Der Orden Bne Briss
- Journal
- Der Orden Bne Briss
- Volume
- 1935
- Issue
- Nr. 9/10 - September/Oktober
- Date
- 1935-09-01
- Page
- Seite 94 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Gebet und Musik Von Arno N a d e 1. Motto: Gott selbst ist Ton. Lied hinter Tat und Mittel. Gebet an sielt i«t selion so nahe dem Ton, djß das echte Gehet ohne Intonation, ohne Ton, ohne ..Herzensntclodie" gar nicht zu denken ist. Herzcn-melodie, damit i-t alles gesagt. Das Herz, .darf man -lagen.- spricht nicht, es »ingt. es heuest sich ..gedankenlos'4, im Raum des Schöpfers, es tönt mit Sonne und Sphäre, es singt -— lind schon hetet es. Das Herz betet und singtin Einem, im Einen, in Gott. . _ \\ ie Gottes \\ ort oline Poesie, ohne Gestaltung, ohne innere AIu«ik. ohne Vers kaum denkbar ist. so das Wort an Gott., das zu ihm dringen will. Gott redet nicht in Pro-a. Gott -ingt seine Dinge. wenn er sie. sein esen offenbarend. den Sterblichen mitteilt: Daher die Yorles'init der Thora. des GottY^swortes, ohne Ton. ohne Ge- ’-ans niemals stattgefunden hat. I m( so auch das Gehet! Wenn man halbwegs systeniatiseh vorzeiten und die \rt der Mu«ik 'differenzieren will, sei läßt sich dies wohl am ehesten unternehmen, wenn man vom Sprechton nusgebt und die „Weise” bis zur künstlerischen A»4“ Lf staltuug verfolgt. Ichlhube dies angesichts meiner Aufgabe versucht und gelangte zur folgenden Stufenfolge: 1. der Parlando-\ ortrag. 2. das bewegte Rezitativv ■ .1. der eigentliche Gesang, t. das Kunstrezitativ. Der Parlando-Vortrag setzt meistens ein, wc Gewöhnung die \\ (ise diktiert, also beim Gebet, das sei r oft wiederholt wird, etwa bei Intonation der Wochentagsgebete, des gewöhnlichen Kaddisch. uswv Der Alltt gsbeter betet aus ..Gewohnheit'4, er spricht den Text gewissermäßen ans Pflicht hin. ohne im ganzen zu bedenken, was er sagt. — und so lallt er eine „eintönige“ Melodie vor sieh hin. Ein und derselbe Ton ist der Halt, der Gang der Vi eise bei morgenländischen Juden wie bei europäischen. Ja. man kann -agen. hier i»t ein Unterschied kaum bemerkbar. Eben, weil es melodisches Gebet auf der einfachsten. um nicht zu sagen, auf der niedersten Stufe bedeutet, begegnen -ich hier nicht nur Orient und Okzident de» jüdischen Gottesdienste«, sondern sogar die Gebete der verschieden-ien ' Religionen. Der katholische Priestrr zelebriert musikalisch derart, daß man seinem Gesang genau so hebräischen Text unterlegen könnte, und der Tnder betet, wenn er seine einfachsten Weisen vernehmen läßt, nicht viel anders als der Tao-Priester oder d\er „Wilde“. Aber nicht nur Gewohnheit diktiert den Ein-Ton, sondern auch Niedergedrücktheit der Seelen, also etwa die PsalmenveTfe. nlie bei Sterbefällen rezitiert werden. (jauscAetc b'Messer eljaun. Wachem adaunoj elauhcnu es aicole. Zijaun, Kaddisch jossaum), ebenso die Brummchöre in der synagogalen Musik des Ysteijs Stimmung für melodiöse, weitläufige Srlie reiten oder das Wort unterbrechen, letonjei beziehungsweise ihm den fltnnd hauen mit ■ j Das bewegte Rezitativ vrei^t zunächst Tonumfang auf. Eis geht aijis. »ich her ms, auf den Textinhalt, oder Tiefe der Ein-Elut in eine es erhellt die ln iliere lonlagi dem Gefühle stärkeren Ausdruck, es begi Rede zu gestalten, sei es im Dankgsbet gebet, im Jauchzen oder im Flehen. AI; die allermeisten Weiten, djie einem Tage, einer 'Gelegenheit das bestimmte cliarak e: präge aufdrücken, vor allem also die sogen Teil rede ausdrücklich nicht Von eil er die. sondern vielmehr vojnl melodisch bei.' tivefi. die durch besonder^ Betonung oder von ganz bestimmten Motiven eine Weise i kennzeichnen. '■ j Denken wir beispielsweise an den Nu tagabends, der besonders ijn Vortra: von loch (Adaunoj moloch -M Steiger) sich au die festlicli-geniiitlicbfjn Psalnipchlij «, velche die hüngen vorbeii, ausnialen, bereithalten, neu größeren s besinnt sich Seel; aus der :e, es verleiht not die Ton¬ oder im Bitticrlier gehören eint m Feste, ristische, Ge- . Nussehoaus.. zehn :n Mclo- .’egter Rezita- Hervorhebung allgemeinen;n um lah-Weise, an dgebetes an ie uns Slinidaudi, oder an die leise flehenden Re: Ahawoli rabboh, — an die Sabbat-Mine die ernst und still klagenden des Abt n Wochentagen.'— um endlich ganz ui schweigen "on all den bemerkenswerten Rezitativen unserer Feste, t durch ihre Wendungen in eine'genau fe; mung versetzen. Hier musikalische Beispiele zu liefern wegen recht schwierig. Utn jedoell den Schönheiten eine« Nussach besonders a machen, habe ich das allbekannte Atto|l Sabbath-Minchah gewählt, < weil es wie sei Rezitativ durch seine Süße Und lunigke (hier das Ruhe- *und Genjütvolle eines in denslijerrlichkeit sehwingenden Sabbat ausmalt. - - n I sfiacli tles Frei- Adaukoj moäußert, oder ie vor L'cjio iitation , ) »**• Der eigentliche Gesang, das Bedeutet 4 rhythmisierte Melodie, wie etwa. :li‘i leicht! populärste |‘-tück im östlielitn den dienst zu nennen, „Sochärti loch liier .ptoßen wir auf den Exakten Unterst die streng ich das vielsclicn Gottes- Lev^<indov:«ki. lied zwist hen Da« R >zitativ fs ehe die eisten drei Beispiele unserer Y usikheilage) bewegt sich frei im Takt, im Vortrag.,in den Moti ,en. Das Rezi- 5eelc, qie freie „Ycr- Gefühls, (tler so drücken »ich Wehesser zum kompoi ein J ezitativ kom- Rezitativ und eigentlicher Melodie. I*! tativ ist die freie Tonergießung fller tonung“ des Wortes, des Gedankens, des Gegensatz zum „gestellten“ Stück wohnlich die Chasanim aüs'), noch nierteh Stück. Natürlich kann auc tgelegte ist der E'iille I^esei1 auf die f merksam zu l echot! von teil ein freies it die St und:1 ewiger Friemaclimit 94