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Der Orden Bne Briss · 1936-03-01 · Nr. 3/4 - März/April (3.1936) · p. Seite 28

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1936
Issue
Nr. 3/4 - März/April (3.1936)
Date
1936-03-01
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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Von KuUurverschmelzung, von Auslöschung des Besonderen in Israel öder jn irgend einem Volke ist liier gar_nicht die Rede, sondern allein von der Einheit religiös-sittlicher Gesinnung. Heißt es bei Jesaja: „Nicht spreche der Sohn fler" Fremden: Absondern wird mich der Ewige“. »— so wird in Ex. Rahati 19 damit der Vers aus Hiob dl. .V2 verknüpft und dabei auf Gott verstanden: „Night ließ ich draußen. den Fremden, meine Pforten öffnete ich dem Wanderer“; <kis soll heißen: Gott verwirft keines .seiner (ieschöpfe. sondern nimmt alle auf; jdie Tore sind allezeit geöffnet j wer eintreten will, trete ein! --- Heißt es in den Psalmbn: ..Öffnet die Torg, daß komme das gerechte Volk!'*. so wird darunter jeder Fromme, nicht Krach verstanden. Und das Wort: „Dies ist das Tor des Ewigen. Gerechte gehen ein“ wird ausdrücklich nicht nur auf IViester. Eijviten oder Israeliten bezogen. sondern ebenso auf fromme Nichtjuden. —- Der etwas dunkel klingende Vers Spr. Sal. 14. .‘14: „Die Liebe der, Heiden ist Sünde“, der etwas Ahnliehet; wie die splcndida vitiju des Augustinus zu meinen scheiiit i wodurch gemeint ist. daß es außerhalb der Kirche keine Tugend .gehen könne) wird von R. Xeclnirjja b. Ilakama imd K. Jochanan b.* Sakkai philologisch höchst gewagj. aber ethisch sehr schön gedeutet: Der Heiden Lieheswerke wirken - wie eitisl das Sündenopfer in Israel — als versöhnende Liebe. — Diese Erklärung^ |>aßt trefflieh zu «l«-r auch sonst bekundeten Gesinnung des R. Jochanan b. Sakkai. tler sich und sein!Volk über «lep Verlust des Tempels mit Ilosea 6. 6 getröstet hat: ..Liebe verlange ich, und nicht Opfer!“ — Die Auswertung dieser allgemeinen Geistesrichlung tritt in konkreten Einzelbestinnnungen zutage, «lie ja bis für die jüngsten Codices, einschl. des Schulchan Arucli. maßgeblich geblieben sind. So ist z. 11. jene Forderung von Jüttinj zu nennen: „Man ernährt die' Armen der Fremdlinge mit den. Armen in Israel, man besucht ihre Krankep mit den Kranken Israels, .mall bestattet ihre Leichen, liian tröstet ihre Trauerndert wegen der Wege de* Friedens.“ — Was heißt dieses: „Wegen der Wegd des Friedens“? — Hat es^ «len abwertenden Sinn «lei* bloßen Nachgiebigkeit aus Klugheit und Zweckmäßigkeit? Bedeutet es so viel, wie „um «les. liehen Friedens willen“, wonach es für eine oberflächliche Betrachtung zu klingen scheint?? Nein! Denn aus denUelhen Sprachgeist heraus hpreii wir Gittin .">9 |>g ,.jl)ie gesamte Tora ist wegen «1«T Wege di »^T ricdeiis". p was nur heißen kann, daß die Aufgalnd< r göttlichen Toragesetzgebung keine amlere ist als die. «-inen vollkommenen FTiedein»zustand unter «len Menschen herzustellen. ..Frieden“ drückt hier wie überall Jn der hebräischen Sprache nicht in erster Linie negativ den Gegensatz von Krieg und Streit aus, sondern gedeutet positiv innere Einstimmigkeit. herzliche Zustimmung zu einem gerechten, unter den Menschen, gestifteten Ausgeich. Der hiegemeinte Frieden ist der vollendete sittliche Zjistaud, die Verwirklichung der menschlichen Gesellschaft gemäß dem göttlichen Willen; ss ist weder dpr „faule“ Frieden, noch der Friedhofs!rieden, sondern «fas Lehen unter dem willig übernommenen Joch der jötllichen Gebote. — Daß die Kasuistik und Wortdeutucg auch Ihr Gutes hat, zeigt. jener scharfblickende rahhinisphe Le; er der Tora, der feststellt, daß in tzbediirftigen der Fremde fast Weise und der Witwe genannt wird, nisphe Statistik konstatiert, — (Baba «lall es 06 Stellen in der Heiligen Schrift verbieten, .den Fremden auch nur der Gruppe Jier immer vor jder und die rapbimezia 59b) - mit Worten nken. Rusch Lakisch gibt diesem Gedanken kri theologische Wendung (Chagiga, 59a): Fremden beugen.»heißt das Recht Gottes beugen“ „U II Eigentümlichkeit dieser ethischen dulksic niemals nur Gedanke. Gesinnupg, bleibt, sondern den starken Zug zur hui. Die Gesinnung verdichtet . siclij s<ets zur stimmten Forderung, zuni Gesetz. —; In dem hier angedeuteten Ausschnitt haben wir nie 'eingangs dargelegt — ijiit dem Begriff nunschlicher Wertung und Einfühlung zu tun und seinem Einfluß auf die besonderen Tugenden. Eine wichtige Ergänzung erfährt diese Arwenig innerhalb der Lehre vom Reicht im enteren ne, besonders beim Stra/recht. Das heißt nicht etha, daß den Rechtsbrecher Mitleid und unangebrachte Weichheit den verdienten Folgen seiner Tat zil entziehen suchten, sondern daß das!letzte, in nnnschhcher Kraft Stehende, versucht wird, «len Schu digen \jom Unschultligen zu unterscheiden. Wes wir in der Mischna Sanhedrin IV und V über| die Drdnur g des Strafprozesses lesen, wie zumal in! Anklagen, wo es tan Leben oder Tod geht, äußerste/Sorgfalt und V«>r- Jiiclit den Richtern durch das Gesetz zur Pflicht gemacht wird, wie die Zeugenausforsjchung und t ie Beiwertung der Aussage erfolgt, — das alles wirft helles Licht auf diesen Respekt vor allein Menschlichen! Richter und Zeugen sollen daran dehken, daß „Icbens- -achen nicht wie Geldsachen_sindj, daß Geld l«i falschem Zeugnis wiedererstattet werlden kann, «laß aber bei Lebenssachen das Blut des unschuldig jerichtelen und das seiner möglichen Nachkommen ns ans Ende der Welt an dem falschen Zeugen haftet,.. ., daß nur ein einziger Mensch erschaffen worden s«^i, um dich zu. lehren, daß, wenn jemand u i n e Person gibt, welche as Recht zu die des Itung ist es. Imferlicnkcit Verwirklichung beanredhact, a s hätte jemand vernichtet, die Schrift es ihm so er e i n e ganze Welt vernichtet, und wenn eine Person erhält, die Schrift cS ihm Emrechjnet, als hätte er ’ e i n e ganze Welt erhaltea1 Merkwürdig mutet mitten im nüchternen Cjesetzestext der Hinweis auf den unencllichen, setzenden Wert der einzelnen M ensclienseele heißt da in aga«Jischer Form: „Warum st zu 28 s nicht zu eran; es Anfang

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