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Der Orden Bne Briss · 1936-03-01 · Nr. 3/4 - März/April (3.1936) · p. Seite 27

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1936
Issue
Nr. 3/4 - März/April (3.1936)
Date
1936-03-01
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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in volkstümlichem wie philosophischem Denken, in Dichtung wie in praktischer I Le »ensweisheit immer wiederkehrend, wohl ihr Mensc lenideal darstellen: Tapferkeit, Weisheit, -Besonnenhei: und Gerechtigkeit. Die talmudische Tugendlehn verlangt von dem Menschen immer wieder, barmhe zig, schamhaft und wohltätig zu sein; und wollte, ms n ein viertes Gebot, das ähnlich betont ist, hinzufüg« n, so dürfte es die Hineinversetzung in des andere 1 Menschen Gefühl sein, die ausdrücklich die öffentli :he Beschämung des Mitmenschen als Todsünde empfindet. Es ist klar, daß das alles in einer Haltung wurzelt, in einem menschlichen Verst indnis, das sich ‘denkend und fühlend tief in die Lag < des. anderen hineinbegibt, dabei gerade auf die verborgensten Regungen in der fremden Seele Rücksicht n Mit-leiden, sondern Mit-leben! Ini Traktat Taanit ist von ei Rede, daß am Versöhnungstage d genug, als daß er noch das Opfer der Wohltätigkeit werden dürfte. Darum wird der soziale Kern des biblischen Armenrechts noch weiter ausgeformt. Ef> gilt als besser, gar nicht zu geben* als durch öffentliche Almosenspende zu beschämen. Vor allem wird betont, daß das’ Darlehen zur Erhaltung und Aufrichtung einer Existeriz wohlgefälliger sei, als das Schenken. Alan soll darum freiwillig mehr geben, als gefordert ist- Es handelt sich dabei aber niemals um Herstellung der gestörten iußeren Ordnling, als vielmehr um inwendige. Gleichgewichtslage. | Der Begriff der Zedakah als Gerechtigkeit wird in1 dein Bewußtsein verwirklicht, daß der Geber mehr Empfänger, und daß nie Liebestat empfängt als »der im Gemüte des Empfängeirs den frieden wiederherstellt. dimend. Es ist nicht ij lein Volksbrauch die e Mädchen in öffent-. de Heller Prozession, festlich geschmückt, erscheinen, ipid «ln wird die Sitte erwähnt daß sie alle in erborgten Feiertagsgewändern aufl -etpn, damit nicht die Ärmeren in ihrem dürftigen Anzug«! von den Kindern der.Reichen beschämt würden. Das Wort aus Exodus^ „Du geliehen — nicht wife ein Drä iger sein“ wird von R. Dimi erklärt: „Wenn du weifit, daß dein Schuldner nicht zahlen kann, sollst du dicli lassen.“ Man sucht eine Erklärung! ür das.Wort aus den Sprüchen Salomos: „Beraube nicht einen Armen, denn er ist arm!“ -j- Kann mar denn den, der nichts leißt es, — „wenn <lu müde wirst in der Pflicht,! ihn zu unterstützen!“ —t Gefühl und vermin keit vereihen sich in maß der Spende auf di« hing des Verarmten Rü« anerkannt und eingeschärft, daß Existenzininimums relo iv ist. tige Beurteil ung der Wirklicher Forderun g daß beim Aus- und soziale Stel- Gcwohnheil ksicht zu ne unen ist. Es wird sollst ihm — «lern du heit eher «len eigenen Die gleiche Gesinnung spricht sich in der Haltung dem Dienenden gegenüber aus: Mai s«>ll niedere Ar- Kindern als seinen Knechten zunuitcn und das Hausgesinde in X llirung un«l Wohnung depi Herrn gleicmteRen; denn dit Arbeit hat nicht iji d!r Schmach. Daß von ihm nicht sehen ihren Zweck im Dienst, Ein bekehrter Heide fragt tung der Tora Vorschrift: „ — sich — dem Allcrheiligsten — dem Mißtrauischen, der in d«m' Salz eine Zurücksetzung des Nichtisraeliten wit lert, wird die ^Antwort zuteil: „Der König David!“ (c David gilt diese Vorschrift, da stamme aalgehört.) Die gewaltige Bedeutung dler Zedakah ist bekannt; und daß diese Forderung nicht auf «lern Papier stehen blieb, sondern auf fruchtbarer Boden fiel, kann man wohl daraus entnehmen, daß jiiclit bloß die Mimlest- Ht*rrn vom Standpunkt während vom Herrn der der Begriff des lillel nach der Bedeu- und der Fremde, der naht, ist des Todes“; h.: Selbst für König er nicht dem Priesterbestellt wurde, sondern das aus «lern eigenen grenze des Armenzehnten auf l zugleich ein Höchstmaß für Einkommen zu wohltätigen 5 wecken Wegzugebende bestimmt wurde: 20 vom Hui dert. Denn Besitz ward ■licht als Sünde angesehen, dessen man sich im wohlverstandenen eigenen Ihteres: e möglichst rasch un«l vollständig entledigen sollte. Hier spricht nicht weltverneinende ArmutsaskOtik, : onderil das soziale Gewissen in Verbindung mit wiitschaftjlichem Denken. Inj unserem Zusäipmenl ang wichtiger aber ist etwas (Anderes: Des Armen Armut |st schon Unglück dabei aber keineswegs überschwengi ich und den nicht verrückbaren Tatsachen des Lebens zuwider der Sinn des Dienstverhältnisses verwischt wird, zeigt die Fort derung, die an den Knecht’.gerichtet ist, daß er dem der Ergepung dienen soll, Standpunkt der Brüderlichkeit verlangt wird. An den Herrn, nicht an den Di«>- nenden, ist das Wort;;ericlitet: „Wer sich einen Diener kauft, kauft sich einen Herrn“. — . ' Deg Hochstand einer Sittlichkeit bewährt sich Vor allem im Verhalten gegenüber dem Machtlosen, das ist jder Arme, der wirtschaftl clv Abhängige und der FreWide. Bei allem Ilochgefiil 1, das der Gedanke der Erwählung zum Vollzug des gepffcnhnrten Gotteswortes erzeugtt wirkt die tdee vonjder Goltesebenbildlichkeit aller Menschen unverbrüchlich. So werden die universalistischen Aeullerungen der Propheten und Psalmen ausgewertet und fortgel iUlet. .Schon Renan hat diq Bedeutung der Schlußvere des Buches .Jesaja erkannt, wo es heißt, daß Gott auch von den Heidcti Priester untl Leviten sich nein len, daß ftn jedem Sabbat und Neumond al i cs’Fleisch kommen wird. um Gott anzubeten. Off« nha-r .- vird hier davon geträumt! daß alle Völker;:ur 11 ildigung des Ewigen erscheinen sollen, wie Pes kta R ibbati I rn echt agadischer Phantastik diesen Gedanken fortspinnt: Die Wolken werden alle Welt an je lern Sabbat und Neumond (nach Jerusalemtragen zurück,— ind vön dort wieder 27

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