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Der Orden Bne Briss · 1935-09-01 · Nr. 9/10 - September/Oktober · p. Seite 96

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Journal
Der Orden Bne Briss
Volume
1935
Issue
Nr. 9/10 - September/Oktober
Date
1935-09-01
Page
Seite 96 (sequence 20)
Language
German
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I Das jüdische Gebetbuch Von Br. Bruno Italiener. „Dies Büchlein hat dich treu begleitet, Draus sagtest du dein fromm Gebet. Hast oft aus ihm auf stillen Wegen Um deiner Kindei* Glück gefleht. ] Und wenn des Unglücks Nacht dir dräute. Umdräpgten Sorgen dich zuhauf; Ein Blick hinein —• du hofftest wieder, Und deine Sterne gingen auf." [■ (Jakob Loewenberg: Des Vaters Gebetbuch.) „Dies Büchlein hat dich treu begleitet" . . \ Schon eine flüchtige Betrachtung der Geschichte der Juden bestätigt dieses W ort. .Neben dem Buch der Bücher, der Bibel, ist as das Gebetbucli, das den Juden auf seiner' Jahrhunderte, langen Wanderschaft getreulich begleitete. Beide Bücher stehen iru engsten Zusammenhang, denn die Heilige Schrift bildet mit einzelnen in ihr enthaltnen Gebeten den Grundstockunseres heutigen Gebetbuches. So ist z. B. die bekannte Stelle, mit der wir allemal unser .Morgengebet beginnen, der- SchluB des ..Adaun Auljm', den Psalmen entnommen: Ps. 31,0: ^ln Deine Hände befehle ich meinen Geist" und.Ps. Ilö,ü: „Gott ist nii mir; ich fürchte mich nicht.". Ebenso entstammt die Einleitung unseres Hauptgebetes dem Psalm •>1,17: „Herr öffne meine Lippen, und mein Mund verkünde Dein Lob.” W ahrend das „heilig, Heilig, Heilig ... in der K?duscha dem Propheten Jesaja Kap. 6,3 entnommen ist, ist der Anfang der bekannten Bitte uni Frieden, mit der die sogenannte Tefillah. und das Kadtiisrh abschli :ßen,' ein wörtliches Zitat aus dem Buche Hiob Kap. 25,2. Um endlich aus der Fülle noch ein Beispiel her; uszugreifen: der vertrauensvolle Kuf, in dem das Naclitgebet gipfelt „Auf Deine Hilfe hoffe ich, o Gott4’ entstammt der Thora: Jacob spricht diese W orte bei de m letzten Segen seiner Kinder. Bisher wir von dem sogen, s e p h a r d i s c li e.n Vorbeters, sich vor -dem lauten Vortrage edn oder mehrere Gebete. zurecht zu legen. Solche V orlagen, die anfänglich nicht fixiert werden durften, weil der Vortrag frei sein sollte, nannte man „Seder“ (Ordnung); ein Wort, da4 sich in der Form ,£iddur“ bis heute erhalten hat. t>iese Ordnungen waren aber mehr stichworlartige Geplänkengänge als genau formulierte Gebete. Die älteste Sammlung, der man schon eher die Bezeichnung eines (Gebetbuches geben darf, stammt aus der zweiten Hälfle des 9. Jahrhunderts und hat als Verfasser den Gam Natronai, den Leiter der babylonischen Hochschule ii i Sura, der auf eine. an ihn von Spanien aus gerichtet« Anfrage, was es mit der im Talmud erhobenen Forderung der „100 Segenssprüche“, die der Jude täglich sprechen müsse, für eine Bewandtnis habe, in knappster Form wesentliche Teile des öffentlichen und häuslichin Gottesdienst zusammenstellte. 'Bedeutend größer ist die von dem Gaon Amram, einem 96 Schüler des vorerwähnten Gaon Na.ronai, verfaßte und für den sephardiscljen Ritus maßgebend „Ordnung der Bitten und Segensspüche für das gaiizc Sammli ug der Geva d j a, der 942 in Jahr“ und noch, umfassender die bete und Lobgesänge“ des |Gaou S gewordene Sura starb. Dieses Werk, das nicht inur den Gebete, die Bedeutung des ■ Gottesdi enstes ind der 'Ge' brauche behandelt, sondern vor allein eine genaue Wie dergabe, des Textes der Stpnungebete und kann Inhalt der als d zahlreicher a s erste Sin n e poetischer Zusätze enthält, jüdische Gebetbuch in Unseren bezeichnet werden. Dem Vorbilde; aadjas f ilgt ein anderer Großer, Mose ben Maiinon; er gibt in seinem berühmten Werke „Misclme Thora“ nach Darstellung aller den Gottesdienst betreffeudeii Vorschriften und Bräuche, in wunderbarer Ordnung iine wörtliche Wiedergabe der von den Juden während des ganzen Jahres gesprocluenen Gebete. Bisher war von dem sogen, i e p h a r d i sc hpu KuUmkreise die Rede. Die Entwicklung in den aschk e n a s i's c li e n Gebieten DeuUchlaiids und Aordtrankreich.- ist ähnlich. Während der Sildur Kaschi nur eine Beschreibung des Gottesdienste!, alter keinen Text der Gebete gibt, verdanken wir Simblia ben Samuel aus V 111 y ein W erk, das Wegen seiner ausführlichen iedergabe des Gebettextes ’uutelr stjarker Berücksichtigung der | im Laufe der Jahrhunderte entstandenen religiösen Dichtungen (Piutim) 'als sogen. „Machsor Vitry" eine unerschöpfliche Quelle, zur Erforschung unserer Gottesdienste bildet. Der soeben erwijimte Name Machsor (Zyalus, Kreislauf) ist die. unpassendere Bezeichnung für nie im Kreislauf dqs jüdischen Kalenderjahres gesprochenen Gebete und Dichtungen unter Hinzuf.ügung de|r für den Gottesdienst geifernden V orschriften, während der sogen. S. idd.ur (in manchen Gegenden Tefillaja, wörtlich Gebet] genäniR) meist nur die Slampigebete und kurze Erläuterungen für die Gottesdienste enthält. W esentlich kleiner als der Siddur sind die * für bestimmte Gelegenheiten susammengestellten Qebetbüch(er wie Haggadah (für uie beiden Sederabende), Jozeroth (Dichtungen, die sich um die .Segenssprüche zum Sch’ma ranken)i Selichdth (vorwiegend für die Hohen Feiertage), Kinoth |(für den 9. Aw.), T’chinnotli (Gebetbücher für Frauen), S’miroth (religiöse Tisclilieder für den Sabbath). Die uns aus dem Mittelalter handschriftlich überkommenen Machsorim und Siddurim weichen nicht selten von einander jab, entsprechend den in einzelnen Gegenden bestehenden verschiedenen religiösen Branchen (Minhagim), die Imeist nach Ländern, oft aber aubh nach Provinzen, ja nach Städten verschieden waren., Erst mit Aufkommen dep Buchdruckes trat eine größere Vereinheitlichung ein.) In unserem aschke-

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