Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1936
- Issue
- Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1936)
- Date
- 1936-05-01
- Page
- Seite 50 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/6727475-6727495-6074917--3292-4869852- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
wenden konnte. Aber die damals wie jetzt gültige Forderung findet heute mehr Menschen, die bereit sind, sich ihr zu unterwerfen. Die Menschen sind gezwungen worden, sie auf sich zu beziehen. Als wir lim Herliner Lehrhaus) zum Schlüsse eines Semesters die Teilnehmer verschiedener Arbeitsgemeinschaften baten, uns zu kigen. was sie von der Arbeit ..gehabt“ hätten, haben einigq. ihren Formulierungen sich beriiiiht der einzelnen Arbeit, die geleistet dem jüdischen Gesamtanliegen, da« son empfanden, zum Ausdruck schönere Rechtfertigung der Idee sich kaum denken. hunjdert Menschen in die Verbindung worden w ir, zu sie für ihre Perbringen.; Eine s Lehrhauses läßt. ui de Lernarbeit in jüdischen Jugendbünden Von Günter Fried lande r. Die Lernarbeit in den jüdischen Jugendbünden unterscheidet sich von der Lernarbeit anderer Organisationen grundsätzlich dadurch, daß es sicli bei dieser Arbeit um die Vermittlung einer' völlig geschlossenen Bildung handelt. Das bedeutet, daß dieser Arbeit nicht die Anschauung zu Grunde liegt. Wissen sei Macht, ganz unabhängig davon, was gewußt wird. Der absolute Wgrt des- Wissens wird in den jüdischen Bünden — das sei hier nicht kritisch beanstandet oder belobigt, sondern lediglich . nüchtern referiert — sehr gering eingeschätzt. Man ist nicht geneigt, das ..geh hin und lerne“ so aufzufassen-, daß das Lernen an sich schon eine gute Beschäftigung sei. Vielmehr gilt das Wissen im Kreise der jüdischen Jugendbewegung als ein Mittel zum Zweck, und zwar dem Zweck der 'Erarbeitung, meist sogar nur der nachträglichen Unterbauung einer Weltanschauung und ihrer Verwirklichung, der Lebensgestaltung. Der' grundsätzliche Fehler, der noch heute — und teilweise gerade wieder heute—im Denken vieler Menschen zu beobachten ist. besteht in der Gleichsetzung der zweckbetonten Arbeit mit sogenannter praktischer Arbeit. Er ist in der jüdischen Jugendbewegung stuf . Grund viele/ schlechter 'Erfahrungen überwunden worden. So wird ein flüchtiger Einblick ln die Lernarbeit einem Außenstehenden kaum dieses Bild restlos zweckgerichteter Bildungsarbeit vermitteln. Wenn wir darangehen, nach dem Aufzeigen der Grundposition der jüdischen Bünde eine knappe Darstellung ihrer Lernarbeit zu geben, muß vorher betont werden, daß ein systematischer Überblick nicht möglich ist. Denn soviel Bünde es gibt. — und es gibt in Deutschland noch immer mehr als zehn große jüdische Jugendbünde — soviel Systeme und Programme der Lernarbeit in den Bünden gibt es auch, ohne daß bis heute auch nur die Möglichkeit einer Vereinheitlichung zu erblicken wäre. Aus dem erwähnten Grundprinzip der Lernarbeit sind .die Schwierigkeiten einer s'olchen Vereinheitlichung ohne weiteres ersichtlich. Da jeder Bund eine andere Auffassung hinsichtlich der Lebensgestaltüng seiner Menschen hat, hält jeder Bund auch andere Wissensgebiete für besonders erlernenswert. So können wir. wenn wir die jüdischen Bünde in ii r e i Gruppen einteilen, die zionistischen, die religiösen und die nichtziorristischen Bünde, nur die jeder dieser Hauptgruppen eigene Arbeit schildern. Im-Mittelpunkt der zionistischen Lernarbeit steht selbstverständlich der Palästinaaufbau, wobei die Arbeit von den politischen und kulturellen Problemen bestimmt wird. Der Versuch, eine Renaissance der jüdischen Kultur herbeizuführen, setzt selbstverständlich die Beherrschung der Grund age dieser Kultur. . der hebräischen Sprache, voraus., Das Lesen jüdischer Schriftsteller und das Erlernen jüdischer Geschichte führen die der ergänzen diesen Versuch der Hebraisierung zum anderen aber bereits in die Lernarbeit, politischen Gestaltung Palästinas gewidmet ist. hinein. Palästina soll in seiner Geschichte r icht nur für sich abgesondert, sondern in weitem Mal e in seinem weltpolitischen Zusammenhang betrachtet und erkannt werden. Gegenwartskund|iche Betrachtungen müssen in alle sozialen Fragen d? hineinführen. Das Lernen in den tums findet nicht in allen Bünder gleichen Kaum. Gerade dieses .Lernen steht natürlich ifn Mittelpunkt der religiösen Bünde, deren Einstellung aus dem Kreis zionistischer ö^er nichtzionistischer Arbeit ergänzt wird. sieht als jdie wicliwiederumj jüdische i£ Palästinhaufbaus Quellen des Judenit jüdischeil Quellen geschieht das zum en. Die nichtzioni- Die nichtzionistische Jugend ligsten Gebiete ihrer Lernarbeit Geschichte und Beschäftigung m an. Aber ihr erscheint die Schöpfung einler hebräischen Kultur als nicht erstreber swert. W|snn über huupt hebräisch gelernt wird,/ so besseren Verständnis der Quell i stische Jugend empfindet die westeuropäische Kultur auch als ihre Kultur, und sie wünscht, daß das überall, wo sie lebt, so bleibe. Jhre Lernarbeit ist daran ausgerichtet. Soziologische Betracl tungen runden ihr Bildungsprogramm ab. Naturgemäß gibt es in allen Bünde, die den Übergang von Gruppe zu Gruppe hersteilen: zionistische Bünde, die der westeuropäischen Kultur größere Bedeutung zumessen, inntrhalb des großen nichtzionislischen Bundes hebräischen Sprache mehr als r drei Gruppen Gruppen, die in der ur die S irache der 50