Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1936
- Issue
- Nr. 3/4 - März/April (3.1936)
- Date
- 1936-03-01
- Page
- Seite 39 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Ideologie^ Bücherschau Parteibefreites Judentum Lehrende Führung und .priesterliche Aut( refcrat. sowohl des religiös-liberalen als auch des zionistischen Judentums, sind im 19. Jahrhundert entstanden. Wir leben nicht mehr im 19. Jahrhundert. Der Haupt ein« and gegen alle Ideologien, auf die heute im Judentum allgemein zuriickgcgriffcn wird, ist mit dem Einwits auf ihre Entstchungszcit sch-nationale Gedanke der Auto- Emanzipation gründet sich ebenso in einem liberalen Geschichtsbild, wie (fies iei jener Emanzipationsidcc liberaleh Staat voraussetzte Das Ja-Sagen zum Palästiha-Aufbau ist dem Westjuden als Pflicht bbwußt geworden, die ihm in ihrer jüdischreligiösen und jüdisch-so; ialen Seite immer deutlicher wird. Aber 'dieses Ja-Sagen zu Palästina soll man nicht init einer Ideologien weit verknüpfen, deren Gestrigkeit trotz aller augenscheinlichen Zeitgemäßheit klar gemacht werden kann. Der jüdische Nationalismus gewinnt den jüdischen Assimilanten für Palästina. Wer als Jude mit dem Judentum verbunden ist, hat die Schlagwö ’te ei er politischen Ideologie nicht nötig. Das echte Judentum ist „zionistisch“, wie sehr auch der Zionismus, vo er nichts'anderes als eine politische Ideologie ist, nicht echtes Judentum ist. „Neues Judentup“ — das war der jugendlichbegeisterte Ruf des) früheren jüdisch-religiösen Liberalismus. Diese j jüd sehe Utopie hat der Zionismus übernommen. Das Lob, das dem Zionismus zu zollen ist, muß uneipges diränkt vorgebracht werden, wo es sich um die pzialcn und wirtschaftlichen Arbeiten handelt, mit jden :n der Zionismus gegen die Judennot kämpft. Djie Kritik hat aber dort eirtzusetzen, wo der ZioniSmu i einem naiven Messianismus verfällt. Die Balfourj-Del laration ist gewiß ein messianischcs Ereignis —- Ober in keinem anderen Sinn als jene Gesetzgebung, idie die Emanzipation des Westjudentums schuf. ES gibt messianjsclic Ereignisse in der Zeit. Diese Ereignis ie bejahen wir in energischfroher Tatbereitschaft u ld zugleich in aller Geduld, die die Unerfülltheft cjmes jeden Zeitereignisses Gemeinschaft Von Ignaz Mavbau hi. „waren Studenten,' Akademiker, Kauflcute: jetzt diese Menschen lein wirkliches immer diese Textworte heißen, die nicht behalten? ,>Diese Propagaridatext fortJ dei Philo-Verlag Berlin demütig und nüchtern liinniinmt. In einem zionistischen Propagandawejrk I eißt cs unter einem Bild, das einen Chaluz und eiiie C laluza darstcllt: „Diese Menschen haben ihr altets Sciicksal hinter sich gelassen.“ Hier ist zu fragen, job liese beiden Menschen denn nicht Juden bleiben.; Wrnn sie Juden bleiben, haben sic dann nicht ihr Schic ksaL behalten? Sollen sie es Menschen“ — so fährt der die Photographien begleitet 1935. für \V ie beginnt Leben.“ diese Propaganda charakterisieret,.bezeichnend ist der Jubel. Der Jubel, der entsteht; indem Leid verdrängt wird, ist nicht echt. Aller vielleicht ist es oft echter Jubel. Denn Jugend will und muß'nichts einer Leidensgeschichte, weil sie eine Geübe'haupt noch nicht hinter siph hat. Sie wissen vpn » schichte fängt a n. Der Zionismus, insofern er ein Judentum für jun;e Juden ist, argumentier! uns in eine heroische Situation hinein; damit nimmt er uns die Glorie unserer Leidensgeschichte., Der /Zionismus als ..neuer jüdischer Anfang“ ist in Gefahr, so radikal neu anzufan^en. daß er den Zusammenhang mit der jüdischen Vergangenheit verliert, j In dieser Gefahr ist er dort, wo er über das liberale Geschichtsbild in Wahrheit noch nicht hinausgekommen ist. Die Geschichte ist rieht bloß der Schauplatz menschlicher Experimente. Dem Herrn der-Geschichte untertan zu sein, bleibt unser Schicksal gestern, heute, morgen, ewig. E'er Verdacht, daß der ^o^ismtis in seiner Tendenz nach Normalisierung de^n^ben Ideal nachgeht, .das auch das Ideal dös .Refoijmjudentums war. ist manchmal begründet. Auch d^j Reform wollte — gewiß anders als der Zionismus —j das Judentum normalisieren. i Die Versöhnung des religiös-liberalen Judentums mit dcmlZiqnlMiius ist das Erfordernis und die Chance der Stunde. -Wo das religiös-liberale Judentum-protestantisiertes Judentum war, wurac es zu Recht vom Zionismus bekämpft. Wo der Zionismus politisiertes Judentum ist, wird er zu Recht vom jüdisch-religiösen Liberalismus bekämpft. Dieser Kampf s^U bloß die augenblickliche zionistische Ideologie, nicht den Palästina-Aufb ni treffen. Der - Zionismus muß sich endlich1, darüber klar werden, wie es sein muß und jjichl sein darf, ijralismus im Zioi Strukturveränderui) jes Zionismus ist ist, wie weit er völkische; Libc Judentum eine Liberalismus identisch. Der Der üjonismus ^eit er Liberalismus Der ittsmus bewirkt am g. (Dieser völkische mit dem religiösen * Liberalismus dos modernen Judentums natürlich nicht Zionismus ist als jüdischer Nationalismus — vüljkiszhcr Liberalismus, Juden verändern, heißt, sie aufhc sich und muß sich das Außere, des religiös-liberalen Judentums, das in Palästina sein großes Aufgabenfeld vorfindet. Das Wort Hugo Bergmanns „Der Zionismus wird religiös sein, oder er wird nicht sein“ ist erst die allgemeine zelnen Problemen gegenüber die. religiöse Lösung reli- 39 Die Gestalt des ben. Wandeln darf Hier liegt das Recht Formel, die den ein- I J