Die Bne Briss
- Journal
- Die Bne Briss
- Volume
- 1936
- Issue
- Nr. 9/10 - September/Oktober
- Date
- 1936-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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ligung psychologischer Ghetto-Daseins,- Heran ildun Nachwuchses und vor allem der jüdischen Arbeit. Auch vom Handwerk hal telalter gewaltsam entfernt Innig L'int zogen und der Heranzit dernisse in -den Weg ce legt. Das einmal Erlernt b konnte Erscheinungen, alsf Folge des $ eines entsprechenden un die Qualifizierung in; n die Juden, im Mit Es tung des Handwerks lu iter den Juden Schranken geleiten und dutch Schal I nn nicht nehmen. So finden wir dach im Anfange des 19. Jahrhunderts iibcjrall dort w jüdische Handwerker In den ukrainisch» \\, litauischen und weißrussi ) Juden lehen, auch id Arneitir. sehen Städten bilden 25—Hb0/» der erwerbstätigen Sic sind vertreten fast in und Gewerbes: in derK macherci. Schlosserei lerei, Malerei. Glasejre Färberei u. a. 40 °/i alh?n irs'chnirei die nan aber den Juden jüdischen Handwerker jüti sehen Bevölkerung. Tischlert /o der jüdische ten ohne jegliche IiiIfs»rbeitskrälte und nur 7% schäftigen über 5 Arbeiter. lief Anteil d Mühlen fi Es wächst auch stric und dem Gewerb l'abi iken.MinerahvaS! erfabrikerl. gewerbliche Betriebe, mit Arbeitskräften besetzt, irbeiten siedlungsrayon, sondern auch sehen Markt. Dort, wo Juden lern der Zutritt verboten ist, jüdischer Arbeit ohrc \ reiferes In manchen Industrien waren die Juden führend, und einige Industriegebiete hatei ihnen ihre Entstehung zu verdanken. Die B ü r s t c n i n ti u s t r mals fast ausschließlich liiert Allein in dieser Ilranche \v;i sehe Arbeiter beschäftigt. Bei der Entwicklung der 2 uc k e r i n'd u s t r i e haben dje Juden eine wichtige R >11e gespielt. Sic haben auf diesem Gebiete Hervorragendes geleistet. Die ersten Zuckerfabriken im der Utrainc sind 1845/1850 von den Juden Brodsky und Saitzew gegründet worden. 1913/1914 befanden sich von 234 Zuckerfabriken wurden der Entfal- Die ji dische Vitalität. , der Wille zur. Selbsterhaltüng lösten diesen Drang der Juden zur all-, mählichen Produkt ivierung ihres Wirtschaftslebens aus. Eis war ein langsamer, aber immer steigender Aufschwung. Es galt nunmehr, diesen natürlichen Prozeß in richtig geordnete Bahnen zu lenken, ihn zu 4 der nötigen finanziellen s Nachwuchses Hinwpigen des Handwerks Schneiderei, Schuh- Drechslerei, Satt- Klerjipijierei. Buchbinderei, i Werkstätten arbeibcludcn in der Induederfabriken, Seifen- Webereien und diverse rüßtenteils jüdischen nicht nur für den Anr den weiten russiijnd jüdischen Arbei- I in den die Erzeugnisse A i>satz. Rußlands war dain jüdi^cjhen Händen .konzenaren über 5000 jüdi- 76, d. h. ca. V», in Nach der Zählung Ivon 18 von der erwerbstätigen jüdische 35,4 °/o im Handwerk, Gewiirbe und Industrie und 4 °/o im Transport- und jüdischen Händen. i waren in Rußland Bevölkerung Verkehrswesen tätig. Am Vorabend des Weltkrieges gestaltete sich die sozial-ökonomische Struktur d< r russischen Juden noch günstiger, sodiß, unter Berücksichtigung der in der Landwirtschaft beschäftigten, ca. 50 % der erwerbstätigen jüdischen ß|evölker ing bereits inj produk riven Berufen tätig waren. Mittel weitgehend zu forde Diese wichtige liisloi isebe Aufgabe hat eine Gruppe jüdischer prominenter Persönlichkeiten -— .Prediger der Losung „Zivilisation und Arbeit" —, mit Gchcimral S. Poljakoff und Baron G. Günzburg an der Spitze, auI" sich genommen. Im Jahre 1880 gründete sie in Peti-rsburg die „Gesellschaft zw Förderung des Handwerks und der.Landwirtschaft unter den Juden (Ort)"*) Diese Gesellschaft.hat ihre Ideologie und ihre Arbeitspraxis auf systematischer Grundlage aufgebaut. ..Vom Handel zur manuellen Arbeit, vom J,uftmcnschen zum produktiven Arbcitsincnschen", war die Devise, die sie sich vor 55 sie bis zur Jetztzeil treu geblieben ist. "] Es beginnt unter den nierung prozesseh und Systematisie lahren gestellt hat. und der Juden Bußlands eine Pia? rung des l'mschichtungs- Ea wird eine propagandistische Tätigkeil unter den jüdischen Massen entwickelt. Es" wird mit den iKMfh in gewissen Kreisen verbreiteten Ghetto- Vorurteilen betreffs des -Handwerks Uberrest« des wirtschaftlichen und geistigen Niederganges - gründlich autgeräumt. Es werden in den Jahren 19041914 die ersten Fachkurse für Schneiderei, Schuhmacherei, Klempnerei. Schreinerei, Elektrotechnik u. s. w. errichtet. Es entstehen Lehrwerkstätten, Tages- und Abendfachschttfen. Es wird für die fachliche Ausbildung der jüdischen Jugend gesorgt. In den jüdischen Handwerkerkreisen reift der Gedanke, daß im Konkurrenzkampf des 20. .Jahrhunderts jüdische Arbeit Qualität s a r b e i t sein muß. Erwachsene jüdische Handwerker setzen sich wieder auf die'Schulbank und lassen sich in ihrem Fache vervollkommnen. Viele von ihnen werden nach Westeuropa geschickt, um sich als Inslruk eure und Fachlehrer auszubilden. Di« Jahrhunderte lang verfolgten und durch harte Schicks lischläge getroffenen Juden des zaristischen Bußlands kommen zu der Erkenntnis, daß sie zwar wirtschaftlichen und politischen Katastrophen nicht vorbeugen können, (faß sie diese aber ohne große Verluste überdauern werdeif, wenn sje ihr wirtschaftliches Lcien auf einer gesunden" normalen Struktur aufbauen, und wenn sie eiiie Jugend hinter sich haben, die für die Verankerung in -der Landwirtschaft,, im Handwerk und in der Industrie vorbereitet ist. *) Alibrevialur der 3 russischen Worte: Obschtschestwo Uasprosli anenija Truda. i **) D ese Gesellschaft vdrlegtc in der Nachkriegszeit ihren Silz als ,ORT"-Verband nach Westeuropa und umfaßt z. Zt. l.undt'sorganishtioiten in: Deutschland, Frankreich, England, U. S. A., Canatia, Südafrikanische Union, Polen, UdSSR., Litauen, Lettland;, Rumänien, Darizig und Bulgarien. 91