 \ ■ i. die Nadel-Ii dustrien heilte nicht m-hr so vorwiegend or einem Viertel ja hrhundert. Aber es ist daß dieser Fortschritt der jüdischen Arm den Vereinigten Staaten nicht etwa jüdisch wie bezeichnend, bei^erschaft, durch _ Unterbietung der eingeborenen amerikanischen oder einer anderen eingewanderten Arbeiterschaft erzielt worden ist. Schon 1905 zeigte e in Buch über die wirtschaftlichen Verhältnisseder eingewanderten Jafenscfaafj auf. daß das Lolin-Niveau in den sogenannten jüdischen Gewerben nicht niedriger, sondern hoher war als das Lohn-Niveau in anderen Industrien, und bei Ve gleichung gilt dies auch heute noch ebenso wie damals Die jüdische Arbeit hat sich nicht ab» ein.» Hemmschuh oder ein Hindernis für die amerikanische Ar >eiterbew egung erwiesen; im Gegenteil, sie stand ha d mit in ihren vorderen Reihen. Die " Amalgamated (Jothinf Workers" und die " International Gannent Workers'" werden als die fortschrittlichsten Und tat-' kräftigsten Gewerkschaften in den Vereinigten Staaten anerkannt' Ihr Lohn-Niveau ist höher, und Arbeitsbedingungen in Bezug auf Arbeitszeit, Hygiene u. s. w. sind von dem fortschrittlichen Geist dieser Organisationen günstig beeinflußt worden. Arbeits ..Tarife", aljso Lohn-Vereinbarungen zwischen den Unternehmern und den Arbeitern, mit grundsätzlichen Bestimmungen füi Schlichtung und schiedliche Entscheidung entstehender Differenzen bilden einen besonderen Beitrag der jüdischen. Gewerkschaften zur Organisation der amerikimischen Arbeit. Einen weiteren besonderen Beitrag bildete die Arbeitslosenversicherung auf der Grundlage freiwilligen Abkommens zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Die jüdische Arbeiterschaft hat ihre eigene bedeutsame Presse geschaffen, für die der "New York Forward". der die größte Auflageziffer unter allen jiddischen Zeitungen der Welt hat. das bemerkenswerteste Beispiel bildet. Die Amalgamated Bank'' in New York ist eine der weni- 96 gen Arbeiter-Banken, die sogar den Banksturm der letzten drei Jahre überstanden haben. Zu den Beiträgen, die jüdische Arbeit dem amerikanischen Leben geleistet hat, -gehören ferner genossenschaftliche Siedlungen, Erziehungsanstalten. Ferienkolonien, Kranken- und Sterbe-Kasjen und Kliniken. Zweifellos hat sich die sprichwörtliche Fähigkeit für geschäftliche Unternehmung find Leitung - das Ergebnis der Jahrhunderte langen äußeren Einflüsse — in den arbeitenden jüdischen Massen erwiesen. Fs gab einen'ständigen Übergang .von der Lohnarbeit in die Reihe der Arbeilgeber. Der tüchtigste Arbeiter wurde Vorarbeiter, der Vorarbeiter ein kleiner Unternehmer und der kleine Unternehmer allmählich ein großer Arbeitgeber. Der tüchtige Tischler entwickelte sich durch Jahrzehnte und vielleicht auch eine oder zwei Generationen hindurch zum Bau-Unternehmer großen Stils, wie der kleine Ladeninhaber in Einzelfällen nach und nach ein Großkaufihann wurde. Aber von 18S1 bis zum Beginn des Weltkrieges wurde diese zwar sichtbare aber im Grunde doch verhältnismäßige vereinzelte Erscheinung mehr als ausgeglichen durch den Zufluß, neuer Einwanderung aus Europa in den amerikanischen Arbeitsmarkt. Während der letzten zehn oder zwölf Jahre hat es eigentlich überhaupt keine irgend nennenswerte jüdische Einwanderung gegeben. Die besonderen Möglichkeiten, die die Periode der übermäßiger! wirtschaftlichen Entwicklung zwischen 1922 und 1929 jedem Unternehmenden bot. der wachsende Zustrom jüdischer Jugend hiesiger Geburt wenn auch von zugewanderten Eltern zu dien hohen Schulen und Universitäten, die allgemeine amerikanische Tendenz des Aufstieges von Kindern aus den Verhältnissen ihrer Eltern, der Anreiz der freien Berufe, all dies hat zweifellos innerhalb der Judeijschaft in Amerika eine beträchtliche Abwanderung aus den Reihen der Arbeiterschaft in die des Geschäffsuntcrnehmens, der akademischen und der sogenannten Stehkragen-Berufe verursacht. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß. wenn genaue statistische Ziffern verfügbar wären, die Anzahl der Lohnarbeiter oder doch mindestens ihre Verhältniszahl von 1920 bis heute eine Senkung zeigen würde. Es ist gesagt wordeji, daß die allgemeine wirtschaftliche Richtung jüdischen Lebens in Amerika im letzten halben Jahrhundert mit den beiden Worten „nach oben' net werden konnte. und ,.nach außen bazeich- Wahrscheinlich jedoch hat die 1929 beginnende industrielle Depression jene Tendenz erheblich in ihr Gegenteil verkehrt. Viel jüdisches Kapital ist verloren, manches jüdische Unternehmen ist zu Grunde gegangen. J)ie freien Berufe beginnen die gleiche Uberfüllung zu zeigen, die in Europa seit mehreren Generationen spürbar gewesen ist. Überdies ist der Zutritt zu diesen Berufen mit ständig sich steigernden Schwie-

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