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Der Orden Bne Briss · 1936-01-01 · Nr. 1/2 - Januar/Februar (1.1936) · p. Seite 2

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1936
Issue
Nr. 1/2 - Januar/Februar (1.1936)
Date
1936-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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jüdischen_Volke erst wiedergewonnen hat, wie er der erste wieder war,- der dem jüdischen Glauben in der Welt Achtung verschaffte. Das waren Wege ins Freie, Wege in die Ewigkeit, deren Bedeutung bestehen bleibt, auch wenn Mendelssohn* .Philosophie vergessen, wenn das Gros seiner Anschauungen nicht haltbar ist. Dazu die reine vorbildliche Persönlichkeit, die wie jede echte menschliche Größe -unvergänglich ist. Sa wurde der Name Mendelssohn zu einem Symbol für Streben nach geistiger, nach seelischer Vollkommenheit. So hat i man diespn Namen den Männern beigelegt, die unter den Judeta ihrer Heimat Erwecker des Geistes, Pioniere der Aufklärung wurden; man hat Krochmal den Mendelssohn für Galizien, Nehama den Mendelssohn für [Saloniki genannt. r ~ f Nicht lange vor dem hundertsten! Todestage Mendelssohns war Moses Montefiore mehr ^ls hundertjährig geitorben. Ein Mann von ganz anderem körperlichen Format, ganz anderen äußeren Verhältnis-, sen, ganz anderen Lebensbedingungen, eine Kraftnatur, die weder Mendelssohns Kampf ums Dasein, noch sein geistiges Ringen kannte. Aber er gehört zu den Erweckten, die ein offenes Apge für jede jüdische Not gewinnen,, ein warmes Herz, eine tatkräftige Hand für ihre Beseitigung einsetzen — der Herrenmensch wird zum zartfühlenden Helfer. Auch er wird gar bald in der Judenheit bekannt, eiiu bewundertes ,Vor<- bild rascher Hilfsbereitschaft. Keine Reise ist ihm zu weit, keine Anstrengung zu schwer, wo er Unheil von Juden abwenden, ihre Lage verbessern kann. Seine Mittel gestalten es ihm, das Erziehungs-, das Um-, schichtungswerk, das >h)ses Mendelssohn ersehnte, in Palästina, in Rußland in großem1 Stile ahzubahnen. So leben beider Namen fort im dankbaren Andenken der Juden'der ganzen Welt, als der beiden Moses der Neuzeit, die jihr Volk zu befreien suchten aus materieller, aus geisitiger, aus seelischer Not! Neutralität*) Von Br. Leo Baeck. Schon im Haushalt des Geistigen ist esj ein Erfordernis, daß es eine gewisse Neutralität gebe, daß sich nicht allein die gleiclie Strebekraft zuwende. Stete Gespanntheit und stete Entschiedenheit heben schließlich sich selber auf. Auch der sogenannte gesunde Menschenverstand,.der common-sense, ist dadurch bedingt, daß: nicht alles in eine Linie gestellt wird. Er ist ganz eigentlich der Sinn für das Wesentliche, für Proportion, und Maß, der Sinn für das, was wichtig und was bnwichtig ist. Alle wahre und : bleibende Leistung, cler klare Blick für Weg und Ziel hängt hiervon ab. Dfcr kleinliche Zug an Menschen, an Parteien, an' Völkern tritt darin vor allem hervor, daß ihnen diese Fähigkeit der Zurückhaltung und des Maßhaltens, diese |Gabe einer Neutralität abgeht. Ohne sie gibt es fuf die Dauer kein Ernktnehmen und schließlich auch kein Ernstgenommdnwerden, ohne sie eigentlich keine Entschließung mehr. Wahre Persönlichkeitskraft wird sich stets darin kumjltun, daß der Mensch in Tagen, welche fordern, seine feste Einstellung zuj gewinnen vermag, daß er dann laicht nur als Zuschauer cfabeislehe, sei es bekümmert oder schadenfroh, sei es gleichgültig mit der Maske der Vornehmheit cjder skeptisch mit der Miene def Ueberlegenen. Fjindet aber jeder Streit, jede Auseinandersetzung im : Lande oder gar auf Erden unserfc äußere oder auch pur innere Beteiligung, so hört d ese auf,' *) Diesel gekürzte Abdruck aus: L. Baeck, „IVVege im Judentum', 'Schocken Verlagi, S. 215—224 erfolgt aus Anlaß einer Aussprache irry Geschäftsausschuß. Siehe S.| 7 dieser Nummer. 'p. R. - . I einen persönlichen Werj, den Wert und die Bedeutsamkeit einer wirklichem Entscheidung zu haben. Wer immerfort und überall in jedes Winzige, und dessen gibt es ja mehr als des |Großen, sein Eigenes hineintragen will, wer nicht auch neutral sein kann, hat erwiesen, daß er nicht zti den Persönlichkeiten zählt, sondern nur zum Publikum gehört. -Das Publikum ist nie neutral; ihm ist es sein erstes: Lebensrecht, ständig Beifall oder Mißfallen zu bezeigejn. Hierzu kommt ein Weiteres. Jeder Mensch, wenigstens der, dessen Erleben über Tjtg und Haus hinausreicht, hat sein inneres Besitztum und Heiligtum, das ihm zuteil geworden ist oder das, er sich erkämpft hat. Sein Ich, sein Persönliches, sein inneres Wissen ist darin gegeben, und’alles,i was in sein Leben eintritt, steht in dieser Strahlung.j Aber dieses Innerste, Persönliche und Heilige ist d^s, was es ist, nur wenn ihm sein Innerliches, seine Weihe bleibt. Es darf nicht in die Geringfügigkeit der Stpnde hineingezogen werden, cs kann nicht ini st.eten Alltäglichen sein. Selbst das, was einmal Tiefe der Uebierzeugung war, wird damit zur Oberfläche; worin einmal die Seele sprach, wird nun zur Phraseologie oder im besten Falle zur Donquixoterie“ — es ist das eigentliche Kennzeichen des Donquixote, daß er niemals neutral zu sein vermag. Glaube, Ueberzeugung, innerste Gewißheit kann, nicht gewissermaßen in kleiner Münze immer ausgegeben werden. Und es sind die unerquicklichsten und auch die erbittertsten Kämpfe, wenn derart über Dinge der Peripherie mit der Erregthe it und dem Pathos gestritten i

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