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Der Orden Bne Briss · 1936-05-01 · Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1936) · p. Seite 46

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1936
Issue
Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1936)
Date
1936-05-01
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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V. lieh von einander. Je weniger die -Eigengesetzlichkeit der ..Fächer“ sich answirkt, um so stärker müssen lokale un<| oft auch personelle Faktoren das Gesicht dieser Schiulen mitbestimmen. Trotz all solcher Besonderheiten im einzelnen' | i gibt aber die oben gekennzeichnete Automatik unserer gegenwärtigen pädagogischen l.age auch unserem Volkssehulkvcsen eine ganz bestimmte Prägung im Sinne der jmmer bewußteren Kntwicklung einer kulturellen Autonomie. Dies zeigt sich vor allem an der überaus schwierigen Frage der neuen Lehrbücher. Aus sehr beachtlichen Gründen ideeller find materieller Art' hat unsere Lehrerschaft zunächst gezögert, sieh etwa für den Deutschunterricht eigene Lehrmittel zu schaffen. Inzwischen ist uns auch hier die Ent- 4 Scheidung von außen aufgezwungen worden; denn die für die allgemeine Schule entwickelten neuen deutschkundliehen Lehrbücher sind auf unseren Schulen oft nicht zu benutzen. So wurde jetzt eine neue deutsche Fibel liir jüdische Schulen verfaßt und bereits an den meisten Orten eingeführt, ebenso ein ganz ausgczeichncIcvLn-drrhucli. und für die Bearbeitung eines eigenen deutschen Lesebuches für unsere Schulen liegt bereits die grundsätzliche ministerielle Genehmigung vor. Es erübrigt sich,' diese Symptome einer ganz bestimmten Entwicklung' unseres fSehulwesens irgendwie zii bewerten. zumal es sich eben um zwangsläufige Vorgänge handelt. Allerdings wird an die inhaltliche und formale Qualität dieser neuen Lehrmittelfür unsere Schulen ein besonders hoher Maßstah zu legen sein, da .wir uns keine langwierigen und kostspieligen Versuclie auf diesem GebiM mehr leisten können. Aus der Fülle von Aufgaben, die unsere Zeit gerade der Volksschule sonst noch stellt, kann hier / n ur auf einen neuen Fragenkreis kurz, 1 angewiesen werden: das neunte Schuljahr, dem man an manchen j Orten sogar hoch ein zehntes angcschlossen hat. Die i Notwendigkeit zu diesem Aufbau auf die normale achtstufige Volksschule wurde wiederum durch äußere Gugelienheilen hervorgerufen, vor allem durch die immer größer werdenden Schwierigkeiten bei der Lohrstellenbeschaffung. So sucht man in diesem zusätzlichen Jahr die allgemeine und besonders die jüdische Ausbildung unserer Jugend zu ergänzen und zt vertiefen. An mancher^ Stellen ist man sogar noch wuiter gegangen und hat^ neuerdings fiii die nicht in dir1 Schulpflichtigen ..Berufsvorlchren“ geschaffen, di? neben einer entsprechenden geistigen Fortbildung ui.sere Jugend auch handwerklich Vorschulen sollen. In allen unseren jüdischen Schulen wächst heute ein ganz neuir Typ junger Juden heran. Bewußt und aufrecht tragen sie ihr jüdisches Schicksal als Söhne des ewigen Volkes, zu dem sie wieder heimgefunden haben. Sie spüren wieder den Strom des nie versiegenden Kraftquells in sich, der seit l rvätertagen den Juden befähigt hat. alle Widrigkeiten der Zeiten zu überwinden. Und wenn wir allentluxlb;n beobachten können, wie im engeren Umkreis unserer Schulen innerhalb der Elternschaft sieji immer/neue Gruppen und Kreise zu Arbeitsgemeinschaften zusanimcnschlicßcn, so darf man hierin nicht die unt edeulendste Auswirkung unserer Schularbeit erblicken; denn diese Eltern haben es wohl erkannt, daß es nnr diesen Weg gibt, um Schritt zu halten mit ihrer Jugend, die aufgebrochen ist in der Richtung zum jüdischen Zentrum hin - - nur diesen altbewährten Weg des Lernens, den Weg der Lehre und der Weisung, den Weg der Tora. N Die Jeschiwa im Leben der Gegenwart Von Br. Rabbiner Dr. Jakob Hoff mann, Frankfurt a. M. ■% Wir sind das Volk des Buches. Das Volk des Buches. Das ganze jüdische Volk ohne Unterschied des Alters, der Berufsart und der sozialen Schichtung hatte von altersher eine innere Beziehung zum Buche, wie sie in andern Gemeinschaften kaum vorstellbar war. Diese uns auszeichnende Eigenart erwuchs aus der zentralen Stellung des Thora-Lernens im System des Judentums. Das Judentum kennt keine höhere Pflicht als die Bemühung um die Kenntnis des Judentums. Um die Kenntnis mit dem Ziel der sinnvollen Erfüllung. ,.Das Thora-Lernen wiegt alles andere auf“. Auf Grund der vielen diesbezüglichen Forderungen und- Beispiele aus dem wirklichen Leben, die wir im talmudischen Schrifttuyi vorfihden, kodifizierte Maimonides die Halacha: Jedermann in Israel, ob arm oder reich, gesund oder leidend, Jüngling oder schwacher Greis, ist verpflichtet, Thora zu lernen. Selbst der an fremden Türen- Hilfe Suchende, ebenso der für den Lebensunterhalt von Frau und Kindern mühselig Arbeitende ist verpflichtet, eine bestimmte Zeit des Teiges für das Thora-Lernen zu bestimmen (Ililch. Talmud Thora 1,8). Diese umfassende Forderung machte die Pflege der Thorakunde zum Grundelement der religiösen Gemeinschaftsarbeit. Und sie weckte in allen Kreisen das Verlangen nach jüdischer Geistigkeit, nach jüdischem Wissen. Wie weit die Kenntnis der Thora etwa in talmudischer Zeit im Volke verbreitet war, beweist unter anderem folgender Lehrsatz der Mischna: Zur Ausübung der zivilen Gerichtsbarkeit können beliebige drei Männer,' die in religiöser und moralischer Hinsicht untadelig sind, herbeigerufen wurden. Unter 45

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