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Der Orden Bne Briss · 1936-05-01 · Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1936) · p. Seite 44

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1936
Issue
Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1936)
Date
1936-05-01
Page
Seite 44 (sequence 4)
Language
German
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mul angesehene Stellung im öffontliclien SchuUti« nst von vornherein auf/ugehen gegen eine sehr unsich:re. umkühi]jfte und begrenzte Tätigkeit an einer jiidisclien Sehule. flas liedarf keiner weiteren Ausführung. Es gehörte bben schon die unbestreitbare Hingabefäl igkeit. wid sie sich in kleinen Gruppen des traditionsbewußten und toratreucn Judentums veserbt hatte, dazu. wenigstens in-den größeren* jüdischen Zentren Deutschjnnds ein höheres Schulwesen .zu errichlen und es hei den staatlichen und jüdischen Instanzen zu Anerkennung und Ansehen zu bringen: denn seihst dort, wfij man aus grundsätzlichen Erwägungen <tie höhere jüdische Schule ablehnte, mußte man do:h ihre Leistung achten. Vielleicht nicht ganz .ohne Grund hat man gege 1iiher dein Typ «1er höheren jüdischen Schule, vor allem .inl der ihr eigentümlichen Prägung der Vorkriegszeit von verschiedenen Seiten aus daran g ■- zweifelt, oh es ihr wirklich gelungen ist. das/ihen g«•- keiinzeic niete Rildungsidenl in -echter Synthese zu gestalten. Dies wurde besonders durch zwei Umstände i rschwerf. die ohne eigentlichen inneren Zusammen hang gleichzeitig wirksam wurden. Der Zwang de ■taallieluu Lehrpläne. die eini ..allgemeine Bildung anstrehte 1. führte nur zu leicht zu einem unverbun denen Nebeneinander der einzelnen Disziplineh! ein Entwicklung, die sich im jüdischen Schulwesen nichl weniger ungünstig aiiswirkte als im allgemeinen Gerade die jüdische höhere Schule konnte ihrer bi sonderen Bildungsaufgabc solange nicht voll ent sprechen, als der jüdische Charakter ihrer Erziehung nicht in jder Gesamtarbeit der Schule zum Ausdruck kam. und sie sich mehr oder weniger darauf heschränken mußte, das profane Pensum der. allge meinen fcchuk-n möglichst gleichwertig mit diesen ihren Schülern zu bieten und den eigentlich jüdischen Unterricht ziemlich unvermittelt -daran anzufügen. Daneben darf nicht übersehen werden, dpß auch in toratreucn Kreisen, besonders in den Großstädtenim Gefolge "dejwachsenden wirtschaftlichen Saturierung. eine immer stärkere geistige-.Assimilation an die. Denkend Lebensform der bürgerlichen Umwelt siqh. geltend machte, jdie denn auch auf die Arbeit der höheren jüdische^ Schule entsprechenden Einfluß, ausühen mußte. | Erst die mit Ausbruch des Weltkrieges ersetzende und bis jieute nicht mehr unterbrochene Kette von crschütterijden Erlebnissen hat die Judenhcit Deutschlands iy ihrem Sicherheitsgefühl-so weit beunruhigt, daß die vielfältige gerade während des Krieges in den Gebieten;östlicher Massensiedlung erfolgte Begegnung mit denj noch üngebroclienen elementaren Kräften echt jüdischer Lehensgestaltung entscheidende Anregungen! fruchtbar werden lassen konnte, die sich wohl an» stärksten unmittelbar in denjenigen höheren jüdische^ Lehranstalten auswirkten, die gleich nach ■ V Kriegsende entstanden sind, und die weniger,-mit eigenen ..Schultraditionen“ belastet wareh als ihr» älteren Schwesternanstalten. - * Erst die durch die preußische Schulreform von 1924 eingeleitete Entwicklung befreite auch den Lehrplan der jüdischen höheren Schule von der unerfüllbar gewordenen Forderung der „allgemeinen Bildung' und zielte auf ein von Grund auf anderes Ideal, jen.* neue ..Bildungseinheit“, ‘die in arbeitsunterrichtlicher Methode aus der ..Konzentration“ zwischen den deutschkundljchcn Fächern, den für den betreffenden Schultyp ..charakteristischen“ Disziplinen und der Religion erwachsen sollte, j Damit war nun endlich auch uns der Weg zu einer wirklichen Durchdringung unserer gesamten Unterrichts- und Erziehungsarbeil mit jüdischem Geist und jüdischem Gehalt erschlossen; denn so gewiß die geistigen Väter jener Schulreform unter ..Religion“ nur das C.hristcntum geiAeint hatten, ebenso sicher mußte es sein, daß für jüdische Schulen diese ..Querverbindung“ nicht möglich war. So beginnt seit 1924 bereits jene innere Sonde^entwicklun:; <!es höheren jüdischen Schulwesens in Deutschland, die es ihm so sehr erleichtert hat. ohne [jeden Bruch sich auf unsere mit Beginn des Schuljahres 193Ö ö vorhandene von Grund auf neue Situationjeinzustellen Mit einem Male gewann da die höhere jüdische Schuh eine nie geahnte und von ihr selbst nid angestrebh Bedeutung für die Gesamtheit, auch für [alle-diejenigen. die ihr. bisher aus grundsätzlichen Bedenken da* Lehensrecht abgesprochen hatten. j Während man sonst in der Geschieh je des Unter richts immer wieder beobachtet, daß efn Bildungs ideal sich erst in der jeweiligen Erwachsenengenera ■ lion durchgesetzt haben muß, ehe es aut die Arbeit der'Schule gestaltenden Einfluß gewinnen kann, läßl sich am jüdischen Schulwesen in Deutschland gerade das Gegenteil fcstst^llen. Unsere Schularbeit geht von der Fiktion aus, als ob es die angestrebte Synthese» zwischen jüdischer und Umwelts-Kultur, die sie ihren ‘Schülern vermitteln will, bereits irgendwie in größerem Umfang gäbe. In Wirklichkeit ist dem ja, keineswegs so. Vielmehr klammert sich der liberwiegend Teil der Elternschaft auch heute noch für sich per sönlich mit einer oft rührenden Treue an all jen; die den gebildeten 19. und des beginnend Juden nU en 20. Jahrvertrug sich Rildiingselcmcntc. Deutschland des hunderls gekennzeichnet haben. Damit zwar jene gerade hier erst im 19. Jahrhundert ent standene, sehr dünn und abstrakt gewordene Form von jüdischer „Religion“ — vielleicht; doch unmöglich fügte sich in solchen Rahmen das judenerlebni i selbst des noch So Entfremdeten, der dien epochalen Abschluß der deutsch-jüdischen Emanzifationsepisod» und alles, was , ihm folgte, miterlebt hat. Daß abe" ein derart brüchig gewordenes geistiges Weltbild unserer Jugend nicht geboten werden darf, darai 44

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