Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1935
- Issue
- Nr. 9/10 - September/Oktober
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 98 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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I bibliotliek gehörigen Machsoriml insbesondere das Maclisor iKatalag Steinschneider Codex 36), von dem Adolf Kobut ir seinem Buche „Geschichte der deut- 4 „ sehen Judeu 18?8“ e(ne größere Anzahl von Illustrationen veröffentlicht hat. Neben dem Marhsnr war da? kleinere SidJur Gegenstand liebevollster Ausschmückung. W ährend, aber c^ie Ausstattung der großen Machsorim wegen ihrer Kostspieligkeit mit Aufkommen des Buchdrucks so gut wjie Beendet war, finden bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts und auch neuerdings wieder mit ^Federzeichnung und Miniatuften versehene handgeschriebeneiG e b e t b ü c h e r immer w ieder dankbare Abnehmer. \ W ohlhäbende Gemeindemitglieder -tifteten kostbare' geschriebene Gebetbücher für das I*1111 des Vorbeter^.. Daneben sind es Teile der Gebetbücher. de^ien sich jüdische Meister liebevoll zuwenden. So liegt z. B. in Kopenhagen (Cod. XXXII) ein herrlich ausgeführtes Exemplar des Tischgebetes aus dem 13. Jahrhundert. Aron Wolf Herlingen schreibt 1736 in schöner Ausmalung die Gebote für den sogen, kleinen Yersöhnungstag, und ^lose L ö b S o f e r, der ebenfalls in der ersten Hälfte dfes 18. Jahrhunderts lebte, eine (Pergament-Handschrift der Sabbath-Gesängc des f. Luriä. ' ' In alten Gebetbüchern, geschriebenen und gedruckten, findet nan häufig Einträge der ehemaligen Besitzer — die drei großen Einschnitte in iliteni und ihrer Anf gehörigen Leben betreffend: Geburt, Heirat, Tod. Früher kaum beachtet, gewinnen diese Datei) in unseren Tagen einen neuen Sinn. Der Enkel verspüijt ergriffen die Verbundenheit früherer Geschlechter mi^ jenem Buch, dem sie die freudigen und leidvolleif Geschehnisse ihres Lebens anfertrauten, verspürt aber gleichzeitig auch mit sehnendem Verlangen den "W unsch, I daß auch für ihn wieder gehen möge, was dereinst füj unsere Väter und Mütter galt: .. ' ... . . Ein Blick hinein, du hontest'wieder, Und deine Sterne gingen auf.4* Übersetzung der Gebete. Die Ursprache, in der unsere Gebete abgefaßt sind, i.-t bis auf sreringe Ausnahmen die hebräische. Vornehmlich um dessentwillen. weil die Gemeinde Israels ihre Gcbote^eit Jahrtausenden in dieser Sprache zum Einig- Einzigen emporgesandt hat, ist sie ihr die heilige geworden. Als Gebetssprache gehörte sie mehr noch denn als Sprache der Bibel jedermann; sie bot der jüdi- 'ehen Seele die „Heimat iu der Fremde“. War die Tora das tragbare Heiligtum des Volkes, so war das Alter- ■ ■heiligste darin das Gebet. Priester war dort nicht der \ ater allein: neben ihm waltete als Priesterin die Frau, die der Altar nicht gekannt hatte; die Gattin und Mutter. Beide .Eltern wachten darüber, daß zur frühesten Hede des Kindes die W orte de» Sch'ma, des Mode ani, tles Hamalarh hagni’l sich gesellten, in den heiligen Lauten der Ursprache. Daß auch die wichtigsten Partien der Gebetsordnung der Bibel entnommen waren, ist leicht ersichtlich. Benediktionen und Eulogien, Bekenntnis- und Achtzehngebet tragen so deutlich biblisches Gepräge, daß man als -ihre Urheber und Verfasser gern Esra und die Männer der großen Versammlung annimmt. Ohne dies«* Eignung] zu gebetsschöpferischer Gestaltung wäre’hf sie nie die Väter der Synagoge geworden, deren Besonderheit ja das Gemeindegebet war. Unser Gebet blieb unser Sondergut, es wechselte seine Sprache nicht; in ihm offenbarten sich die religiös;-sittlichen Ideen des Judentums in ihrer Echtheit und Ursprünglichkeit: aus ihr strömten der betenden Seele die. mächtigsten Wallungen des Gefühls zu. So oft sich alsdann die kurzen, pfficbtmäßigen Stammgebete mit neuen Liturgien umrahmten, wurden auch diese hebräisch abgefaßt. Das Von Br. S. Samuel. j gleiche gi|t von persönlichen Gebeteji frommer Meister, die von dbn J.üngern festgehalten wurden; auch Rah, der gloße Amora von Sura, erweiterte das Hauptgebet für die ho|ien Feste in klassischer Weise hebräisch. Und so: wäre es fortgegangen, hätten die Gemeinden in ihrer wachsenden Zerstreuung nicht ihre Forderung angemeldet und durchgesetzt, nicht nur schweigende Zuhörer zu sein, denen allein ein Amen oder qinj chorweiser Refrain zustand, s »ndern innerlich beteiligte; Mitträger des Gottesdienstes . | Schon im 3. Jahrhundert vor der; ü. Z. besaß die Gemeinde in Alexandrien in ihrer graphischen Bibel auch Gebete in dieser Sprache; manche Rabbinen erkannten deren Sch inlieit an, viele Apokryphen beweisen, ähnlich wie das Neue Testament, die Eignung der Sprache Platos auch ur die Sphäre des jüdischen Gebets. Größeren Raunt hat sie in der Synagoge nicht erworben; und gänzlich.verstummte vor deren Türen die Sprache Roms, des weit] »elierrschenden Edom. Wie eine Schwester wurde dagegen das volkstümliche Aramaeisch aufgenommen;. zuerst zur Übersetzung der Tora-Vorlesung; dann zur (Paraphrase anderer Texte; auch zur Fürbitte für die .w dtliche und religiöse Obrigkeit. Das bekannte Kaddisch-Qebetf eine Säule der gesamten Liturgie, umschreibt i n aramaeischen Idiom Gedanken aus Jecheskel und Jjob. Die tief gewurzelte Anschauung, als wäre HebräisclJ die l)evorzu?te Sprache -der Gottheit und «All AM . I , I 1 n M M /A I n n /l«Ali4nlA ■■ - „ m flt Ah alles Göttlichem — (die Engel,! so dichtete man, verstehen nur Hebräisch) — ließ dejn jAramaeisclien lange Zeit nur wenig Spielraum. Erst1 als die Kabbala ihre Ideen mit Vorliebe in diese Sprache kleidete, drang sie desto mächtiger auch in das Gebet ein; R. Jizchak 93