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Die Bne Briss · 1936-09-01 · Nr. 9/10 - September/Oktober · p. [Seite]

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Journal
Die Bne Briss
Volume
1936
Issue
Nr. 9/10 - September/Oktober
Date
1936-09-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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Es gehört zur Tragik der Juden in Deutschland, daß die radikale. Berufsumstellung. die sie vornehmen, 1 nicht mehr ihrem Leben ii Deutschland, sondern ihrer Auswanderung zugute kommt. ' i 'J I . , .. Den vorstehenden Ausführungen ist jedenfalls dreierlei zu entnehmen: luden sind seit/ der Emanzipation, seit sie gesetzlich l ieriu die Möglichkeit halten. in geringem Umfange, ,äler mit starker gesellschaftlicher Förderung in handarbeitende Berufe übergegangen. Aufstiegswille und Auswanderung sowie die Entwicklungstendenz der Wirtschaft waren die stärksten Hindernisse für die Änderung der Berufsstruktur. Die radikale Umwälzung, die sich jetzt besonders bei der Berufswahl der Schulentlassenen vollzieht, verbessert die Berufsstruktur der Juden Deutschlands nur unwesentlich, weil die Ausgebildeten ihren Beruf außerhalb Deutschlands ausüben müs$en. I* Von jü discher Arbeit in Polen Von Arjeh Tartakower. Es wird bei den vers :hicdenen Erörterungen über die Situation der polnisch en I Juden und insbesondere über deren Wirtschaftslaf e in vielen Fällen außer acht gelassen, daß diese 3V2 Millionen Masse wie schwer auch die Not sein mag, unter deren Druck sie gegenwärtig erstickt, sicherlich, — was ihre berufliche Struktur betrifft, — als einer der normalsten Bestandteile des jüdischen Gemeinwesens der Welt bezeichnet weiden darf. Es kann 1;aum einen größeren. Irrtum r geben, als sich etwa die panischen Juden als ein Händlervolk vorzustellen. Ma; auch der .^nteil der Juden am polnischen Handel ü >crnus bedeutend, viel bedeutender als etwa am wesl europäischen Handel sein — übrigens geht dieser Ante 1 in den letzten Jahren immer mehr zurück —, so ist <lcr Prozentsatz der jüdischen Händler im Vergleich mi der übrigen beruflich tätigen jüdischen Bevölkerung inj Polen viel geringer als in den kommen wir in der meisten anderen Länden 1. Die über der polnischen Juden is physischer Arbeit verbuii Rechnen wir. zu dieser Wiegende Mehrheit keineswegs im Handel, sondern in verschiedenen an deren Berufen tätig. In dieser Beziehung wird das polnische Juden!um nur von den Juden Palästinas überfli gelt. In der Reihe diese* anderen Berufszweige, denen die polnischen Ji den tätig sind, treten die mit 111 idenen ganz besonders hervor. Kategorie Landwirtschaft, Handwerk, industrielle Lohnarbeit, Transportwesen und einen großen Teil dir häuslichen Dienste, so waren in diesen Berufszweigei 1 nach der Volkszählung des Jahres 1921 über 48 °/o,. also fasjt die Hälfte der berufstätigen jüdischen Bi völkcrung, konzentriert.' Hierbei ist einzuschalten^ daß die Resultate der Volkszählung vom Jahre 1931, was die berufliche Struktur der Bevölkerung betrifft, bis zum heutigen Tage nicht veröffentlicht, worden sindj sodaß wir dort, wo es sich um zusammenfassende Dan tellungcn handelt, auf die erste Volkszählung von 1921 zurückgreifen müssen. Wir werden dementsprechend kaum fehlgehen, wenn wir die Judenschaft in Pol m als ein arbeitendes Gemeinwesen bezeichnen, won it freilich nicht gesagt werden soll, daß es sich hier i m eine normale Arbeitsgliederung handelt. Auf diese Frage Folge noch zurück. Um nun zunächst bei der Landwirtschaft zu bleiben, so ist der Prozentsatz der Juden, die in diesem Berufszweig in Polen tätig sind {9,5 % der jüdischen Gesamtbevölkerung), ein ziemlich hoher, wenngleich er natürlich mit dem diesbezüglichen Pro zentsatz der übrigen Bevölkerung in dem Agrarland Polen (78,4 °/o) keineswegs zu vergleichen ist. Es mag übrigens darauf hingewiesen werden, daß die landwirtschaftlich tätigen'Juden nicht üper die ganze Fläche des Landes proportional verteilt sind, sondern daß deren Zahl in manchen Teilen desj Landes — so insbesondere in den westlichen Randgebieten — bis auf ein Minimum zusammenschmilzt, dagegen in anderen Gebieten eine imponierende und geradezu erstaunliche Höhe erreicht; so sind z. B. in dlcr Wojwödschaft Polesie (östliche* Randgebiet). 20,3%/in der Wojwödschaft Stanislawow (einem Teil des früheren Galizieni gar 26,5 % der Juden in der Landwirtschaft tätig. Mag . auch in den letzten Jahren ein gewisser Abfluß von t diesem Berufszwejg, insbesondere in den östlichen Rundgebieten, zu verzeichnen sein, so dürfte die Gesamtzahl der gegenwärtig in der gen polnischen Juden samt ihren sicherlich nicht viel weniger als ausmachen. Landwirtschaft täti- Familienangehörigen 160 000 bis 170 000 Die wirtschaftliche Situation dieser in den aller- J ' I meisten Fällen schwer arbeitenden Bevölkerung ist freilich alles andere als 'befriedigend. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle) handelt es sich um klein: Wirtschaften von 1—5 Hektar, die sogar in normalen Zeiten kaum eine menschenwürdige Existenz t ihren Eigentümern zu bieten verflögen, heute dagegen trotz aller Bemühungen zu einem Dahinvegetieren ver-.; urteilt sind. < Lediglich in Galizien.gelang es den jüdischer Landwirten durch den Ausbau einer intensiven Milchwirtschaft, wie auch durch eine ziemlich straffe genossenschaftliche Organisierung, ihre1 Positionen einigermaßen zu stärken, wenngleich auch da sehr . schwer um die Existenz gekäm >ft werden muß. In

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