Mannheim
Compact Memory

Der Orden Bne Briss · 1936-05-01 · Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1936) · p. Seite 42

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1936
Issue
Nr. 5/6 - Mai/Juni (5.1936)
Date
1936-05-01
Page
Seite 42 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/6727475-6727495-6074917--3284-4869844
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Lehren und Lernen Von Br. I.ulwii! F e u c h t w a n g e r. In Folgendem sei. aus jahrzehntelangem eigenen Lernen und Lehren a n ß e r h a I!> d e r Schule und Synagoge über' die Wis^ensaneignung und die Wissensübermittlung des Jüdischen eine Sinngebung geboten lind ein Jlekenntnis abgelegt. Kann auf dem dürren Zweig der reinen „Wissenschaft“ vom Judentum für uns wieder ein neuer großer / Lebenswert reifen, der den Einsatz lohnt und der einen Appell an alle, noch vorhandenen Kräfte, vor alle in auch an eiie Jugend, nicht Lügen straft? Das Schicksal pler vor mehr als 100 Jahren erwachenden neuen ..Wissenschaft des Judentums" scheint einem solchen Anruf zur Unwirksamkeit zu verurteilen. Einem intimeren (ieschichtsverständnis und einer eindringenden Untersuchung der diejüdische Existenz wirklich konservierenden und belebenden Mächte in dem so »efahr-, vollen 10. Jahrhundert hält eine“ Njinderbewerti ng der Wissenschaft indes nicht stand. Man argumentierte fälschlicherweise so: Wenn die sogenannte1! reine ...vorausse-tzungslose" Wissenschaft über ein lebendiges (iehilele. noch dazu über ein so* quicklebendiges und geraele deshalb in sich widerspruchsvolles. soofen aus dein fdietto drängendes Gewimmel wie die Judenschaft in Deutschland., hereinbricht, dann (so meinten die •Verächter der Wissenschafti wäre Gefahr für das lebendige Judemtum in Verzug, denn ..die Etle der Minerva be“giiint erst mit der einhrcchenden Dimnii“- rung ihren Flug". Von reinem Wissen. Lehren und Lernen, könne keine Verjüngung einer Religion oder eles jüdischen Ve>lkskör|>er.s kommen: In Wshrheit war zunächst nach dem raschen Zerfall und Asiimjlationsstreben um je“den Preis gleich nach der Emanzipation nur mit den Mitteln des Bewußtmacher s und Vcrsfohenlehrens. also mit Lehren und Lernen nach geläuterten Niethoden. . das völlige Auseinandei fallen aufzuhalten. Die viel gelästerte ..Wissenschafl des Judentums" hat also in Wirklichkeit eine grolle fbenscrhaltende Funktion gerade in der ersten Hälfie des vorigen Jahrhunderts erfüllt. Und heute ist erst recht Grund dazu, die Warnung . A’erachtet nur Vernunft und Wissenschaft I des Menschen allerhöchste- Kraft" sehr ernst zu nefymen. Man führt tausend Gründe an. um ein vertieftes Wissen vom Jüdischen, insbesondere von der Schnittfläche des Jüdischen mit der L'mwelt. als unzeitgemäß, praktisch unmöglich und höchst unzweckmäßig, philosophisch als Selbsttäuschung und religiös gerade heute als sträflichen Hochmut und Unbelehrbarkeit (wenn es sich nicht um das „Lernen" im alten traditionsgebundenen Sinn handelt) hinzustellen. Aber gerade) die uns von den Jugendführern von allen Seiten immer wieder so eindringlich demonstrierte innere Und äußere für eine gründliche Wissensaneignung denkbar ungeeignete Disposition unserer jungen Mer Gegenwart, die Unterhaltung mit diesen in sehr intensiv angelegten Kursen, Se Arbeitsgemeinschaften bestärkt uns in Folgendem: der methodische, arbeitsteilige Wissehsehaftsbetrieb, den sich die frühere-Generation gestatten konnte, hajt heute schwer zu erarbeitenden neuen Mitteln aneignung. nfit welcher C.harakterbilduiig uiui echte Liebe und Einsatzl>ereitschaft für.die g|efährd<jte Gemeinschaft sich aufs engste verbinden, eben. Die Massen des Stoffes, eingeteilt Ribelkunde. hebräische Sprache, jüdische Geschichte geeig- und Gegenwartskunde, müssen zunächst von liefen Persönlichkeiten so aufbereitet und durchsichtig gemacht, entspczialisiert und doch mit dem höchsten Wissenschaftsethos, nrft dem Sinn für las scheinbar Kleine und das als pedantisch anrüchig); genaue und saubere Denken und Zergliedern (immer noch mSt den nicljt veralteten philologischhistorische^ M thoden strenger Observanz) vorgeführt hier eine aufgeschlossene Jugend (und leben il^r die und Wisjsensweit Sisehen in der Jugendlichen ininaren und Platz zu maj fürs E ’ste in empfänglichen^ älteren Generationen) aufhorcht bemerkt, daß es hier etwas Jemensiind wertes gibt, über den praktischen Tagesbedarf hinaus. Die Gefahr; daß bei diesem aus unserer tuation unvermeidlichen Schnellunterricht nur ein Slrohfeuer entzündet wird, daß hier ohne Nachhaltigkeit immer nur einige interessante Anregungen geboten werden, muß unbedingt durch Heran üeliung qincr Elite junger tatkräftiger und durehgebi gebannt werden. Technik und Zeit der düng, ohne welche Lehren und Lernen bleiben, kann sich immer nur eine seh deter Kräfte Facbaufcbileine Illusion r kleine (Anige Wiss^nszahl verschaffen. Erschwert wird die nöl Vermittlung und wahre jüdische Bildung vor allem noch dadurch, daß der Stoff unauflösbar) mit den allgemeinen Geisteswissenschaften verflochten ist. Es gibt beispielsweise kein Wissen um die jüdische Geschiente ohne Kenntnis der allgemeinen Geschichtsproblemauk. ohne europäische Geschichte im weitesten Sinn, aas ist Geschichte ajler Räume und Kulturgcbiete (Sprache, Recht. Religion. Gesellschaft, Wirtschaft, Ivunst). Daran dürfen die Aufgaben des Lehrens und Ler-, nens, die uns gestellt sind, nicht scheitern. Ist erst einmal lebendig gemacht, daß nur von der \Viedera)nknüpfung an die höchsten Ziele einer geläuterten Aufklärung, von ihrem tatkräftigen Optimismus, ihr^r rückhaltlosen Gläubigkeit, eine Begründung des Jüdischen von innen heraus — innerhalb un|d außerhalb Palästinas — kommen kann, dann wird es auch an dür Gewinnung der richtigen pädagogischen Technik der Wissensübermittlung nicht fehlen. Diese Technik mu| durch das fortwährende Experiment — oh|ne die Rot 42 i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.