Die Bne Briss
- Journal
- Die Bne Briss
- Volume
- 1936
- Issue
- Nr. 9/10 - September/Oktober
- Date
- 1936-09-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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den übrigen Teilen des Landes gleitet das Lebensniveau der jüdischen Landwirte wie übrigens auch der sonstigen Bauernbevölkerung immer mehr herab, und die Verbuche, deren Existent auf eine intensive Gartenwirtschaft mit Export der Erzeugnisse in die übrigen Teile des Landes i.4o decken z. B. die jüdischen Wirtschaften ca TD " 4 des Bedarfs des Landes an Gurken) zu stützen, endeten! mit einem Mißerfolg, an dem die schwere Wirtschaftskrise im Lande zu einem bedeutenden Teil schuld verschiedener Gesell der "ha" und des »ein mag. Nicht einmal die seitens 1 .chatten in erster Linie seitens Ort" den jüdischen Landwirten gewährte ziemlich tedentende Kredithilfe und Fachberatnng hat diesen Zustand zu ändern vermocht. Der jüdische Landwirt, der seiner geistigen Struktur nach für die weniger monotone und mehr Anforderungen an geistig« Arbeit stellende intensive Land- Avirlschaft geeignet i$t. findet in den primitiven Bedingungen des polnischen Wirtschaftslebens keinen Zutritt zu ihr. er ist aul (erstände*, auf das Niveau der materiellen und kulturellen Bedürfnislosigkeit des polnischen Bauern zu sin ien, findet aber auch in der jüdischen Gesellschaft zlu wenig Interesse und zu wenig Anerkennung für seih Wirken lind Schaffen. Bei derartigen Bedingungen kann kaum von einer normalen .Weiterentwicklung dieses Standes gesprochen werden. Viele wandern in die Städte, viele auch ins Ausland ab. Nur eine radikale Änderung in den Wirtschaftsbedingimgen des Landes konnte auf diesem Gebiet Abhilfe schaffen. —; Nicht viel besser sieht es mit dem jüdischen Handwerk in Polen aus. obwohl es sich da um ganz andere Fragen und Maßstäbe handelt. Wenngleich der überaus hedeutende Anteil der Juden am Handwerk in Polen feststeht, wo sie fast die Hälfte der ■Angehörige)! des Berufs ausmachen, so fällt es doch nicht leicht, die genaue Zahl der jüdischen Handwerker im gegenwärtigen Zeitpunkt zu bestimmen. Die Volkszählung vom Jahre 1921 hat Handwerk und Industrie in eine Kategorie zusammengezogen, und die nachfolgenden Ha,nH\verkerzählungen, insbesondere in den Jahren 1929- »31 anläßlich der Registrierung der Beiriebe, waren sehr unvollständig und erfaßten die große Zahl der kleinen, zumeist unlegal existierenden Werkstätten nicht, sodaß deren Ergebnisse kaum als * *.[ \ - maßgebend bezeichnet werden können. Immerhin wird die Zahl der jüdischen Handwerker in Polen mit .500 000 eher zu niedrig, als zu hoch geschätzt werden, sodaß. wenn man die Familienangehörigen hinzurechnet, zum mindesten ein Drittel der jüdischen Bevölkerung des Landes im Handwerk seine Existenzquelle sieht. | ' Wie sieht es. nun mit der beruflichen Gliederung des jüdischen Handwerks aus? Die folgenden zwei Tabellen, die. auf der Handwerkerzählung des Jahres Jüdische ff'asterträger in den Straßen von Lida lud. Mutrum 1929 basieren, und in denen wir uns nur auf Vcrhältniszahlen beschränkt haben, werfen (in ziemlich klares Licht auf diese Frage: Von je 100- Handwerkern in P< jüdischen Handwerker ausj Im Bekleidungsgewerbe (hauptsächlich Schneiderei im Nahrungsmittclgewerbc •'im Holzgewerbe im Ledergewerbe (hauptsächlich Scliuhniicherei) im Metallgewerbe im Textilgewerbe im MaugewerbU in der Instrumcutcnfahrikation in der Keramik im polygraphischen Gewerbe (haupUächt. Druckereien) im Papiergewerbe in der Zclluloidfahrikation in persönlichen Diensten Ihauptsächl. Friseure) )Ien machen die .'i l ,6 :t8.K 25.« 47,1 29,:. m:> 27.8 22.1 1 a« 52,7 :,2.:\ ßi.3 32.2. Von schüft ist: je 100 jüdischen ffandwe ■kern sind he In der Schneiderei in der Schuhmacherei im Bäckergewerbe im, Fleischcrgewcrbc / ■ ' in der Tischlerei in der Fabrikation der Oberteile von als Friseure ¥ ' ' V i ' ' I als Klempner als Mützenmacher als Schmiede als Maler als Schlosser als Riemenmeister als Hutmacher r ' als Glasermeister * j Sonstige schuhen 2C>.2 14.« 7.1 i;.:t 6,2 4.7 4.:t 3,4 2,6 2,3 1.9 1.7 1.4 . 1.1 1.0 11,2. \ Diese beiden Tabellen sind überaus charakteristisch; sie beweisen zunächst, daß difc jüdischen Handwerker in einer ganzen Reihe von Gewerbezweigen die Majorität ausmachen, und zwar handelt es sich da fast in allen Fällen um Gewerbezweige, die mit Bekleidung. Druck und persönlichen Diensten zuj tun haben. Auch im Nahrungsmittelgewerbe ist der Prozentsatz jüdi- 86