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Die Bne Briss · 1936-09-01 · Nr. 9/10 - September/Oktober · p. [Seite]

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Journal
Die Bne Briss
Volume
1936
Issue
Nr. 9/10 - September/Oktober
Date
1936-09-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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draußen. Aber mit all dem ist noch keine Gewähr dafür geleistet, daß der Arbeit auch wirklich ihre Ehre wird. Hecht und Gesellschaft können sie ihr vorenthalten oder rauben. Vor allem hat die Sklaverei, eine Schöpfung des Rechtes, der Arbeit ihre Würde und dein unfreien Arbeiter seine Ehre genommen. Das rechte Verhältnis des Menschen zu seiner Arbeit und zu ihrer Ehre kann also auch gestört und vernichtet werden. Die letzte Bürgschaft für die Ehre der Arbeit liegt nicht in wandelnden Gesetzen und wechselnden Zeitstimmungen, sondern in dem ewigen göttlichen Vorbild. " _ v II. > Eine große, reich gegliederte Welt der Arbeit tritt uns in der Bibel und nachher im rabbinischen Schrifttum entgegen. Knechte und Freie in den mannigfaltigen Berufen, beginnend mit Adam, der das Eden bearbeitete und hütete, sich fortsetzend von Kajin, dem Bauern, und Abel, dem Hirten, von Tubal Kain, dem Schmied, und Jubal, dem Musiker, über Abraham. Isaak und Jakob, die Hirten und Brunnengräber, zu Bezalel. diin Künstler, zu den namenlosen Schlossern und Schmieden. Bauern, Kaufleuten und Kriegern, den Richtern und Beamten, den Holzfällern und Wasserschöpfern, von denen die Bibel spricht, bis zu den vielen Sonderberufen der talmudischen Zeit. _ den Schneidern und Schuhmachern, den Friseuren und Flötenbläsern. den Bierbrauern. Kameltreibern und Lastträgern, den Webern und Wirkern, den ungezählten anderen Berufen, die in Ackerbau und Gewerbe, im Handel und im öffentlichen Leben der rabhinischen Epoche arbeiteten. Diese lebendige Welt der> Menscjien und der Wirtschaft findet ihr Gegenbild in einer geistigen Schöpfung, in jenem Gesetzbuch der Arbeit, das einen großen Teil von Thora und Talmud erfüllt. Es macht einen wichtigen Bestandteil des jüdischen Religionsgesetzes aus und ist spin Stolz und sein ..Ruhm. In der frühen biblischen Zeit ist der «richtigste Beruf der des. Hirten. In dem Bundesbuch, der Sidra Mischpatiin, II. B. M. 20. ,24 und den folgenden Kapiteln, werden an den Rechtsfragen dieses Standes die Sätze über Verwahrung, Haftung und zahlreiche andere Rechtsproblenie durchgeführt und entwickelt. Dieses biblische Gesetz ist aber nur der Anfang eines geschichtlichen Weges, der im Talmud sich fortsetzt und" bis auf den heutigen Tag nicht sein Ende gefunden hat. Verwirklichung der Thora im Aufbau von Erez Israel ist gerade heute das Ideal der Besten, die dorthin gehen. In der Arbeit für dieses große Ziel haben die alteifRechtsätze yofl Bibel und Talmud über Arbeit und Arbeiter ein neiu > Gewicht, eine neue Bedeutung und einen neuen Glanz gewonnen. Die Welt, in der dieses Gesetz herrschen und schlichten soll, ist erfüllt von dem Kampf zwischen dem Herrn und dem Knecht, dem Reichen und dem SO Armen, dem Arbeiter und dem Unternehmer. In diesem unaufhörlichen Ringen hat auch im Judentum die Arbeit ihre Niederlagen erlitten und ihre Siege errungen. Auch hier hat in den Zeiten, in denen sie herrschte, die Knechtschaft den unfreien Arpeiter tief herabgedrückt. Aber sie ist im Judentum von innen heraus überwunden worden. Das alte Israel kannte dio Knechtschaft wie alle alten Völker, wie Babylonier und Römer. Aber es unterscheidet sich von ihnen durch den unablässigen und schließlich erfolgreichen Kampf, dUrch den es dem Knecht sein Menscher recht erstritt und sicher stellte. Das Gesetzbuch des Hammurabi schließt (§ 282): „Wenn ein vSklave zu seinem Herrn spricht: Du bist nicht mein Herr, wird ihm sein Herr, sobald man ihn als seinen Sklaven überführt, seip Ohr abschneiden." Wie ein Protest dagegen klingt dje Rechtsordnung, die Mose für iden gleichen Fall festsetzt (5. B. M. 23, ,16, 17): „Du darfst den Knecht nicht seinem Herrn ausliefern, der sich zu dir rettet vor seinem Herrn. Bei dir soll er wohnen, in deiner Mitte, an dem Ort, den er wählen V'fd in einem deiner Tore, wo es ihm gut scheint. Du: darfst ihn nicht bedrücken." In der rabbinischen zeit zeigt sich die gleiche Entwicklung. Ber. 16b wird ein alter Lehrsatz mitgeteilt: „Um Knechte und Mägde st im int man keine Trauerklage an." Hier spricht das Altertum, das den Sklaven wie eine Sache betrachtete. So hatte auch ein Römer des zweiten Jahrhunderts reden können. In dem folgenden Satz aber Lspricht das Judentum sein Urteil über diese Entwertung und Entwürdigung einer großen Menschenklasse:{„Es sprach R. Jose: Wenn es ein rechtschaffener Knecht war, sagt man von,, ihm: Wehe um den guten und getreuen Mann, der von seiher Arbeit lebte!" III. Von zwei Lehrern des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts wird übereinstimmend dt s Wort überliefert: ..Groß ist die Arbeit, denn sie el rt ihren Träger!" (Ned. 49b) Das ist eine tiefe Erkenntnis, eine folgenschwere Wahrheit. Im Kampf um keine Befreiung sclvöpft der Arbeiter das Selbstgefühl^ mit dem er sich neben seinen Herrn s/ellt und sich ihm gegenüber behauptet, aus dem Stolz auf seine Arbeit. (Ohne diesen Stolz könnte er sich nicht durchsetzen, ohne ihn wäre jedes Gesetz vergeblich, das ihm helfen will. Ein großartiges Beispiel liefert die erste Abrechnung zwischen dem Herrn und dem Knecht, die uns dib Geschichte aufbewahrt hat. die nie vergessene Auseinandersetzung zwischen Jakoh. dem Hirte... und Lahan. seinem Dienstherrn. Wie ein Mächtiger tritt hier der Arbeiter seinem Brotherrn entgegen, entflammt durch den Stolz auf seine Arbeit. „Was ist mein Versehjen und was meine Sünde, daß du mich so hitzig verfolgst? Seit zwanzig Jahren bin ich bei dir, deine Schafe und deine Ziegen haben keine Fehlgeburt gehabt, und die Widder

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